1. Fehmarnsches Tageblatt
  2. Politik

Ukraine-Krieg: Lage in Europas größtem AKW nach Beschuss „sehr angespannt“ - Russland streitet Vorwürfe ab

Erstellt:

Von: Bettina Menzel, Jennifer Lanzinger

Kommentare

Am Donnerstag griffen russische Truppen Europas größtes Atomkraftwerk an - dort brach ein Brand aus. Der ukrainische Präsident spricht von gezieltem Beschuss der Reaktoren.

Update vom 4. März, 10.52 Uhr: Der Chef der Internationale Atomenergie-Organisation, Rafael Mariano Grossi, hat nach dem Brand in einem ukrainischen Atomkraftwerk erste Entwarnung gegeben. Es sei kein Teil des Reaktors beschädigt worden und auch kein radioaktives Material ausgetreten, sagte er bei einer Pressekonferenz am Freitagvormittag. „Auch das System zur Messung der Strahlung ist voll funktionsfähig“, so Grossi. „Der Betreiber hat uns informiert, dass die Lage ist dennoch sehr angespannt ist.“ Zwei ukrainische Sicherheitsleute des Atomkraftwerks seien verletzt worden.

Derzeit sei nur einer der sechs Reaktoren des Atomkraftwerks in Betrieb und das nur zu 60 Prozent, so Grossi. Die übrigen fünf Reaktoren seien wegen Wartungsarbeiten oder aus Sicherheitsgründen heruntergefahren worden.

Grossi prangerte Wladimir Putin für den mutmaßlichen russischen Beschuss des Atomkraftwerks scharf an: „Alle Länder waren sich einig, dass die physikalische Integrität von Atomanlagen jederzeit gewahrt werden muss.“ Dieses Prinzip habe Russland letzte Nacht verletzt. „Wir hatten Glück, dass keine Strahlung ausgetreten ist.“ Jetzt sei es Zeit zu handeln, „wir müssen etwas tun.“ Ein „zweites Tschernobyl“ müsse verhindert werden. Er werde als Chef der Internationalen Atomenergie-Organisation deshalb direkt in die Ukraine fahren und die betroffene Atomanlage besuchen. Der Ukraine müsse jetzt geholfen werden. Russland weist Vorwürfe zurück (siehe voriges Update).

Ukraine: AKW unter Beschuss? Russland weist alles zurück

Update vom 4. März, 10.30 Uhr: Russland hat nach dem Brand im Atomkraftwerk Saporischschja Vorwürfe der Ukraine zurückgewiesen. Russische Truppen hätten bereits seit dem vergangenen Montag die Kontrolle „über die Stadt Enerhodar, das Kernkraftwerk Saporischschja und das angrenzende Gebiet“, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Freitagvormittag zudem mit. Das Personal in Europas größtem Atomkraftwerk arbeite normal weiter, sagte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow der Agentur Interfax zufolge.

Konaschenkow warf Kiew vor, mit den Berichten über den Brand eigene Interessen zu verfolgen: „Der Zweck der Provokation des Kiewer Regimes in der Nuklearanlage ist ein Versuch, Russland der Schaffung einer Brutstätte radioaktiver Kontamination zu beschuldigen“, sagte Konaschenkow.

Update vom 4. März, 8.30 Uhr: Nach dem russischen Angriff auf das Atomkraftwerk von Saporischschja hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Russland „Nuklear-Terror“ vorgeworfen. Kein anderes Land der Welt habe jemals Atomanlagen beschossen, sagte Selenskyj in einer in der Nacht zum Freitag veröffentlichten Videobotschaft. „Der Terroristen-Staat verlegt sich jetzt auf Nuklear-Terror.“ Offenbar wolle Russland die Atomkatastrophe von Tschernobyl „wiederholen“.

Ukraine-Krieg: Keine erhöhte Strahlung nach Angriff auf AKW

Update vom 4. März, 8.00 Uhr: Nach dem Brand in einem Gebäude des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja gibt es nach Darstellung der ukrainischen Behörden keine erhöhte Strahlung. Es seien keine Veränderungen registriert worden, teilte die zuständige Aufsichtsbehörde am Freitagmorgen bei Facebook mit. „Für die Sicherheit von Kernkraftwerken wichtige Systeme sind funktionsfähig.“ In dem AKW sei aktuell nur der vierte Block in Betrieb. In einem Block liefen geplante Reparaturarbeiten, andere seien vom Netz genommen, hieß es. Russische Truppen hätten das Kraftwerk besetzt. Russland hatte sich zunächst nicht geäußert.

Update vom 4. März, 7.30 Uhr: Nach dem Feuer auf dem Gelände des Atomkraftwerks Saporischschja hat der Bürgermeister des in der Nähe liegenden Ortes Enerhodar die Lage als „extrem angespannt“ bezeichnet. „Wir empfehlen, zu Hause zu bleiben“, schrieb Dmytro Orlow am Freitagmorgen im Nachrichtenkanal Telegram. Auf den Straßen sei es aber ruhig, es seien keine Ortsfremden da. Damit meinte er offenbar russische Truppen. „In der Nacht blieb Enerhodar während des Beschusses wegen Schäden an einer Leitung ohne Heizung.“ Nun werde nach Wegen gesucht, den Schaden zu beheben, schrieb er weiter. Am Morgen habe es keinen Beschuss mehr gegeben.

