Sonderregelung für Gülle

Bauernverband befürchtet Milliardenschäden

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Werner Schwarz, Präsident des schleswig-holsteinischen Bauernverbandes, erwartet beim Schweinepest-Gipfel konkrete Abwehrmaßnahmen, um ein Eindringen des Virus von Osteuropa nach Deutschland zu verhindern. 

Kiel - Der schleswig-holsteinische Bauernverband hat weitere vorbeugende Maßnahmen gegen die bereits in den Nachbarländern Polen und Tschechien nachgewiesene Afrikanische Schweinepest gefordert. Notwendig sei auch eine realistische Übung für den Ernstfall, sagte der für fünf weitere Jahre wiedergewählte Bauernverbandspräsident Werner Schwarz Donnerstag in Kiel.

Von dem Schweinepest-Gipfel, zu dem Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) heute in Kiel eingeladen hat, erwartet der Bauernverband konkrete Abwehrmaßnahmen, um ein Eindringen des Virus von Osteuropa nach Deutschland möglichst zu verhindern. Dazu gehöre das Einzäunen sämtlicher Autobahnraststätten, damit Wildschweine dort nicht an Essensreste herankämen. Außerdem müssten insbesondere Lkw-Fahrer sowie Saison- und Pflegekräfte aus Osteuropa sensibilisiert werden – etwa durch Informationsschilder, dass keine Essensreste in Mülleimer gehörten, sondern wieder mitgenommen werden müssten.

Viele osteuropäische Arbeitskräfte brächten Fleisch oder Wurst aus ihrer Heimat zur Eigenverpflegung mit. Dabei könne sich das Virus etwa in einem Schinken bis zu sechs Monate halten. Daher sollten möglichst kein Fleisch mitgebracht werden, sagte Schwarz. Zudem sollten Lkw-Fahrer ihre Fahrzeuge regelmäßig desinfizieren und ihre Kleidung wechseln. Und in Polen sollten kleine Schweinehaltungen, die etwa noch mit Essensresten gefüttert würden, vermieden werden. Das Füttern von Hausschweinen mit Essensresten sei in Deutschland wegen der Infektionsrisiken streng verboten.

Schwarzwild-Bestand muss reduziert werden

Zudem müsse der Bestand des Schwarzwildes vorsorglich um 70 Prozent reduziert werden. Ein Problem: Bereits jetzt sei es nahezu unmöglich, Wildschweinfleisch noch zu verkaufen. Der Absatzmarkt sei nahezu zusammengebrochen. Dabei sei die Schweinepest für Menschen völlig ungefährlich. Mittelfristig sollte ein Impfstoff entwickelt werden, forderte der Bauernverband.

Sollte die Schweinepest in Deutschland ausbrechen, befürchtet der Bauernverband Milliardenschäden für Schweinehalter und die Fleischindustrie. Es würde ein sofortiges Exportverbot für Schweineprodukte aus Deutschland verhängt. Dabei werde in Deutschland 125 Prozent des heimischen Verbrauchs produziert, sodass 25 Prozent exportiert werden müssten. Dieser Bereich – vor allem Bauchfleisch, Ohren, Schwänze oder Innereien – würde wegbrechen. Kleinere Schweinebetriebe würden ein Ausbrechen der Schweinepest nicht überleben, warnte der Bauernverband.

Angehäufte Jauche darf ausgebracht werden

Große Probleme bereitet den Bauern außerdem die seit Monaten angehäufte Gülle, die wegen der ungünstigen Wetterbedingungen nicht ausgebracht werden konnte. „Die Behälter sind zum Überlaufen voll“, sagte Schwarz. Seit dem 15 April 2017 habe es nur eine einzige Woche gegeben, in der weniger als zwei Liter Regen pro Quadratmeter gefallen sei. Die heftigsten Niederschläge habe es Ende Juni mit 90 Litern gegeben.

Dank einer Sondergenehmigung dürfen vom 16. Januar von 00.01 Uhr an Bauern im Norden Gülle ausbringen. Normalerweise herrscht eine Sperrfrist vom 1. November bis zum 31. Januar. Allerdings dürfen fürs Ausbringen von Gülle die Flächen nicht wassergesättigt sein, was aber laut Bauernverband bei vielen Grünflächen noch der Fall ist. Immerhin seien die Ammoniak-Emissionen in der Luft bei den herrschenden Temperaturen um den Gefrierpunkt sehr gering, erläuterte Schwarz. Notwendig seien auf Dauer größere Lagerkapazitäten für Gülle. Der Staat sei gefordert, entsprechende Neubauten finanziell zu unterstützen. Denn viele Bauern könnten dies selber nicht leisten. - dpa

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