Anstieg bei Delikten schlägt politisch hohe Wellen / CDU fordert mehr Polizei

Immer mehr Einbrüche – und Aufklärungsquote sinkt

+
Im Land häufen sich die Einbrüche.

Kiel - Die Opposition hat die Landesregierung wegen der drastisch gestiegenen Wohnungseinbrüche und einer rückläufigen Aufklärungsquote zum Handeln aufgefordert. „Eine um rund 50 Prozent gestiegene Zahl von Wohnungseinbrüchen und eine Aufklärungsquote von nur etwa zehn Prozent seien nicht hinnehmbar“, sagte der CDU-Landesvorsitzende Ingbert Liebing am Dienstag in Kiel.

„Angesichts der dramatisch gestiegenen Zahl der Einbruchsdelikte in den vergangenen Monaten muss die Landesregierung endlich eine personell und technisch starke Task Force einrichten“, forderte Liebing in einem Sofortprogramm zur Inneren Sicherheit.

Eine viel zu dünne Personaldecke der Polizei im Bereich Einbruchskriminalität kritisierte auch die FDP. Im Laufe des Jahres 2015 seien rund 500 Polizeimitarbeiter fürs Flüchtlingsmanagement abgezogen worden, dies müsse korrigiert werden, sagte der FDP-Innenpolitiker Ekkehard Klug am Dienstag. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte wie die politische Opposition, dass auf dem Lande in mehreren Kreisen Polizeidienststellen geschlossen und die sichtbare Polizeipräsenz damit erheblich gesunken sei.

Innenminister Stefan Studt (SPD) kündigte an, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz mit der Polizeiführung über die aktuelle Entwicklung bei den Wohnungseinbrüchen im Land zu informieren. Der Landtag wird sich kommende Woche mit dem Thema befassen. Die CDU setze den Kampf gegen Einbruchskriminalität auf die Tagesordnung des Parlaments, sagte Fraktionschef Daniel Günther. Die CDU fordert in einem Antrag neben einer ganzjährigen Task Force den Erhalt aller Polizeidienststellen auf dem Lande. Außerdem sollten Polizisten von nicht sicherheitsrelevanten Flüchtlingsaufgaben abgezogen und für die Bekämpfung der Einbruchskriminalität eingesetzt werden. Des Weiteren fordert die CDU, Wohnungseinbruchdiebstähle in den Katalog der schweren Straftaten aufzunehmen. Bislang können solche Einbrüche auch als minderschwere Fälle bewertet werden mit niedrigerem Strafmaß.

Auf Wunsch der FDP wird die Landesregierung im Parlament einen Bericht zur aktuellen Entwicklung bei Wohnungseinbrüchen vorlegen.

Die offizielle Kriminalitätsstatistik 2015 wird erst im Frühjahr veröffentlicht. Für die Entwicklung bis Ende September legte die Landesregierung im Oktober einen Zwischenstand vor. Bis dahin waren bereits 5992 Einbrüche erfasst, die Aufklärungsquote lag bei 9,4 Prozent. 2014 hatte die Polizei laut Kriminalstatistik rund 7500 Wohnungseinbrüche bearbeitet, die Aufklärungsquote lag bei 12,6 Prozent. Die Quote sei 2015 auf etwa zehn Prozent gesunken, sagte GdP-Landesgeschäftsführer Karl-Hermann Rehr am Dienstag in Kiel. Zugleich kritisierte Rehr, dass die GdP bereits im Sommer auf einen massiven Anstieg der Wohnungseinbrüche hingewiesen und die Politik nicht reagiert habe. Im Winter, der Hochsaison für Einbrüche, seien die Zahlen weiter gestiegen.

Ein Radiosender hatte vergangene Woche mit der Quelle Landespolizeiamt gemeldet, dass die Zahl der gemeldeten Einbrüche im November um 72 Prozent und im Dezember um 40 Prozent im Norden gestiegen seien – jeweils bezogen auf den Vorjahresmonat. Im November wurden demnach 1149 Einbrüche gemeldet und im Dezember 1309.

Für die steigenden Zahlen hat die Polizei überregional agierende Banden vom Balkan und aus dem osteuropäischen Raum verantwortlich gemacht. In Schleswig-Holstein verüben laut Rehr knapp 100 organisierte Banden Einbrüche. Eine zweite Tätergruppe seien Drogensüchtige, die sich mit gestohlenem Geld den nächsten Schuss besorgen wollten.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.