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Flughafen-Chaos in Europa: Wo geht es schnell – und wo nicht? 

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Von: Franziska Kaindl

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Für viele Deutsche beginnt der Urlaub aktuell mit langen Warteschlangen am Flughafen, verlorenem Gepäck oder gestrichenen Flügen. Aber wo ist es besonders chaotisch?

Seit einigen Wochen schon herrscht Ausnahmezustand an deutschen Flughäfen – und das könnte noch einige Zeit so anhalten, wie der Kreditversicherer Allianz Trade in einer Studie meint. Die Fluggesellschaften würden versuchen, die Verluste aus der Corona-Pandemie wieder wettzumachen. Solange die Treibstoffkosten aber in die Höhe gingen, sei der Anreiz gering, die Personalkosten zu steigern. Und gerade am Personal mangelt es der Luftfahrtbranche gerade gewaltig. Trotzdem gibt es auch Länder in Europa, bei denen der Flughafenbetrieb aktuell reibungslos läuft. Welche das sind – und welche nicht – haben wir in einer Übersicht zusammengestellt.

Italien ohne Flug-Chaos: Flughäfen gut auf Touristen vorbereitet

Die Fluggastzahlen liegen zwar noch nicht auf dem Niveau vor der Corona-Pandemie, trotzdem hat Italien die langsam steigende Flut an Sommerurlaubern aktuell gut im Griff, wie der Chef der zivilen Luftfahrtbehörde (ENAC), Pierluigi Di Palma, der Nachrichtenagentur Ansa berichtet. Vom Staat gab es finanzielle Unterstützung mit insgesamt 800 Millionen Euro, auch in Form von Kurzarbeitergeld. So konnte einiges an Personal gehalten werden.

Besonders gut läuft es in Rom Fiumicino: Hier lag die durchschnittliche Wartezeit an der Sicherheitskontrolle im letzten Monat bei weniger als drei Minuten, so die Tagesschau. Das liegt daran, dass das Security-Team direkt beim Flughafen beschäftigt ist und nicht von Fremdfirmen beauftragt. Während der Corona-Pandemie wurde daraus niemand entlassen.

Lange Warteschlangen am Flughafen London Heathrow.
An vielen europäischen Flughäfen zeigt sich aktuell dasselbe Bild: Lange Warteschlangen in den Abflughallen. In manchen Ländern geht es aber auch anders. © Mark Thomas/Imago

Wenig Ausfälle an spanischen Flughäfen

Auch in Spanien müssen Reisende derzeit mit Warteschlangen und Verspätungen rechnen – allerdings nicht in dem Maße wie in Deutschland. Sie rühren von den Streiks des Bodenpersonals von Ryanair und Easyjet her, außerdem hat auch das Chaos auf Zubringerflughäfen wie in Deutschland seinen Anteil. Anders als hierzulande herrscht in Spanien aber kein großer Personalmangel. Das ist dem sogenannten ERTE zu verdanken, einem Instrument des spanischen Arbeitsrechts. Es erlaubt Unternehmen, Arbeitsverträge für eine bestimmte Zeitspanne auszusetzen – aus diesem Grund wurde nicht so vielen Menschen während der Pandemie gekündigt. Das große Chaos könnte aber trotzdem noch kommen: Spanische Fluglotsen kritisieren die schlechte Bezahlung und Personalknappheit, wie die Tagesschau berichtet. In Frankreich herrschen aufgrund dessen bereits Streiks.

