Blitztest für Pferde-Herpes

Höchstens eine halbe Stunde soll es dauern, bis der neue Blitztest, den Peter Belz hier vorführt, Ergebnisse liefert. Bisher vergingen Tage, bis Labore etwas dazu sagen konnten, an welcher Krankheit ein Pferd leidet. Foto: dpa

Albtraum jedes Reiterhofbesitzers: Ein Pferd erkrankt an Herpes oder Druse. Aber haben sich auch noch andere Tiere infiziert? Bisher dauert es mehrere Tage, bis Laborergebnisse vorliegen. Künftig soll mit einem neuen Gerät die Diagnose in 15 bis 30 Minuten feststehen.

Tappendorf/Kiel – Ansteckende Pferdekrankheiten wie Herpes oder die Druse sollen künftig mit einem Blitztest schon in maximal einer halben Stunde diagnostizierbar sein – und das sogar bereits vor Ausbruch der Krankheit. Wissenschaftler und andere Experten aus fünf Firmen und Forschungseinrichtungen in Schleswig-Holstein und Hamburg entwickeln gemeinsam ein entsprechendes tragbares Mini-Labor. Bisher dauert es meist drei bis fünf Tage, bis Laborergebnisse vorliegen. Mit dem neuen Gerät könnte Massen-Ansteckungen im Tierstall besser vorgebeugt werden.

Bei der Vorstellung des Projektes am Donnerstag in der Pferdeklinik Tappendorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) sagte Schleswig-Holsteins Technologieminister Bernd Buchholz (FDP), er sehe für das Gerät ein riesiges Marktpotenzial für den gesamten europäischen Raum. „Wir sind optimistisch, dass dieses Gerät in drei Jahren fertig entwickelt ist und in spätestens sechs Jahren produziert werden kann.“

Hamburg und Schleswig-Holstein fördern die Entwicklung mit einer Million Euro. Das Gerät hat den sperrigen Namen Optochip – für Optoelektronisch-mikrofluidisches System zur Detektion von fluoreszenzmarkierten Nukleinsäuren.

Beteiligt in Schleswig-Holstein sind die Kieler Uni, das Fraunhofer Institut für Siliziumtechnologie (Isit, Itzehoe) und Krämer Engineering (Jevenstedt). Hamburger Partner sind die Unternehmen Byonoy und altona Diagnostics.

Buchholz überreichte den drei Partnern aus Schleswig-Holstein einen Förderbescheid über 525 000 Euro. Hamburg fördert die beiden Firmen in der Hansestadt mit 563 000 Euro. Das Verbundnetzwerk Life Science Nord der beiden Länder habe die passenden Partner zusammengebracht, betonte Manager Hinrich Habeck.

Martina Gerken von der Uni Kiel erläuterte, bei Optochip handle es sich um ein System für die Veterinärmedizin mit besonderem Augenmerk auf den Einsatz an Pferden. Buchholz betonte, es gehe nicht nur um Krankheiten im Stall. Schon jetzt hätten die Forscher Anwendungsbereiche für die Humanmedizin sowie die Lebensmittel- und Umweltanalytik im Blick.

Zunächst werden zwei unterschiedliche Erregerpanels entwickelt: für Pferde-Herpesviren und für das Bakterium Streptococcus equi ssp. equi, das die Druse verursacht. In beiden Fällen werden mit einem Stäbchen Sekretproben aus der Nase der Pferde genommen. Es gebe aber auch andere Krankheiten, die das Mini-Labor theoretisch nachweisen könnten, erläuterte Susanna Arndt (altona Diagnostics).

„Sollte die Entwicklung von Optochip gelingen, wäre dies ein Meilenstein“, sagte Jörg Peter Belz, der Chef der Tappendorfer Pferdeklinik. Denn mit dem mobilen Schnelltest ließen sich auch für Pferde, die in die Klinik kämen, unnötige Isolationszeiten vermeiden. Durch den Zeitgewinn würden Besitzer zudem viel Geld sparen.  dpa

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