Agrarminister fordert faire Preise für Fleisch

Albrecht will mehr Tierwohl

Tierhaltung und Landwirtschaft müssen nachhaltiger werden, fordert Agrarminister Jan Philipp Albrecht. (Grüne). Foto: dpa

Neumünster – Faire Beziehungen zwischen Einzelhandel und Landwirtschaft lassen sich nach Einschätzung von Agrarminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) nicht durch Appelle erreichen. „Die Bundesregierung muss dem Einzelhandel konkrete Maßnahmen abringen. Gute Lebensmittel und nachhaltige Landwirtschaft haben ihren Preis“, sagte Albrecht. Angesichts extremer Billigangebote für Lebensmittel in vielen Supermärkten hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Handel zu fairen Bedingungen für die Bauern aufgerufen.

Ein fairer Preis liege deutlich über dem Dumping-Niveau einiger Supermärkte, sagte Albrecht. „Es geht nicht um einen Mindestpreis für das Nackensteak. Es geht darum, dass der Staat Rahmenbedingungen schafft, damit Landwirtschaft und Tierhaltung nachhaltiger werden und damit Zukunft haben.“

Der Grünen-Politiker will sich auch für eine artgerechtere Haltung von Nutztieren wie Schweinen einsetzen. Dafür werbe er auf Bundesebene. „Weil diese Maßnahme aber wie alle anderen Tierwohlmaßnahmen auch mit Kosten für die Nutztierhalter verbunden sein werden, brauchen wir dringend eine belastbare Gegenfinanzierung über ein Umlagesystem.“ Die Umsetzung höherer Standards übersteige die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Landwirte, bestätigte der Präsident des Landesbauernverbandes, Klaus-Peter Lucht. „Damit sind wir nicht mehr wettbewerbsfähig in der Europäischen Union.“ Grund sei unter anderem, dass der Verbraucher höhere Standards bei der Tierhaltung fordere, dafür jedoch freiwillig nicht zahlen wolle. Die Landwirte wünschen sich ein Systeme analog zur Initiative Tierwohl, sagte Lucht.

Albrecht sprach am Donnerstag in Neumünster mit Landwirten über die Zukunft ihrer Branche im Land. Zum traditionellen Landwirtschaftstag erwarteten die Volks- und Raiffeisenbanken sowie der Bauernverband als Co-Veranstalter dort rund 1 100 Landwirte. „Als Land fördern wir insbesondere den Bau von tiergerechten Ställen“, sagte Albrecht. Damit verbunden seien Auflagen an den maximalen Viehbestand sowie das Güllemanagement. „Darüber hinaus brauchen wir aber insbesondere Änderungen für mehr Tierschutz in der Sauenhaltung im Land.“ Vorgeschlagen habe er bereits einen Tierwohl-Cent. „Diese Lösung wäre effizient, praktikabel und für den Verbraucher sicher akzeptabel, weil der Aufpreis an der Kasse eher marginal ist, das Geld aber gezielt in Tierschutzmaßnahmen fließen kann.“

Die Größe der Betriebe spielt in den Planungen des Agrarministers nur eine untergeordnete Rolle. „Absehbar ist aber, dass die Zahl der insgesamt gehaltenen Tiere perspektivisch sinken muss, wenn wir mehr Tierwohl und Klimaschutz umsetzen wollen.“  dpa

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