Normaler Flugbetrieb in Griechenland – doch im Sommer könnte es kritisch werden

Auch in Athen hat sich das Bodenpersonal während der Corona-Pandemie um mehr als 30 Prozent verringert. Seit zwei Monaten würde wieder verstärkt Personal eingestellt werden, dennoch sei es aber schwierig, die Lücken zu füllen, so Christos Karagiannis vom Gewerkschaftsbund OPAM. Dennoch zahlt sich die frühzeitige Suche nach Ersatz aus, wie es scheint: Die Probleme an den Flughäfen in Griechenland halten sich in Grenzen. Bei den Sicherheitskontrollen und bei der Gepäckabfertigung liefe alles normal, so ein Sprecher des Athener Flughafens Eleftherios Venizielos gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Wenn es doch einmal zu Problemen und Verspätungen komme, dann läge es hauptsächlich an verspäteten Flügen aus Deutschland und Großbritannien. Wenn die Touristenzahlen im Juli und August steigen, könnten sich aber auch in Griechenland die Engpässe deutlicher bemerkbar machen.

Flug-Chaos in Europa: Kaum Engässe in der Türkei

Wer einen Urlaub in der Türkei geplant hat, muss abgesehen vom Abflug in Deutschland mit keinen größeren Problemen im Flugverkehr rechnen. Wie Hava-Sen, die Gewerkschaft für Beschäftigte im Luftverkehr, laut Deutscher Presse-Agentur erklärt, gibt es an türkischen Flughäfen keine Personalengpässe. Das bestätigten zudem Sprecher von Turkish Airlines und des Flughafens Istanbul. Schon vor der Pandemie habe es eher ein Überangebot an Personal gegeben, fügte Hava-Sen-Chef Seckin Kocak hinzu. Zu Verspätungen komme es nur wegen eines starken Reiseaufkommens, aber nicht wegen Personalmangels. Mitarbeiter wurden bewusst gehalten, außerdem haben sich nur wenige nach anderen Jobs umgesehen, weil es generell kaum offene Stellen gibt, so die Tagesschau.

Personalmangel und Streiks: Frankreich mit langen Wartezeiten und Ausfällen

Sie planen eine Reise nach Frankreich? Dann sollten Sie sich auf mehrere Stunden Wartezeit vorbereiten. Auch hier herrscht nämlich Personalmangel aufgrund der Corona-Pandemie – allein an den Pariser Flughäfen sollen laut Tagesschau 4.000 Stellen unbesetzt sein. Sowohl beim Bodenpersonal als auch bei den Airlines selbst fehlt es an Angestellten. Hinzu kommen wiederkehrende Streiks aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen und niedriger Löhne. Am Flughafen Charles-de-Gaulle mussten laut dpa zuletzt rund zehn Prozent der Abflüge und Landungen gestrichen werden.

Großbritannien versinkt im Flug-Chaos: Wie geht es weiter?

Großbritannien ist neben Deutschland wohl aktuell das Paradebeispiel für das Flug-Chaos in Europa. An Flughäfen bildeten sich in den letzten Wochen regelmäßig lange Warteschlangen an der Gepäckabfertigung und an den Sicherheitschecks, außerdem entfallen zahlreiche Flüge. Allein British Airways sagte mehr als 10.000 Kurzstreckenflüge bis Ende Oktober ab, so die dpa. Easyjet setzt Flüge von Großbritannien nach Hurghada in Ägypten bis Ende Juli sogar komplett aus. Nun kündigte man am Flughafen London Heathrow sogar an, ab sofort bis Ende September eine Obergrenze von 100.000 Passagieren pro Tag einzuführen. Fluggesellschaften sollen nun ihren Ticketverkauf für diesen Zeitraum einstellen.

Schuld am Chaos ist ebenfalls der Personalmangel, der infolge der Corona-Pandemie entstanden ist. Aufwändige Sicherheitschecks bei Neueinstellungen machen es zudem schwierig, neues Personal zu beschaffen. Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan gibt laut Tagesschau dem Brexit die Schuld an der aktuellen Situation, da er wichtige Arbeitnehmer aus der EU fernhielte. Verkehrsminister Grand Shapps hingegen sieht das Problem bei den Chefs der Luftfahrtbranche, die seiner Meinung nach zu spät auf die steigenden Fluggastzahlen reagiert hätten. Eine Besserung ist vorerst auch nicht in Sicht: Beschäftigte der British Airways wollen wegen Gehaltskürzungen noch im Sommer streiken. (fk)

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