28-Jähriger aus Mittelangeln angeklagt

Säugling totgeschüttelt? Angeklagter schweigt zu Vorwurf

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Vor dem Landgericht Flensburg setzte sich ein 28-jähriger Angeklagter, der für den Tod eines Babys verantwortlich sein soll, gestern für eine milde Strafe ein. 

Flensburg - Die Lippen leicht zusammen gekniffen, der Blick geht ins Leere: Mit eisernem Schweigen „kämpft“ ein 28 Jahre alter Mann vor dem Landgericht Flensburg um eine milde Strafe. Drei Jahre Haft will er höchstens absitzen, im Gegenzug dafür will er ein Geständnis ablegen, versprach er.

Die Anklagebehörde machte bei dem Deal jedoch nicht mit. Weil der Staatsanwalt den Mann bei einem Schuldspruch für fünf bis sechs Jahre ins Gefängnis schicken will, sei es bei einem sogenannten Rechtsgespräch außerhalb der Verhandlung zu keiner Verständigung gekommen, sagte der Vorsitzende Richter gestern. Danach ließ der Angeklagte selbst sein Schweigen durch seinen Verteidiger verkünden.

Der 28-Jährige sitzt wegen Körperverletzung mit Todesfolge auf der Anklagebank. Er soll in Mittelangeln im Sommer 2015 das Baby seiner Lebensgefährtin aus unbekanntem Grund totgeschüttelt haben. Ersthelfer konnten den vier Monate alten Säugling am 19. Juni zunächst reanimieren. Das Baby starb fünf Tage später im Krankenhaus an den Folgen seiner Hirnverletzungen.

Jamie hieß das Baby, und es war von einem anderen Mann. „Er mochte Jamie nicht – nicht wickeln und nicht füttern“, sagte die Mutter als Zeugin vor Gericht. Damals sei sie mit dem Angeklagten noch verheiratet gewesen. „Er war wie eine Klette“, schilderte die 27-Jährige. Er habe sogar seinen Job aufgegeben, um ständig mit ihr zusammen sein zu können. Trotzdem habe sie sich immer wieder alleine mit anderen Freunden getroffen.

So auch am 19. Juni, als abends um 18.11 Uhr plötzlich ihr Handy klingelte. „Er weinte und stammelte irgend etwas mit ‚Baby’“, erinnerte sich die junge Frau. Das Baby sei vom Sofa gefallen, habe er damals behauptet. Doch sie habe ihm nicht geglaubt. Stunden später im Krankenhaus habe sie erfahren, dass es nicht die erste Kopfverletzung des Säuglings gewesen sei. Die Ärzte hätten im Hirn des kleinen Jamie ein zwei bis drei Wochen altes Hämatom entdeckt. Als sie den Angeklagten deshalb zur Rede stellte, habe er nur „schnippisch“ reagiert. „Da wurde mir klar, dass er es war“, sagte die junge Frau. Der Prozess wird fortgesetzt. dpa

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