Heute vor 40 Jahren ging das Kernkraftwerk Brunsbüttel in Betrieb

Ein Atommeiler vor dem Rückbau

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40 Jahre nach der Inbetriebnahme bereiten die Betreiber den Rückbau des Kernkraftwerks in Brunsbüttel vor.

Brunsbüttel - Von Wolfgang Runge. Das Kernkraftwerk Brunsbüttel war der erste Atommeiler des Landes: Am 9. Februar 1977 nahm das AKW nach acht Jahren Bauzeit und Probebetrieb den kommerziellen Betrieb auf. Am 18. Juli 2007 wurde der pannenträchtige Meiler runtergefahren.

Nach Angaben der Betreiber produzierte das Kraftwerk in dieser Zeit eine Netto-Leistung von mehr als 118 Millionen Megawattstunden Strom. Das reicht, um rund 30 Millionen Vier-Personen-Haushalte ein Jahr lang zu versorgen.

Das AKW Brunsbüttel ist ein sogenannter Siedewasserreaktor. In ihm wird – ähnlich wie bei herkömmlichen Kraftwerken mit Kohle-, Öl- oder Gasfeuerung – Wasser durch Wärme unter hohem Druck erhitzt und verdampft. Der Dampf treibt über eine Turbine einen Generator zur Stromerzeugung an. Die zur Verdampfung des Wassers benötigte Wärme entsteht durch kontrollierte Kernspaltung in den Brennelementen des Reaktorkerns. Bei Betrieb hatte das Kraftwerk nach Angaben von Vattenfall eine Nettoleistung von 771 Megawatt. Es produzierte sechs Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr.

Seit 2007 ist das Brunsbütteler Kernkraftwerk nach Angaben der Atomaufsicht in Kiel nicht mehr am Netz. Ein Kurzschluss leitete sein Aus ein. Der Reaktor war nach der Reparatur kurz wieder ans Netz gegangen, blieb dann aufgrund diverser technischer Probleme jedoch dauerhaft abgeschaltet. Als Konsequenz aus der Katastrophe von Fukushima gehörte das Kraftwerk zu den acht Reaktoren in Deutschland, die 2011 ihre Berechtigung zum Leistungsbetrieb verloren, also nicht mehr ans Netz dürfen.

Derzeit bereiten die Betreiber den Rückbau vor. Damit das AKW als erstes der drei Meiler in Schleswig-Holstein zurückgebaut werden kann, müssen zunächst die 532 Brennelemente aus dem Reaktor entfernt werden. Sie enthalten den Kernbrennstoff Uran. In Deutschland gibt es noch kein Endlager für diesen radioaktiven Müll, so dass die Brennstäbe zunächst auf dem AKW-Gelände in einem eigens dafür gebauten Zwischenlager untergebracht werden. Es ist aus meterdickem Stahlbeton gebaut.

Für Kritiker stellen die Abrisspläne eine Gefahr für Umwelt und Bevölkerung dar. Sie warnen vor einer Strahlenbelastung, die der Bevölkerung während des Abbaus zugemutet werde.

Das Kernkraftwerk Brunsbüttel gehört zu zwei Dritteln dem schwedischen Energiekonzern Vattenfall und zu einem Drittel E.ON. Die Betreiber rechnen für den vollständigen Rückbau des Atommeilers bis zur „grünen Wiese“ mit zehn bis 15 Jahren. Dafür haben sie insgesamt 1,7 Milliarden Euro zurückgestellt. dpa

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