Kassiererin beim Autoteile-Großhändler

59-Jährige hat 450.000 Euro veruntreut und bekommt Bewährungsstrafe

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Vor Gericht gab die verwitwete Angeklagte an, sie habe das Geld für ihre beiden Söhne gestohlen.

Lübeck - Für die Veruntreuung von mehr als 450.000 Euro hat das Landgericht Lübeck eine 59 Jahre alte Kassiererin am Dienstag zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Sie hatte gestanden, zwischen Mai 2009 und März 2014 1 100 Mal in die Kasse ihres Arbeitgebers, eines Autoteile-Großhändlers, gegriffen zu haben. „Heute würde ich das am liebsten ungeschehen machen“, sagte die Angeklagte im Prozess. Zuvor hatte sie ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Sie erstellte sogenannte Streckengutschriften für angeblich zurückgegebene Waren und nahm den entsprechenden Betrag aus der Kasse. „Sie hat die Hand, die sie ernährte, über einen langen Zeitraum systematisch bestohlen“, sagte Staatsanwalt Kai-Uwe Bergfeld. Die Summen, die sie auf diese Weise fast täglich für sich abzweigte, schwankten zwischen 100 bis 1000 Euro. Der Firma fielen die Unregelmäßigkeiten erst 2014 auf, die Kassiererin wurde entlassen.

Zusätzlich zu der Bewährungsstrafe verurteilte das Gericht die Angeklagte zu 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Außerdem muss die Frau 360.000 Euro zahlen. Darauf hatten sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung für den Fall eines umfassenden Geständnisses geeinigt.

„Zu den Taten kam es, weil ich nach dem Tod meines Mannes mit vielen Geldforderungen konfrontiert wurde“, sagte die Angeklagte, die seit 1996 in der Lübecker Filiale eines Großhandels für Autoersatzteile arbeitete. „Dort wurde das mit den Streckengutschriften recht locker gehandhabt. Sie wurden auch benutzt, um Kassendifferenzen zu verschleiern“, sagte sie. Da die Namen auf den Gutschriften meist unleserlich gewesen und kaum kontrolliert worden seien, sei sie 2009 auf die Idee gekommen, das für ihre Zwecke zu nutzen.

Mit dem Geld unterstützte sie ihre 1985 und 1987 geborenen Söhne, finanzierte ihnen Miete, Auto und einen Aufenthalt in Australien. Sie habe ihren Söhnen nichts von den Schulden erzählt, sagte sie vor Gericht. „Sie sollten glauben, ihr Vater habe sie gut versorgt zurückgelassen“, sagte sie leise. 

dpa

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