Amtsinhaber Ulf Kämpfer gilt als Favorit für Oberbürgermeister-Posten

197 000 Kieler haben die Wahl

Plakate von Ulf Kämpfer (l.) und Andreas Ellendt (mit Daniel Günther) hängen in Kiel. Daneben treten Florian Wrobel (r. o.) und Björn Thoroe an. Fotos: dpa/Ann Teegen

Kiel – 197 000 Kieler können an diesem Sonntag über den künftigen Oberbürgermeister von Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt entscheiden. Amtsinhaber Ulf Kämpfer (SPD) wird nicht nur von den Sozialdemokraten, sondern auch von Grünen, FDP und SSW unterstützt. Sein größter Konkurrent unter den drei Gegenkandidaten kommt von der CDU: Die Union schickt den Gymnasiallehrer Andreas Ellendt (55) als Herausforderer ins Rennen. Außerdem treten der Linken-Politiker Björn Thoroe und Florian Wrobel (Die Partei) an.

Um im ersten Wahlgang wiedergewählt zu werden, benötigt Kämpfer die Mehrheit der gültigen Stimmen. Wenn keiner so viele Stimmen erhält, kommt es zur Stichwahl zwischen den beiden Bewerbern mit den meisten Stimmen im ersten Wahlgang. Die Amtszeit beträgt sechs Jahre.

Kämpfer ist seit 2014 Oberbürgermeister. „Kiel ist eine der dynamischsten Städte Deutschlands“, sagt der mit der ehemaligen Umwelt-Staatssekretärin Anke Erdmann (Grüne) verheiratete Sozialdemokrat. Er verweist auf Investitionen in Milliardenhöhe, die in der Fördestadt derzeit getätigt würden. „Ich habe diese Dynamik nach Kräften unterstützt und vieles angeschoben, was ich in einer zweiten Amtszeit vollenden möchte.“ Dazu gehört beispielsweise das umstrittene Innenstadt-Projekt Kleiner-Kiel-Kanal. In der Nähe des 170 Meter langen und mindestens etwa zehn Meter breiten Wasserbeckens sollen neue Hotels, Geschäftshäuser und Wohnungen entstehen.

Der Verwaltungschef nennt bezahlbaren Wohnraum als eines der drängendsten Probleme der Stadt. Sein Ziel sei es, verbindlich mindestens 30 Prozent Sozialwohnungen durchzusetzen, eine starke Kieler Wohnungsbaugesellschaft aufzubauen und 6 000 Wohnungen fertigzustellen. Kämpfer will in einer zweiten Amtszeit den öffentlichen Nahverkehr verbessern und günstiger machen, die Investitionen in den Radverkehr verdoppeln sowie mit dem Bau einer Stadtbahn beginnen. So hofft er, die Feinstaub-Grenzwerte am Theodor-Heuss-Ring ohne Fahrverbote ab 2020 wieder einhalten zu können.

Herausforderer Ellendt sieht in bezahlbaren Wohnungen und der Sanierung von Schulen aktuell die größten Probleme: „Als Naturwissenschaftler sehe ich die Dinge vernetzt und habe eine differenzierte Herangehensweise an Probleme und Aufgaben.“ Er will ein Bündnis für Wohnen anstoßen, „das sich aus einem Miteinander verschiedener Ansätze wie genossenschaftlichem Wohnungsbau und der Förderung von genossenschaftlichen Initiativen, städtischen Beteiligungen, Wohnungsbaugesellschaften sowie privatem Investment zusammensetzt“. Denn die Stadt brauche 10 000 neue Wohnungen.

Auch Ellendt nennt 30 Prozent sozialen Wohnungsbau als Ziel, das er verbindlich festschreiben lassen will. In den kommenden zehn Jahren müssten in Kiel mindestens 30 Schulen saniert oder durch Neubauten ersetzt werden, sagt Ellendt. „Die dafür nötige Schulbaugesellschaft werde ich als eine der ersten Maßnahmen meiner Amtszeit anpacken.“ Sie soll wirtschaftlicher Eigentümer aller für schulische Zwecke genutzten Grundstücke und Gebäude der staatlichen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Kiel werden. Der CDU-Politiker will außerdem Probleme in den Bürgerämtern angehen, denn „Wartezeiten im Bürgeramt von mehreren Monaten sind inakzeptabel“.  dpa

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