Flüchtlingsrat fordert Aufnahme von 1 000 Minderjährigen

Für bessere Bedingungen

Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Noch im Dezember möchte ein Bündnis verschiedener Organisationen 1 000 unbegleitete Minderjährige in Deutschland aufnehmen. Foto: dpa

Kiel/Lübeck – Der Flüchtlingsrat im Land hat die Innenministerkonferenz (IMK) aufgefordert, ein Aufnahmeprogramm für 1 000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus Griechenland zu beschließen. Mehr als 3 000 Kinder und Jugendliche lebten unter katastrophalen Bedingungen auf der Straße, in Flüchtlingslagern für Erwachsene, sie befänden sich in „Schutzhaft“ oder lebten in Zelten oder unter Planen in den Hotspots auf den griechischen Inseln, kritisierte der Flüchtlingsrat gestern in Kiel. Ein Bündnis verschiedener Organisationen rufe deshalb in einem Appell an die Landes- und Bundespolitik dazu auf, noch im Dezember mindestens 1 000 unbegleitete Kinder und Jugendliche aus Griechenland in Deutschland aufzunehmen.

Die IMK findet von heute bis zum 6. Dezember in Lübeck statt. Gast wird auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sein. Der Flüchtlingsrat hielt dem Bundesminister vor, einen Vorstoß des niedersächsischen Innenministers Boris Pistorius (SPD), unbegleitete minderjährige Geflüchtete aus griechischen „Hotspots“ in Deutschland aufzunehmen, zurückgewiesen zu haben.

„Das Angebot des Bundesinnenministers, 144 Kindern einen Nachzug zu ihren Familien zu ermöglichen, auf den sie ohnehin einen rechtlichen Anspruch hätten, ist nicht mehr als ein Feigenblatt“, kritisierte Gerlinde Becker vom Flüchtlingsrat Niedersachsen.

„Unbegleitete Kinder und Jugendliche gehören zu den Verletzlichsten unter den Flüchtlingen“, betonte Martin Link, Geschäftsführer beim Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein. „Drei Viertel der in Griechenland gestrandeten Kinderflüchtlinge vegetieren als Obdachlose und bar jeder bedarfsgerechten Betreuung und angemessener Versorgung.“ Ein IMK-Beschluss sei schnell notwendig: „Es eilt – der erwartete Wintereinbruch wird die ohnehin prekäre Lage erheblich verschärfen.“

Pistorius war Ende Oktober nach Lesbos und Athen gereist, um sich ein eigenes Bild zu machen. Die dortigen Verhältnisse schockierten ihn derart, dass er sich seit seiner Rückkehr für ein sofortiges Aufnahmeprogramm auf Bundes- und Landesebene einsetzt, um gerade die Minderjährigen ohne Begleitung möglichst noch vor diesem Winter sicher unterzubringen. Der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein und Stefan Schmidt, Landesbeauftragter für Flüchtlings-, Asyl- und Zuwanderungsfragen des Landes, hatten sich daraufhin an den schleswig-holsteinischen Innenminister und IMK-Vorsitzenden Hans Joachim Grote (CDU) mit einem Appell zur Unterstützung der niedersächsischen Initiative und zur Aufnahme von Kinderflüchtlingen aus Griechenland in Schleswig-Holstein gewandt.  dpa

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