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2 000 Euro Mehrkosten

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Ein  Stromstecker liegt auf Euro-Geldscheinen.
Einige Anbieter haben den Stecker gezogen und Strom- sowie Gasverträge gekündigt. © DPA

Teure Rechnungen für Energie reißen derzeit Löcher in die Kassen vieler Haushalte. Ärger und Sorgen rund um Strom oder Gas erreichen zunehmend die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Kiel – Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein hat mit Sorgen wegen der stark gestiegenen Preise für Strom, Diesel, Gas oder Heizöl zu tun. Einige Anbieter haben Strom- und Gasverträge gekündigt, was aus Sicht der Verbraucherzentrale nicht rechtens ist, sagte Vorstand Stefan Bock bei der Jahrespressekonferenz am Mittwoch. Betroffene Kunden seien in die Grund- oder Ersatzversorgung gerutscht, und manche Versorger hätten die Preise innerhalb dieser Versorgung nach Bestands- und Neukunden differenziert.

Für eine dreiköpfige Familie mit einem Standard-Gasverbrauch könne das 2 000 Euro Mehrkosten im Jahr ausmachen, sagte Bock. „Das ist eine Entwicklung, die uns sehr beunruhigt. Nach unserer Auffassung widerspricht diese Preisdifferenzierung bei den Kunden in der Grundversorgung dem EU-Recht.“

Wer von einer Kündigung betroffen sei, stehe vor der schwierigen Aufgabe, in einen anderen Tarif zu kommen. „Es gibt auch noch die Möglichkeit, Schadenersatz zu fordern von dem bisherigen Energieversorger“, sagte Bock. Die Situation sei besonders für Geringverdiener eine große Herausforderung. „Die Bundesregierung muss sich Gedanken machen, inwieweit es zu Anpassungen kommen muss im Bereich der Sozialleistungen.“

Lenia Baga von der Verbraucherzentrale riet, bei der Suche nach einem neuen Versorger auf kurze Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen sowie auf Preisgarantien zu achten. Aus Sicht ihres Kollegen Tom Janneck steckt in der aktuellen Energiepreiskrise sozialer Sprengstoff. Bei einer Erhöhung von 2 000 Euro reiche ein Heizkostenzuschuss von 135 Euro für eine Person, wie er im Gespräch sei, nicht aus. Hier müsse auf politischem Weg eine Lösung her.

Die höheren Energiepreise haben nach Bocks Angaben im vergangenen Jahr zu einer verstärkten Nachfrage nach Beratung für Energieeinsparung geführt. Dabei gehe es zum Beispiel um die Frage, welche Heizung bei einer Neuanschaffung die Richtige ist, welche Auflagen gelten und welche Fördermöglichkeiten es gibt. Im Vergleich zu 2020 sei die Nachfrage in diesem Bereich um 30 Prozent gestiegen. Die Zahl der der Verbraucheranfragen insgesamt ist 2021 nach Bocks Angaben um rund 5 Prozent auf knapp 50 000 zurückgegangen, lag aber höher als vor der Corona-Pandemie.  dpa

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