Ukraine-Krieg: Außenminister der Ukraine: „Wenn es explodiert, wird das zehnmal größer sein als Tschernobyl!“

Update vom 4. März 2022, 6.15 Uhr: Bei Russlands Krieg gegen die Ukraine soll auch die Anlage von Europas größtem Atomkraftwerk in der Nähe der Großstadt Saporischschja beschossen worden sein. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem gezielten Beschuss durch russische Panzer. „Europa muss jetzt aufwachen“, sagte Selenskyj in einer am Freitag bei Telegram veröffentlichten Videobotschaft. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba schrieb auf Twitter, die russische Armee schieße „von allen Seiten“ auf die Anlage. „Das Feuer ist bereits ausgebrochen. Wenn es explodiert, wird das zehnmal größer sein als Tschernobyl!“

Am frühen Morgen hätten Feuerwehrleute den Brand gelöscht, teilte der staatliche ukrainische Zivilschutz mit. Im Einsatz waren demnach 44 Rettungskräfte. Eine Evakuierung von Häusern im nahen Ort Enerhodar sei aktuell nicht geplant, hieß es. Bürgermeister Dmytro Orlow zufolge gab es durch den Beschuss der russischen Armee auch Verletzte. „Ich habe keine Informationen über ihre Zahl. Es gibt auch schwere Wunden“, sagte er der Agentur Unian zufolge.

Durch die Kämpfe nahe des Atomkraftwerks gefährdet der russische Präsident Wladimir Putin nach Meinung des britischen Premierministers Boris Johnson ganz Europa. Die „rücksichtslosen Aktionen“ von Putin „könnten nun die Sicherheit ganz Europas direkt gefährden“, sagte Johnson bei einem Telefonat mit Selenskyj. Johnson erklärte laut einer Mitteilung seines Amtssitzes, dass er „in den kommenden Stunden“ eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates zur Lage in dem Atomkraftwerk erreichen wolle.

Ukraine-Krieg: Russische Truppen bombardieren wohl größtes AKW Europas - Feuer in Nuklearanlage ausgebrochen

Ursprungsmeldung: Saporischschja/Ukraine - Am Donnerstagabend brachten russische Truppen im Ukraine-Krieg das größte Atomkraftwerk Europas in ihre Gewalt. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag spitze sich die Lage immer mehr zu: Im AKW brach ein Feuer aus, die internationale Atomenergiebehörde warnte vor einer „ernsten Gefahr“ und der ukrainische Präsident sprach von einem gezielten Beschuss der Reaktoren.

Ukraine-Krieg: Das größte Atomkraftwerk Europas brennt nach russischem Beschuss

Am Donnerstagabend wurde bekannt, dass russische Truppen das Atomkraftwerk Saporischschja besetzt hatten. Wenig später meldeten lokale Behörden, dass aufgrund des russischen Angriffs ein Feuer in der Nuklearanlage ausgebrochen sei. Der AKW-Leitung zufolge habe es in einem Gebäude für Ausbildungsveranstaltungen und einem Labor gebrannt. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba schrieb auf Twitter, die russische Armee schieße „von allen Seiten“ auf die Anlage. „Das Feuer ist bereits ausgebrochen. Wenn es explodiert, wird das zehnmal größer sein als Tschernobyl!“, warnte der Politiker in Anspielung auf eine der schlimmsten nuklearen Katastrophen aller Zeiten.

Die Ukraine appellierte indes an Wladimir Putin, die Kampfhandlungen einzustellen, um Löscharbeiten zu ermöglichen. Auch der US-Präsident Joe Biden forderte, Feuerwehrleuten und Rettungskräften den Zugang zu dem Gelände zu gewähren. Biden telefonierte mit dem ukrainischen Präsidenten und sprach außerdem mit der Leiterin der Nationalen Verwaltung für Nukleare Sicherheit der USA, Jill Hruby. In den frühen Morgenstunden erreichten Feuerwehrleute die Anlage, wie der Chef der regionalen Militärverwaltung, Oleksander Staruch, mitteilte. Die Lage sei „gesichert“, hieß es dann.

Ukrainischer Präsident Wolodymyr Selenskyj: „Sie wissen, wohin sie schießen“

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien teilte mit, mit dem ukrainischen Regierungschef Denys Schmyhal über die „ernste Situation“ zu sprechen. Etwas später twitterte die IAEA unter Berufung auf die ukrainische Atomaufsicht, dass in Saporischschja zunächst keine veränderte Strahlenbelastung gemessen worden sei. Die Behörde forderte ein Ende der Kampfhandlungen in der Umgebung des Atomkraftwerkes. Würden Reaktoren getroffen bestünde eine „ernste Gefahr“, so die IAEA.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte in einem Video auf Telegram mit, dass er von einem gezielten Beschuss der Reaktorblöcke durch russische Panzer ausgehe. „Da sind mit Wärmebildkameras ausgestattete Panzer. Das heißt, sie wissen, wohin sie schießen, sie haben sich darauf vorbereitet.“ Unabhängig überprüfen ließen sich diese Aussagen zunächst nicht. Angesichts der Geschehnisse in Saporischschja forderte der britische Premier Boris Johnson eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates. Das „rücksichtslose“ Verhalten von Russlands Präsident Wladimir Putin könne „direkt die Sicherheit von ganz Europa bedrohen“, erklärte das Büro von Premierminister Boris Johnson in der Nacht zum Freitag. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare