Bundesanwaltschaft fordert lebenslange Haft für Ahmad A.

Messerstecher von Barmbek entschuldigt sich

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Die Namensschilder der Nebenkläger beim Hamburger Prozess gegen Ahmad A.

Hamburg - Aus islamistischer Gesinnung hat Ahmad A. an einer Hamburger Einkaufsstraße wahllos auf Menschen eingestochen – davon ist die Bundesanwaltschaft überzeugt und fordert eine lebenslange Freiheitsstrafe für den 27-Jährigen.

Es sei zudem die besondere Schwere der Schuld festzustellen, sagte die Vertreterin der Bundesanwaltschaft, Yasemin Tüz, vor dem Staatsschutzsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts. Der abgelehnte Asylbewerber habe sich des Mordes sowie versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in sechs Fällen schuldig gemacht. Er sei voll schuldfähig.

Der Palästinenser hatte bei Prozessauftakt gestanden, am 28. Juli in einer Edeka-Filiale im Stadtteil Barmbek einen 50-Jährigen erstochen und einen weiteren Kunden schwer verletzt zu haben. Abschließend rannte er auf die Einkaufsmeile „Fuhle“ und verletzte fünf weitere Menschen. „Es konnte jeden treffen, der zur falschen Zeit am falschen Ort war“, sagte der zweite Vertreter der Bundesanwaltschaft, Ulrich Kleuser. Der Angeklagte habe „so viele junge Christen mit heller Hautfarbe wie möglich töten“ wollen.

Der Angeklagte zeigte am Montag erstmals in dem Prozess Reue und verlas eine Erklärung: „Ich kann die Zeit leider nicht zurückdrehen. Alles, was ich tun kann, ist, Sie um Entschuldigung zu bitten und zu hoffen, dass Sie mir verzeihen“, sagte Ahmad A. nach Angaben seines Dolmetschers zu den Opfern und ihren Familien. „Ich habe von der letzten Zeit gelernt, dass der Mensch nicht das Recht hat, ein Leben zu beenden, ganz egal wie die Umstände sind.“ Bisher hatte er einen dichten Bart getragen, der war nun abrasiert.

„Er erhoffte sich ein besseres Leben“

Ahmad A. war 2008 nach Europa gekommen. „Er erhoffte sich ein besseres Leben“, sagte Tüz. „Er war von der westlichen Lebensart fasziniert.“ Im April 2015 kam der junge Mann nach Hamburg, er wollte studieren. Doch sein Asylantrag wurde abgelehnt, eine Ausreise – die Ahmad A. nach eigenen Angaben schließlich wünschte – verzögerte sich. Der Angeklagte veränderte sich. „Erst in Deutschland nahm sein Glaube radikalere Züge an“, sagte Tüz. Laut Bundesanwaltschaft sympathisierte er mit dem Islamischen Staat, war aber kein Mitglied einer terroristischen Vereinigung.

Auch die Anwälte der Nebenklage forderten lebenslange Haft und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Wird eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt und zudem die besondere Schwere der Schuld festgestellt, ist eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren rechtlich zwar möglich, in der Praxis aber so gut wie ausgeschlossen.

Der Verteidiger Christoph Burchard stellte keinen konkreten Strafantrag. Er zeigte sich überzeugt, dass sein Mandant nie in diesem Maße straffällig geworden wäre, wenn er ein vorübergehendes Bleiberecht bekommen hätte, eine Ausbildung hätte machen können oder er schneller hätte ausreisen können. Burchard sagte: „Herr A. ist heute ein anderer Mensch.“ Das Urteil wird am 1. März erwartet. 

dpa

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