53 von 70 Heimbewohnern positiv auf Corona getestet / Kliniken alarmiert

Betrieb läuft trotz Ansteckung weiter

„Ich denke, die Zahlen der positiv Getesteten werden noch steigen.“ Amtsarzt Jörg Günther will Bewohner dennoch weiter im Pflegeheim betreuen. Foto: DPA

Bad Oldesloe – Nach positiven Corona-Tests bei 53 von 70 Bewohnern eines Pflegeheims in der Gemeinde Rümpel bei Bad Oldesloe (Landkreis Stormarn) sind die umliegenden Krankenhäuser vorsorglich alarmiert worden. Bisher seien keine schweren Erkrankungen festgestellt worden, und es sei auch kein Infizierter im Krankenhaus, sagte Amtsarzt Jörg Günther.

Entscheidend dürfte die zweite Woche nach der Infektion werden, ob jemand von einer schweren Verlaufsform verschont bleibe, betonte Günther. Auch 19 von 58 Beschäftigten des Wohnparks Rohlfshagen seien infiziert. Das Heim mit schönem Garten liegt abgelegen, Polizisten kontrollierten gestern die Zufahrt. Hinweisschilder wiesen auf das Besuchsverbot hin. Das Durchschnittsalter der Bewohner ist 81 Jahre, teilte Heimleiter Daniel Schöneberg auf Anfrage mit.

Wie das Virus in die Pflegeeinrichtung für Demenzkranke und psychisch Auffällige genau kam, ist laut Günther ungeklärt. Eine Mitarbeiterin habe am 3. April noch in dem Heim gearbeitet, am Tag darauf, einem Samstag, habe sie Krankheitssymptome festgestellt. Nachdem die Mitarbeiterin positiv getestet worden war, sollten alle Bewohner und Mitarbeiter getestet werden. Ein Großteil wurde bereits getestet. Bei 14 Bewohnern und 29 Pflegekräften war der Test negativ. Die Tests von zehn Mitarbeitern stehen noch aus. Ein Heimbewohner lehnte den Test ab. „Ich denke, die Zahlen der positiv Getesteten werden noch steigen“, sagte Amtsarzt Günther.

Es sei nicht zwangsläufig so, dass die erste festgestellte infizierte Mitarbeiterin das Virus ins Heim getragen haben müsse. Denn nachdem sie positiv getestet worden sei, seien innerhalb weniger Tage insgesamt 72 Infizierte nachgewiesen worden. „Es war keine Dynamik feststellbar, wir hatten einen Fall und dann sofort 72 Fälle.“

Günther verteidigte den Ansatz, dass auch infizierte, aber symptomfreie Pflegekräfte weiterhin in der Einrichtung die Bewohner betreuten. Dies liege daran, dass Demenzkranke und psychisch Auffällige auf vertraute Pflegekräfte angewiesen seien und Corona-Auflagen ohnehin selber nicht befolgen könnten. Im Übrigen entspreche dieses Vorgehen auch den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte es als „hochgefährlich, wenn sich kranke Altenpflegekräfte jetzt um Covid-19-Pflegeheimbewohner kümmern sollen“. Denn der Kreis Stormarn habe die Möglichkeit, eine Taskforce zu bilden, sagte Vorstand Eugen Brysch. Dort könnten sich Ärzte und Pflegekräfte der Krankenhäuser mit niedergelassenen Medizinern und freien Pflegekräften zusammenschließen. „Solche freiwilligen Teams können dort arbeiten, wo es am meisten brennt“, sagte Brysch.

Die Einrichtung steht bereits seit vergangenen Donnerstag unter Quarantäne, sagte Landrat Henning Görtz. Die Heimbewohner könnten sich auch sonst nur im Garten der Anlage aufhalten, nicht aber in den Ort gehen, ergänzte Ingo Lange von der Heimaufsicht.

Wegen der räumlichen Situation konnten die bislang negativ getesteten Bewohner nicht separiert werden, um die ungewöhnliche Situation nicht weiter zu verschärfen. Ein Krisenstab, das Gesundheitsamt und die Heimaufsicht unterstützen die Einrichtung, um die Arbeitsfähigkeit des Personals zu erhalten. Die infizierten Mitarbeiter dürfen sich nur im Heim aufhalten und zuhause.

„Wir unterstützen die Einrichtung in jeder Hinsicht“, sagte Landrat Görtz und dankte allen Helfern, die bis an ihre Grenzen und darüber hinaus gingen. „Ich kann wirklich sagen, sie arbeiten rund um die Uhr.“ Ziel sei es, dass die Bewohner in ihrer gewohnten Umgebung im „Wohnpark Rohlfshagen“ bleiben könnten.  dpa

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