Ein Lastwagen fährt mit den Kadavern der getöteten Hühner vom Hof des Geflügelbetriebs in Grumby. - Foto: dpa

Rätselraten über Ausbruch der Vogelgrippe in Grumby

30.000 Hühner in Betrieb bei Schleswig getötet

Kiel/Grumby - Alle Hühner einer von der Vogelgrippe betroffenen Massentierhaltung bei Schleswig sind bis gestern Morgen getötet worden. Das teilte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums mit.

Der Bestand des Betriebs in Grumby war von dem aggressiven Geflügelpest-Virus H5N8 befallen. Die 30.000 Hühner sind per Stromschlag in einem Wasserbecken getötet worden. In Dänemark sind unterdessen mehrere Hunderttausend Eier aus dem Betrieb gestern vorsichtshalber vernichtet worden.

Die 300.000 Eier waren an eine Brüterei im dänischen Baekke in der Nähe von Kolding geliefert worden. „Sie sind nicht getestet worden“, sagte ein Sprecher der Lebensmittelbehörde gestern. „Wir vernichten sie nur zur Sicherheit.“

Rätselraten bereitet Experten, wie die Vogelgrippe in dem gut geschützten Betrieb in Grumby ausbrechen konnte. Experten des Greifswalder Friedrich-Loeffler-Instituts sollen dies klären.

Der Zuchtbetrieb für Bruteier ist bundesweit die erste Massentierhaltung, die von der aktuellen Vogelgrippe-Epidemie betroffen ist. Der Erreger gilt als ungefährlich für Menschen, ist aber eine erhebliche Bedrohung für Hausgeflügel. Um den Hof wurde ein Sperrbezirk von drei Kilometern und ein Beobachtungsgebiet von weiteren sieben Kilometern eingerichtet. In ganz Schleswig-Holstein gilt eine Stallpflicht für Geflügel.

Sollte sich die Vogelgrippe weiter ausbreiten, müsse im schlimmsten Fall der gesamte Handel mit Geflügel unterbunden werden, sagte Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Die ersten Ausbrüche bei Hausgeflügel waren am Freitag bei zwei weitaus kleineren Höfen in der Nähe von Lübeck sowie in Vorpommern gemeldet worden. In Schleswig-Holstein ist die Tierkrankheit bereits in sechs von elf Kreisen aufgetreten – bis auf die zwei Höfe ausschließlich bei Wildvögeln.

Gestern teilte der Kreis Segeberg mit, dass zwei tote Reiherenten aus dem Großen Segeberger See tatsächlich das Geflügelpest-Virus hatten. Um den Fundort seien ein Sperrbezirk und ein Beobachtungsgebiet eingerichtet worden. Der Kreis appellierte, die Hygienevorschriften penibel einzuhalten. Denn Geflügelpest lasse sich sehr leicht über die Kleidung, Schuhe oder Hände verbreiten. „Ein wenig Mist unter den Schuhen reicht zum Beispiel aus, um damit das Virus weiter zu tragen.“

In Deutschland ist die Vogelgrippe seit der vergangenen Woche in immer mehr Bundesländern nachgewiesen worden. Europaweit wurden aus mindestens sieben Ländern Geflügelpest-Nachweise bei Wildvögeln oder in Geflügelbeständen gemeldet.

In Dänemark ist das Virus bislang nur bei einzelnen verendeten Wildenten nachgewiesen worden. Halter sind aufgerufen, ihr Geflügel nach Möglichkeit drinnen oder unter einem Dach zu halten.

Dem Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) wäre eine bundesweite Stallpflicht für Geflügel am liebsten. Habeck hat angekündigt, die Sicherheitsvorkehrungen über die Vorschriften der Geflügelpest-Verordnung hinaus erhöhen zu wollen. „Wir schätzen die Lage in Schleswig-Holstein dramatischer und gefährlicher ein als vielleicht einige andere Kollegen – inklusive des Bundeslandwirtschaftsministers.“

Erstmals war die H5N8-Variante der aktuellen Epidemie in Deutschland am 8. November bei verendeten Wasservögeln an Seen im Kreis Plön nachgewiesen worden. - dpa

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