Rauer Wind weht der CDU – auch und besonders im Norden – entgegen. Armin Laschet (CDU) und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU, rechts) vor einer ungewissen Zukunft. Die CDU schnitt bei der Bundestagswahl im Land Schleswig-Holsten noch schlechter ab als im Bund.
+
Rauer Wind weht der CDU – auch und besonders im Norden – entgegen. Armin Laschet (CDU) und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU, rechts) vor einer ungewissen Zukunft. Die CDU schnitt bei der Bundestagswahl im Land Schleswig-Holsten noch schlechter ab als im Bund.

Schlappe für die CDU

Christdemokraten verlieren fast alle Direktmandate in Schleswig-Holstein

Das müssen die Christdemokraten im Norden erst einmal verkraften: Sie schneiden bei der Bundestagswahl im Land noch schlechter ab als im Bund und verlieren in Hochburgen, die als uneinnehmbar galten. Die SPD wittert mehr als Morgenluft für die Landtagswahl.

Kiel – Für die CDU von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) ist es im Norden bei der Bundestagswahl noch dicker gekommen als befürchtet. Die nackten Zahlen: Landesweit fiel die Partei klar mit 22 zu 28 Prozent hinter die SPD zurück. Sie gewann nur noch zwei der elf Wahlkreise statt zehn wie vor vier Jahren (siehe Kasten). Dass sie als führende Regierungspartei im Norden ein noch schlechteres Ergebnis holten als die Union im Bund, schmerzt die Christdemokraten tief. Aber was sagt das Ganze im Blick auf die Landtagswahl am 8. Mai im nächsten Jahr?

„Landespolitik hat eigene Gesetze“, sagt der Kieler Politikwissenschaftler Wilhelm Knelangen. Bei der Bundestagswahl sei es ja nicht um Jamaika in Kiel gegangen. Klar sei, dass die Wahl keinen Rückenwind für die Nord-CDU bedeutet. Die hiesige Regierungspolitik habe den freien Fall der Union zumindest nicht abbremsen können. „Alles ist offen“, meint der Politologe im Blick auf die Landtagswahl.

Fraktionschef Koch: Drei Effekte führten zur Pleite der CDU

Aus Sicht des CDU-Landtagsfraktionschef Tobias Koch haben drei Effekte dazu geführt, dass die CDU im Norden unter dem Bundesergebnis der Union lag: Die Wirkung des SPD-Kanzlerkandidaten und Hamburger Ex-Bürgermeisters Olaf Scholz in der Metropolregion, die Zugkraft Habecks im Norden des Landes und das Antreten des SSW nach jahrzehntelanger Pause. „Ich kann keine Rückschlüsse auf die Landespolitik ziehen“, sagt Koch. Bei der Landtagswahl werde es ein ganz anderes Ergebnis geben. „Da bin ich mir doch ziemlich sicher.“

FDP-Fraktionschef Christopher Vogt rechnet ebenfalls mit einer ganz anderen Wahl im Frühjahr. „Da wird auch der Amtsbonus eine gewisse Rolle spielen.“ Überrascht habe ihn jedoch, dass die Union im Norden nur wenig Wahlkampf gemacht habe. Inhaltliche Plakate des Koalitionspartners habe er gar nicht gesehen.

Die Grünen, mit denen CDU und FDP seit 2017 das Land regieren, holten mit 18,3 Prozent ein besseres Ergebnis als im Bund. Für den Politologen Knelangen ist aber mit der Bundestagswahl die Möglichkeit, die Grünen könnten sich bei der Landtagswahl mit Günther um den Posten des Ministerpräsidenten duellieren, in die Ferne gerückt.

SPD-Landeschefin Serpil Midyatil schwebt auf Wolke Sieben

Fast schon auf Wolke Sieben schwebend nimmt SPD-Landeschefin Serpil Midyatli die Landtagswahl ins Visier. Die Bundestagswahl beweise, dass Schleswig-Holstein kein konservatives Land sei. Nicht nur SPD, Grüne und SSW hätten eine Mehrheit, sondern auch Rot-Grün allein. „Das ist eine fantastische Ausgangslage für die Landtagswahl.“ Die SPD wolle ihren Führungsanspruch untermauern und mit Spitzenkandidat Thomas Losse-Müller wieder den Ministerpräsidenten stellen.

Zurück zur CDU: Landesschatzmeister Hans-Jörn Arp betont, dass die Wahl gezeigt habe, wie wichtig es sei, sich geschlossen hinter einen Spitzenkandidaten zu stellen. Arp verweist darauf, dass es bei Grünen und SPD keine „Kakofonie“ gegeben habe, also keine Misstöne.  dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.