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Ukraine-Krieg: Russland erobert Sjewjerodonezk – Putin spricht von einer „Rückholaktion russischer Erde“

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Von: Julius Fastnacht, Lucas Maier

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Die Ukraine verliert die Stadt Sjewjerodonezk im Osten des Landes. An anderer Front ist Russland weniger erfolgreich. Der News-Ticker.

Update vom Donnerstag, 9. Juni, 19.45 Uhr: Wladimir Putin stellt Ukraine-Krieg auf eine Ebene mit dem Großen Nordischen Krieg unter Russlands Zar Peter I. Zum 350. Geburtstag von Peter dem Großen sprach er von einer „Rückholaktion russischer Erde“, wie dpa berichtet.

Der russische Zar, Peter der Große, sorgte mit seinen Eroberungen dafür, dass Russland einen Zugang zur Ostsee erhielt. Das Gebiet um die heutige Millionenstadt St. Petersburg habe er damals jedoch nicht von Schweden erobert, sondern zurückgewonnen, sagte Putin. „Offenbar ist es auch unser Los: Zurückzuholen und zu stärken“, zog der Präsident laut der Nachrichtenagentur Interfax am Donnerstag (9. Juni) Parallelen zum Krieg gegen die Ukraine.

Putin zum Ukraine-Krieg: Präsident von Russland zieht Parallele in die Vergangenheit.
Putin zum Ukraine-Krieg: Präsident von Russland zieht Parallele in die Vergangenheit. (Archivbild) © Darko Vojinovic/dpa

Ukraine-Krieg: Russland erobert Sjewjerodonezk – Zivilpersonen suchen in Chemiefabrik Schutz

Erstmeldung vom Donnerstag, 9. Juni: Kiew – Die Stadt Sjewjerodonezk im Osten der Ukraine steht kurz davor, an Russland zu fallen. Sie gilt als Schlüssel für die Kontrolle über die Donbass-Region. Auf dem digitalen Schlachtfeld hält die Ukraine russischen Cyber-Angriffen bislang stand. Und auf dem diplomatischen Parkett bemüht sich die Ukraine weiter um einen EU-Beitritt. Die Nacht im Überblick.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Schlacht um Sjewjerodonezk als richtungsweisend für den Kampf im Osten des Landes bezeichnet. „Das ist eine sehr brutale und schwere Schlacht. Vielleicht eine der schwersten dieses Krieges (...) In vielem entscheidet sich dort das Schicksal unseres Donbass“, sagte er am Mittwoch (9. Juni) in einer Videobotschaft.

Ukraine-News: Zivilisten verschanzen sich in Asot-Chemiefabrik in Sjewjerodonezk

Nach schweren Kämpfen kontrolliert die russische Armee den größten Teil von Sjewjerodonezk. Lediglich das Industrie-Gebiet sei noch in ukrainischer Hand. Das teilte der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Hajdaj, am Mittwoch in seinem Telegramkanal mit. Zuvor hatte der Regionalgouverneur die Verteidigung von Sjewjerodonezk als „Mission Impossible“ bezeichnet. „Die Russen schießen auf alles, sie zerstören alle Häuser in Sjewjerodonezk, mit Panzern, mit Artillerie“, sagte Hajdaj.

In den Bunkern der Chemiefabrik „Asot“ in Sjewjerodonezk in der Ostukraine sollen sich 800 Zivilisten aufhalten sollen, darunter 200 Fabrikarbeiter.
In den Bunkern der Chemiefabrik „Asot“ in Sjewjerodonezk in der Ostukraine sollen sich 800 Zivilisten aufhalten sollen, darunter 200 Fabrikarbeiter. © DF Group/dpa

Laut einem Anwalt des ukrainischen Magnaten Dmytro Firtasch haben sich rund 800 Zivilisten in den Schutzräumen der Asot-Chemiefabrik in Sjewjerodonezk verschanzt. Die Anlage gehört Firtaschs Unternehmen DF Group. „Unter diesen 800 Zivilisten befinden sich etwa 200 der 3000 Beschäftigten der Fabrik und etwa 600 Einwohner von Sjewjerodonezk“, sagte der US-Anwalt Lanny Davis. Die Angestellten seien geblieben, um die „hochexplosiven Chemikalien“ auf dem Gelände zu sichern.

Ukraine: Cyber-Krieg gleicht „Rugby-Weltmeisterschaft ohne Trikots“

Russland hat in der Ukraine mit Methoden der digitalen Kriegsführung bislang deutlich weniger Erfolg gehabt, als von vielen erwartet worden war. Cybersicherheitsexperten hätten mit verheerenden, großflächigen Cyberangriffen auf die Ukraine gerechnet, sagte General Karol Molenda, Leiter des polnischen Nationalen Cybersicherheitszentrums, am Mittwoch bei einer Internationalen Fachmesse im französischen Lille. Aber die Ukraine sei vorbereitet gewesen und „hat den Angriffen Russlands standgehalten“.

General Didier Tisseyre, Leiter der französischen Cyberabwehrtruppen, unterstrich jedoch, dass die Analyse des Cyberkonflikts erschwert werde. Unabhängige Hackergruppen seien in den Kampf eingetreten und zugleich unterstützten Unternehmen wie Microsoft und Starlink von US-Millardär Elon Musk die Ukraine. Er verglich den Cyber-Krieg mit einer „Rugby-Weltmeisterschaft, bei der alle Mannschaften ohne ihre charakteristischen Trikots auf dem Feld stehen.“

Ukraine-Krieg: Gesandter Selenskyjs rechnet mit EU-Kandidatenstatus

Selenskyjs Sondergesandter für eine EU-Beitrittsperspektive hat sich nach Gesprächen in Berlin zuversichtlich gezeigt, dass sein Land den Kandidatenstatus für die Europäische Union erhalten wird. Wenn die EU-Kommission in der kommenden Woche eine entsprechende Empfehlung abgebe, gehe er von einer Zustimmung der 27 Mitgliedstaaten aus, sagte der Minister für regionale Entwicklung, Oleksij Tschernyschow, der dpa. Er rechne auch mit einer Zustimmung Deutschlands. Die Bundesregierung war bisher noch zurückhaltend. (juf mit dpa/afp)

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