Comeback für die Auster

Die Europäische Auster siedelt sich bevorzugt auf den Schalen ihrer eigenen Artgenossen an. Foto: dpa

Die Europäische Auster soll wieder in der Nordsee angesiedelt werden. Die Chancen stehen gut, sagen Wissenschaftler.

VON WOLFGANG RUNGE

Helgoland – Wissenschaftler tüfteln am Comeback der Europäischen Auster in der Nordsee. Die Biologen wollen mit der Rückkehr der leckeren Muscheln jedoch nicht den Feinschmeckern einen Gefallen tun. „Es ist eine Naturschutzmaßnahme“, sagte Corina Peter vom Helgoländer Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Denn die europäische Auster siedelt sich bevorzugt auf den Schalen ihrer eigenen Artgenossen an. Nach und nach bildet sie so über Generationen ein sogenanntes biogenes Riff. Dieses Riff bietet anderen Pflanzen sowie Tieren einen Lebensraum und lockt sie an. „Die Auster steigert damit als Gründer-Art die Biodiversität im ganzen Ökosystem“, so Peter.

Früher lebte die Europäische Auster millionenfach in der Nordsee. Noch vor 150 Jahren wurden laut Nabu rund fünf Millionen Austern aus dem Meer geholt. Heute gilt die „Ostrea edulis“ durch Bodenschleppnetz-Fischerei und Überfischung in deutschen Gewässern als ausgestorben. Nur an den Felsküsten Westeuropas und Südnorwegens sowie im dänischen Limfjord überlebte sie.

Aus europäischen Zuchtbetrieben besorgten sich die Biologen für ihr Projekt 24 000 Saat-Austern. Klingt viel, ist es aber nicht. Denn die anfangs gerade einmal zwei Millimeter großen Winzlinge haben „in den ersten Jahren eine hohe Mortalitätsrate“, erklärte Peter. „Wir mussten also so viele ausbringen, damit wir genug für die Proben haben.“

Taucher versenkten die Muschel-Babys 2017 und 2018 in Käfigen an drei Standorten vor Helgoland. Es waren „historische Austernbänke“ in 10 bis 27 Metern Tiefe, erklärte Peter. Dann habe man in Abständen von drei bis sechs Monaten kontrolliert, ob sie wuchsen.

Mit Erfolg: „Wir haben herausgefunden, dass die Austern sich sehr gut an die aktuelle Umwelt angepasst haben – auch in der Tiefe“, sagte Peter. Und zur Überraschung der Wissenschaftler gab es schon Nachwuchs. „Damit haben wir nicht so richtig gerechnet, weil sie beim Aussetzen noch sehr jung waren.“

Die Erkenntnisse aus den Voruntersuchungen sollen daher jetzt im Naturschutzgebiet „Borkum Riff Grund“ umgesetzt werden. Dort soll in 25 bis 30 Metern Tiefe ein Austern-Riff wachsen.

Auch in den Niederlanden wird die Europäische Auster wieder angesiedelt. Dort jedoch mit aus Norwegen gekauften erwachsenen Austern, weiß Christof Goetze von der Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer. „Wenn die Wiederansiedlung klappt, werden wir vielleicht in zehn Jahren die Europäische Auster wieder im Wattenmeer antreffen können – mehr als 100 Jahre nach ihrem Verschwinden durch Überfischung.“  dpa

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