Brunsmark und die Folgen des Brexits

Bye bye Bürgermeister

Es heißt Abschied nehmen: Wenn Großbritannien am Freitag um Mitternacht aus der Europäischen Union ausscheidet, müssen Brunsmarks Einwohner ihrem Bürgermeister Iain Macnab „Tschüss“ sagen. Foto: dpa

Brunsmark - Von Eva-maria Mester . Immer wieder wurde der Brexit verschoben und damit auch das Ende von Iain Macnabs Zeit als Bürgermeister von Brunsmark. Doch jetzt ist es soweit. Wenn Großbritannien am Freitag um Mitternacht die Europäische Union verlässt, heißt es auch für Macnab Abschied nehmen von dem Amt, das er zwölf Jahre lang mit Begeisterung bekleidet hat. Denn Macnab ist Schotte, also britischer Staatsbürger und als solcher darf er in der EU vom 1. Februar an kein kommunales Amt mehr bekleiden. „Das ist schade, aber Gesetz ist nun mal Gesetz“, sagt er mit typisch britischer Gelassenheit.

„Ich habe in den vergangenen zwölf Jahren immer gut mit der Gemeindevertretung und mit dem Amt Lauenburgische Seen zusammengearbeitet, das für Brunsmark zuständig ist“, sagt der scheidende Bürgermeister rückblickend. 2008 war der IT-Unternehmer erstmals zum Bürgermeister des 160-Einwohner-Dorfes im Kreis Herzogtum Lauenburg gewählt worden. 2018 wurde er zum zweites Mal für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt.

„Damals gab es ja schon das Ergebnis des Referendums von 2016 zum Ausstieg aus der EU“, sagt der heute 70-Jährige. „Aber ich habe lange gehofft, dass die Briten ihre Meinung noch einmal ändern würden“, bekennt er. Die Hoffnung war vergebens.

Macnab wurde in der schottischen Stadt Dundee geboren. 1975 kam der gelernte Journalist nach Hamburg. Er arbeitete zunächst als Tontechniker, wechselte in den folgenden Jahren mehrmals die Branche und machte sich schließlich mit einer IT-Firma selbstständig. Seit 1992 lebt er mit seiner deutschen Ehefrau und zwei Kindern in Brunsmark. „Hier werde ich auch wohnen bleiben“, versichert er. Daran, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen, hat der stolze Schotte nach eigenen Angaben allerdings nie gedacht. „Ich bin seit 70 Jahren Schotte, warum sollte ich das jetzt ändern“, fragt er.

Auf seine Amtszeit blickt er voller Stolz zurück. „Ich denke, wir haben gemeinsam eine Menge erreicht. Zum Beispiel die 100-prozentige Versorgung der Haushalte mit Glasfaserkabel und das neue Dorfgemeinschaftshaus“, zählt Macnab auf. Sein Amtszimmer hat der ehrenamtliche Bürgermeister bereits geräumt. „Die Akten habe ich an meinen Nachfolger, den ersten stellvertretenden Bürgermeister Holger Heitmann übergeben“, sagt Macnab. Er macht kein Geheimnis daraus, dass ihm der Abschied schwerfällt. „Es ist schon etwas bizarr, dass ich das Amt von heute auf morgen nicht mehr ausüben darf. Dabei lebe ich schon seit fast 45 Jahren in Deutschland, zahle hier Steuern und engagiere mich in der Gemeinde“, sinniert er.

Macnabs Plan für seinen letzten Arbeitstag als Bürgermeister steht schon lange fest. „Ich werde die Schlüssel für die Amtsverwaltung und das Dorfgemeinschaftshaus abgeben und dann einen schönen schottischen Whisky trinken.“  dpa

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