Käufer von Trakehnerhengst „Kaiser Milton“ wird nach Richterurteil zur Kasse gebeten

400 000 Euro für lahmes Pferd

Urteil im Streit um „Kaiser Milton“: Das Landgericht Kiel entschied, dass der Käufer den Siegerhengst des Trakehnermarktes 2017 nicht zurückgeben darf und den vollen Kaufpreis von fast 382 000 Euro plus Nebenkosten zahlen muss. - Foto: dpa

Kiel/Bad Bevensen - Ein niedersächsischer Züchter muss den aus seiner Sicht kranken Trakehner-Spitzenhengst „Kaiser Milton“ behalten und insgesamt mehr als 400 000 Euro zahlen. Das entschied das Landgericht Kiel am Donnerstag. Zum Kaufpreis in Höhe von 381 692,50 Euro kämen Zinsen und vorgerichtliche Rechtsanwaltskosten hinzu, erläuterte Richter Ulf Müller bei der Verkündung des Urteils.

Der Züchter aus Bad Bevensen hatte den Siegerhengst des internationalen Trakehnerhengstmarkts 2017 in Neumünster ersteigert, danach aber nicht bezahlt, weil das Pferd krank sei – ein bisher einzigartiger Fall in der Geschichte des Trakehnermarkts.

Der Käufer legte Tierarzt-Atteste vor, wonach das Pferd lahmt. Außerdem habe es einen Fesselträgerschaden. Und ein vor dem Verkauf mitgeteilter Herzfehler sei schlimmer als angegeben. Daher wollte er vom Kauf zurücktreten und das Pferd zurückgeben. Der Markt klagte für den niederländischen Verkäufer auf Zahlung des Kaufpreises. Eine Widerklage des Käufers wies das Landgericht zurück. Richter Müller betonte, entscheidend für das Urteil sei gewesen, dass der Käufer den Verkäufer nicht zu einer sogenannten Nacherfüllung aufgefordert habe – also die Behebung der gesundheitlichen Mängel oder eventuell die Lieferung eines anderen Pferdes. Diese Aufforderung wäre juristisch notwendig gewesen als Voraussetzung für einen Rücktritt vom Kaufvertrag. Es sei ein Rechtsfehler des Käufers gewesen. Daher habe das Gericht auch keinen Sachverständigen mehr hinzugezogen, um den Gesundheitszustand des Pferdes zum Zeitpunkt der Versteigerung zu klären. Sogar bei einem unheilbar kranken Pferd sei ein Nacherfüllungsverlangen notwendig, um vom Kauf zurücktreten zu können, sagte Müller unter Verweis auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs.

Schon beim Abladen nach dem Transport nach Niedersachsen stellte der neue Besitzer nach eigenen Angaben fest, dass das Tier vorne links lahmt – angeblich wegen eines nicht korrekt gewachsenen Hufs.

Bei einem Gütetermin vor dem Landgericht Kiel am 11. Oktober hatte der Käufer erklärt: „Warum sollte ich erst ein solches Pferd kaufen, um es einen Tag später ohne Grund zu reklamieren?“ Er hätte sogar 50 000 Euro mehr bezahlt, so sehr habe ihm „Kaiser Milton“ gefallen. Es sei fraglich, ob er jemals wieder in seinem Leben ein solch schönes Pferd finde. Aber als Betreiber eines Gestüts, der wirtschaftlich denken müsse, könne er das Pferd nicht behalten.

Gegen das Urteil kann vor dem Oberlandesgericht Schleswig Berufung eingelegt werden. Der Anwalt des Käufers sagte ihm sei das Urteil noch nicht zugestellt worden. Daher wolle er sich nicht äußern. - dpa

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