Überraschendes Geständnis vor Gericht: „Mir ist eine Sicherung durchgeknallt“

39-Jähriger tötet Ex-Freundin

Der Angeklagte verbirgt sein Gesicht beim Betreten eines Saals im Landgericht hinter einem Aktenordner. Ihm wird vorgeworfen, im Oktober 2017 seine Ex-Freundin getötet zu haben. Foto: dpa

Lübeck - Von Eva-maria Mester. Das Geständnis des Angeklagten kam auch für das Gericht überraschend. „Sie hat mich verhöhnt, da ist bei mir eine Sicherung durchgeknallt“, sagte der 39 Jahre alte Angeklagte am Mittwoch. Er habe die Hände um ihren Hals gelegt und zugedrückt, sagte der kräftige Fliesenleger, der zuletzt eine Tankstelle in Schwarzenbek im Kreis Stormarn betrieben hatte. Ihm wird vorgeworfen, im Oktober 2017 seine gleichaltrige Ex-Freundin getötet und ihre Leiche einige Kilometer entfernt in einem Waldstück versteckt zu haben.

„Ich wollte noch mal mit ihr reden, ihr sagen, dass ich mich ändern will. Doch sie hat nur schnippisch reagiert und das mit einer Handbewegung abgetan“, sagte er am zweiten Prozesstag. Er muss sich seit zwei Wochen wegen Mordes vor dem Lübecker Landgericht verantworten.

Erst im April war der Mann festgenommen worden, nachdem die Leiche seiner Ex-Freundin von einem Landwirt gefunden worden war. Der 39-Jährige, der schon unmittelbar nach dem Verschwinden der Frau einmal in das Visier der Ermittler geraten war, stritt ab, etwas mit der Tat zu tun zu haben. Deshalb hat das Gericht zunächst 49 Zeugen geladen.

Am Abend des 25. Oktober 2017 hatte sich das ehemalige Paar noch einmal in der Wohnung des Angeklagten in Rümpel im Kreis Stormarn getroffen. Man habe über die Rückabwicklung eines noch vor der Trennung getätigten Grundstückskaufs reden wollen, sagte der Angeklagte am Mittwoch. Er habe seine Ex-Freundin anschließend mit ihrem Auto zu ihrer Wohnung ins rund zehn Kilometer entfernte Schlamersdorf gefahren, wo es dann zum Streit gekommen sei.

Dabei ging es nach Aussage des Angeklagten um den neuen Freund der Frau, die sich im Spätsommer 2017 von ihm getrennt hatte. „Sie hat mich hingehalten und mir nicht die Wahrheit gesagt, das hat mich wütend gemacht“, sagte der Angeklagte, der nach eigenem Bekunden während der Beziehung mindestens eine intime Affäre mit einer anderen Frau gehabt hatte. Als Motiv für die Tat vermutet die Staatsanwaltschaft, dass der Angeklagte es nicht ertragen konnte, dass seine Freundin sich einem anderen Mann zugewandt hatte.

Nach der Tat habe er Panik bekommen, sagte der Angeklagte am Mittwoch. „Ich habe die Tote in ihr Auto gesetzt und bin zu dem Waldstück bei Hammoor gefahren, das ich vom Vorbeifahren kannte“, sagte der Angeklagte. Dort habe er ihre Leiche in zwei große Plastiksäcke verpackt, die er zufällig im Kofferraum gefunden habe und habe die Leiche ins Unterholz getragen. Anfang 2019 fuhr er noch mal zu der Stelle nahe der Autobahn. Ihm sei aufgefallen, dass man die blaue Folie der Säcke von der Straße aus sehen konnte, sagte der Angeklagte. „Ich habe dann meine Jacke darüber gelegt, denn ich wollte, dass man die Spur zu mir verfolgen kann, falls die Leiche gefunden wird“, sagte er. Der Prozess wird am 20. November fortgesetzt.    dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.