Ein Biike-Feuer
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Ein Biike-Feuer

Biike an der Nordsee

Feuriger „Karneval“

Bredstedt - Mit meterhohen Flammen sollen morgen wieder rund 60 Frühlingsfeuer in Nordfriesland den Winter vertreiben. Die Biiken locken jedes Jahr Tausende Schaulustige an – und heizen der Fantasie der Besucher offenbar gehörig ein.

Ob Abschiedsfest für Walfänger oder Verehrung des Germanengotts Wotan: Historiker Thomas Steensen, Direktor des Sprach- und Kulturinstituts der nordfriesischen Minderheit, hat bereits zahlreiche Mythen und Legenden zur Biike (friesisch für Zeichen) gehört. Dabei sei der Ursprung des friesischen Brauchs, der seit Ende 2014 zum immateriellen Kulturerbe zählt, schlicht die Freude über das Ende des Winters.

„Wenn man so will, ist es eine friesische Variante des Karnevals“, sagt Steensen. Zumal die Feuer trotz ihrer heidnischen Herkunft lange Zeit mit dem Beginn der Fastenzeit zusammenfielen. Andere Erklärungen seien nicht belegt.

„Aber viele Legenden haben ja auch einen wahren Kern“, räumt der Honorarprofessor an der Universität Flensburg ein. So seien Walfänger im 18. Jahrhundert einst tatsächlich zu dieser Jahreszeit in See gestochen und hätten am Petritag, dem 22. Februar, ihre Verträge unterschrieben. Von einem Abschiedsfest könne aber keine Rede sein.

Am Samstag werden Biike stets am Vorabend des katholischen Fests Petri Stuhlfier entzündet, das etwa auf Sylt trotz Reformation bis heute begangen wird. Meist sind es friesische Vereine, die Kommunen oder Feuerwehren, die die Feuer organisieren, in denen häufig zahlreiche Weihnachtsbäume landen.

In den vergangenen Jahrzehnten entwickelten sich die wärmenden Flammen zum Winterende auch zu einer touristischen Attraktion in der bei Küsten-Urlaubern ansonsten wenig gefragten Jahreszeit, häufig in Verbindung mit einem gemeinsamen Grünkohlessen.

Vor dem Feuer halten Bürgermeister oder andere Persönlichkeiten häufig noch eine Ansprache. „Anders als im Karneval geht es dabei aber durchaus um ernste Themen“, erklärt Steensen. In Husum wird am Sonntag Justizministerin Anke Spoorendonk (SSW) die Biike-Rede halten, teilte die örtliche Tourismusorganisation mit.

dpa

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