ARD-Doku

Dreckschleuder oder Urlaubsparadies? Das sagen Experten zu Kreuzfahrtschiffen

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Ein ARD-Doku setzt sich mit dem Thema Umweltverschmutzung durch Kreuzfahrtschiffe auseinander. Wie groß ist das Problem wirklich?

Die Kreuzfahrt-Industrie boomt. Aber wie schädlich sind die Schiffe wirklich für Umwelt und Gesundheit? Eine ARD-Doku setzte sich nun mit dem Thema auseinander.

Rund 2,23 Millionen Deutsche sind 2018 auf Kreuzfahrt gegangen. Damit sind wir die Kreuzfahrt-Nation Nummer eins in Europa. Doch je mehr die Branche boomt, umso mehr Aufmerksamkeit zieht sie auf sich.

So klagen immer mehr Anwohner und Experten, dass die Luftverschmutzung in Hafenstädten zugenommen habe. Die Maßnahmen der Umweltbehörden und Reedereien gegen die Feinstaubbelastung reichen ihnen nicht aus. Nun hat sich auch die ARD-Doku-Reihe "Die Story im Ersten" diesem Thema angenommen und fragt in seinem neusten Beitrag: "Dreckige Brise: Traumschiffe als Luftverschmutzer?"

Kreuzfahrt-Boom: Anwohner in Hafenstädten immer skeptischer

"Es ist eine Luftverschmutzung, die man aber auch nicht direkt bemerkt. Es ist langfristig einfach unangenehm: man bekommt Kopfschmerzen. Es ist eine riesige Belastung", sagt unter anderem Jürgen Brandt, der von Frankfurt nach Warnemünde gezogen ist, um am Meer zu leben. Er habe festgestellt, dass sich dunkler Staub an seinem Balkon ablegen würde, der seiner Meinung nach von den Schiffen komme.

Auch Tom Schmatloch aus Hamburg berichtet davon, dass der Dreck in den letzten 20 Jahren schlimmer geworden sei. Immer mehr Rußpartikel würden sich an Tischen im Haus oder auf dem Balkon finden. Deshalb haben er und andere Anwohner zusammen mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) eigene Messstationen installiert.

Sönke Diesener vom NABU erklärt in der Doku, dass es erste Ergebnisse gäbe: "Gerade entlang der Elbe ist eigentlich immer eine höhere Schadstoffbelastung zu sehen als in hinteren Stadtgebieten. Gerade wenn Schiffe vorbeifahren, sieht man deutliche Peaks."

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Umweltbelastung: Reedereien setzen auf "Scrubber"

Vier Schadstoffe werden dabei immer wieder von Experten genannt, die von Kreuzfahrt-Dampfern ausgestoßen werden: Kohlendioxid, das Klimagas der Erderwärmung, Schwefeldioxid, das für den sauren Regen verantwortlich ist, Stickoxide, die Schadstoffe der Abgasaffäre, und Feinstaub, das gesundheitliche Schäden verursachen kann.

Deshalb werden in vielen Kreuzfahrtschiffen mittlerweile Schwefelwäscher, sogenannte "Scrubber", eingebaut, die den Ausstoß von Schwefeldioxid und Stickoxid wesentlich reduzieren sollen. Laut Prof. Dr. Ralf Zimmermann vom Helmholtz-Zentrum sollten diese Angaben aber differenziert werden: "Man muss allerdings unterscheiden zwischen Umwelt- und Gesundheitseffekten. Schwefel zum Beispiel hat negative Umweltauswirkungen, für die Gesundheit sind sie aber eher minimal."

Zudem würden dadurch längst nicht alle Feinstaubpartikel herausgefiltert werden. Gerade der gefährlichste, der Ultrafeinstaub, wird laut Axel Friedrich, einem bekannten Forscher für Luftbelastung, nicht einmal gemessen. Das läge daran, dass die Umweltbehörden als Indiz für Feinstaubgefahr das Gewicht der Partikel messen - und der Ultrafeinstaub wiegt nahezu nichts. Dabei kann gerade er in die Lunge eindringen und schon in geringen Mengen großen Schaden anrichten.

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Umwelt-Experte misst Feinstaub in der Nähe von Kreuzfahrtschiffen

Bei seinen Messungen in Warnemünde stellte Axel Friedrich zuletzt einen Wert von rund 85.000 Partikeln pro Kubikzentimeter Luft fest - ein normaler Ausstoß liegt jedoch bei 1.500 Partikeln. Selbst festgemachte Kreuzfahrtschiffe sorgen in der Fußgängerzone noch für einen Ausstoß von 43.000 Partikeln pro Kubikmeter Luft. Das Problem bei Kreuzfahrtschiffen ist nämlich, dass sie schwimmende Hotels sind. Wenn sie am Hafen anliegen, brauchen sie immer noch Strom, der durch ihre Dieselmotoren erzeugt wird.

Immerhin gibt es Schritte in Richtung umweltfreundlicher Kreuzfahrtreisen: Die "Aida Nova" ist das erste Schiff der Welt, das komplett mit flüssigem Erdgas betrieben wird. Allerdings müssen auch hier Tankschiffe tausende Kilometer zurücklegen, um das Schiff zu befüllen, wenn nötig. Und auch Landstrom - zum Beispiel in Hamburg - nehmen bisher nur wenige Reedereien wahr, weil er im Vergleich zum Diesel noch zu teuer ist.

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