Angebot bleibt im Land fast ungenutzt 

Bildungsurlaub uninteressant?

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Fast kein Arbeitnehmer im Land beantragt Bildungsurlaub. Nur 0,72 Prozent hätten im vergangenen Jahr ihren Anspruch wahrgenommen.

Kiel – Bildungsurlaub ist im Land kein Renner. Nicht einmal ein Prozent der Arbeitnehmer hat im vergangenen Jahr seinen rechtmäßigen Anspruch auf fünf Tage Bildungsfreistellung wahrgenommen, teilte das Arbeitsministerium mit. Arbeitnehmer haben laut des Landes-Weiterbildungsgesetzes einen Anspruch auf fünf Tage Bildungsurlaub innerhalb eines Jahres, beziehungsweise zehn Tage innerhalb von zwei Jahren.

Nur 0,72 Prozent aller Anspruchsberechtigten haben demnach im vergangenen Jahr Bildungsurlaub gemacht, berichtete das Arbeitsministerium. „Die geringe Inanspruchnahme von Bildungsfreistellung kritisieren wir als DGB seit Langem“, sagte Ingo Schlüter vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Nord. 

Die höchste Inanspruchnahme seit mindestens neun Jahren habe es zuletzt 2015 mit gerade einmal 0,84 Prozent gegeben. „Grund hierfür dürfte die Tatsache sein, dass Beschäftigte vorrangig an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen, für die kein gesonderter Bildungsurlaub beantragt werden muss“, erklärte Staatssekretär Thilo Rohlfs (FDP). Schlüter vom DGB Nord bestätigte, dass die Mehrheit der beruflichen Schulungen wohl unternehmensintern ablaufe.

Derzeit gibt es laut Arbeitsministerium 3 170 anerkannte Veranstaltungen für die allgemeine, politische, kulturelle und berufliche Weiterbildung. Als hinderlichen Faktor sieht Schlüter mitunter die Tabuisierung des Bildungsurlaubs an. „Es herrscht in den Unternehmen ohne Betriebsrat und Tarif häufig eine Betriebs-Unkultur, die dazu führt, dass man dem Arbeitgeber nicht auf Augenhöhe begegnet“, erklärte er. Viele Arbeitnehmer würden sich, aufgrund einer zum Teil sehr hohen Arbeitslast, gar nicht trauen ihren rechtmäßigen Anspruch wahrzunehmen.

Gleichzeitig fordert Schlüter, Bildungsurlaub stärker zu bewerben, da häufig grundsätzliche Unwissenheit über die bestehenden Möglichkeiten vorherrsche. Was viele nicht wüssten, ist, dass sogar Auszubildende offiziell Anspruch auf eine bezahlte Freistellung haben. Auch die Qualifizierung zu einer ehrenamtlichen Tätigkeit ist laut Gesetz als Bildungsfreistellung anerkannt. Auf Nachfrage erklärte das Arbeitsministerium, dass Werbemaßnahmen in Planung seien, um die Inanspruchnahme der Bildungsfreistellung zu erhöhen.  

dpa

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