Bestattung der Einsamen

Wenn jemand stirbt der keine nahen Verwandten mehr hatte oder diese nichts mit dem Verstorbenen zu tun haben wollten, werden die Toten oft auf Veranlassung des Ordnungsamtes bestattet. Foto: dpa

Keine Angehörigen oder finanzielle Gründe: Manchmal müssen Kommunen für die Bestattung von Verstorbenen zahlen. Es wird zwar versucht, nach Verwandten zu suchen, die die Kosten übernehmen. Doch das gelingt nicht immer.

Flensburg/Kiel – Wenn jemand stirbt, kümmert sich in der Regel die Familie um die Beerdigung. Doch was, wenn jemand keine nahen Verwandten mehr hatte oder diese nichts mit dem Verstorbenen zu tun haben wollten? In solchen Fällen werden die Toten oft auf Veranlassung des Ordnungsamtes bestattet. Dieses versucht zwar, sogenannte bestattungspflichtige Angehörige wie Ehepartner, Eltern oder Kinder ausfindig zu machen. Dies gelingt aber in vielen Fällen nicht. Das ergab eine Umfrage unter mehreren Städten im Land.

2016 wurden in Kiel insgesamt 242 Verstorbene auf Veranlassung der Ordnungsbehörde bestattet. 2017 waren es 237, im vergangenen Jahr 262. Eine gewisse Zunahme sei also zu beobachten, sagte der Stadtsprecher. Grundsätzlich landeten beim Ordnungsamt sehr häufig die Fälle von Menschen, die Konflikte mit ihren Angehörigen hatten. „Hier herrscht dann häufig ein Unwille der Hinterbliebenen, die Trauerfeier selbst auszurichten.“ Bei etwa 20 bis 30 Prozent der Verstorbenen findet die Stadt keine Angehörigen mehr, ansonsten sind sie in der Pflicht.

Bei den behördlich veranlassten Bestattungen in Kiel werden die Leichname grundsätzlich eingeäschert und die Urne wird anonym beigesetzt. „Hat der Verstorbene aber schriftlich zum Beispiel eine Erd- oder Seebeisetzung gewünscht, wird diesem Wunsch auch entsprochen“, erklärt der Stadtsprecher. Ebenso werde auf religiöse Besonderheiten geachtet. „Hier findet eine gute Zusammenarbeit mit den jüdischen und muslimischen Gemeinden statt.“

Grund sind oft schlechte Familienverhältnisse

In Neumünster werden jährlich zwischen 50 und 70 Verstorbene auf Veranlassung des Ordnungsamtes beerdigt. Eine ständig zunehmende Anzahl könne nicht festgestellt werden, sagte ein Sprecher der Stadt. Auch die Zahl der Fälle, in denen bestattungspflichtige Verwandte gefunden werden, schwankt: 2018 konnten in etwa 40 Prozent der Fälle keine Angehörigen ermittelt werden.

Es gebe aber auch Jahre, wo weniger gefunden werden. Und manchmal können zwar Angehörige ermittelt werden, allerdings sind viele aufgrund von gebrochenen Familienverhältnissen nicht bereit, die Beerdigung zu übernehmen. „In diesen Fällen müssen auch ordnungsbehördliche Bestattungen veranlasst werden. Die Kosten werden anschließend durch einen Leistungsbescheid bei den Angehörigen wieder zurückgefordert“, sagte der Neumünsteraner Stadtsprecher.

In der Regel gibt es in Neumünster keine öffentlichen Trauerfeiern. „In seltenen Fällen setzen sich Bekannte oder Freunde der Verstorbenen, nach Abstimmung mit uns, mit dem Bestatter in Verbindung und veranlassen Trauerfeiern in kleineren Runden auf eigene Kosten.“ In Neumünster werden die Verstorbenen im Rahmen einer Feuerbestattung anonym beigesetzt.

In Lübeck lässt das Ordnungsamt jährlich etwa 350 Menschen beerdigen – Tendenz steigend, sagte eine Stadtsprecherin. Gründe dafür könnten Entfremdung in der Familie oder finanzielle Gründe sein. In etwa ein Drittel der Fälle lassen sich keine bestattungspflichtigen Angehörigen finden. Öffentliche Aussegnungsfeiern gibt es den Angaben zufolge in Lübeck nicht. Ein Bestattungsunternehmen richte aber nach Bedarf gemeinsame Urnenaussegnungen mit Vertretern aller Konfessionen aus, an denen Freunde teilnehmen können. Die Verstorbenen werden ebenfalls eingeäschert und die Urne anonym auf dem städtischen Friedhof beigesetzt.

In Flensburg liegt die Zahl der durch das Ordnungsamt Bestatteten nach Angaben der Stadt jährlich zwischen 50 und 60 Personen. Die evangelisch-methodistische Kirchengemeinde veranstaltet seit 2006 regelmäßig Aussegnungsfeiern für diese Menschen. Dort können sich Freunde, Nachbarn und Verwandte verabschieden. Seit April weist die Stadt Flensburg öffentlich auf die Feier hin und veröffentlicht auf ihren Internetseiten auch Namen, sowie Geburts- und Sterbedatum der Verstorbenen.

Den Verstorbenen ein Gesicht geben

„Uns ist es wichtig, denen die bestattet werden, ein Gesicht zu geben“, sagte ein Stadtsprecher aus Flensburg. An den öffentlich angekündigten Aussegnungsfeiern nahmen jeweils rund 30 Menschen teil. Nach der Aussegnung werden die Urnen anonym auf dem Friedenshügel beigesetzt.  dpa

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