Zahl der Infizierten hat sich mehr als verdoppelt / Sonderurlaub für Landesbeschäftigte

Coronavirus verbreitet sich weiter

Schule mal anders: Wegen des Coronavirus müssen derzeit viele Kinder zuhause ihre Aufgaben lösen. Foto: dpa

Kiel – Die Zahl der Corona-Infizierten im Land hat sich innerhalb weniger Tage mehr als verdoppelt. Insgesamt sind zur Zeit 124 Fälle im nördlichsten Bundesland erfasst, teilte das Gesundheitsministerium gestern in Kiel mit. Am Freitag waren es noch 60 Fälle gewesen. Mit massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens will die Landesregierung die wachsende Ausbreitung des Coronavirus eindämmen oder zumindest verlangsamen.

Infektionen mit dem Coronavirus sind mittlerweile in allen 15 Kreisen und kreisfreien Städten nachgewiesen worden. Gestern meldete die Stadt Neumünster den ersten bestätigten Fall.

Seit Montag sind auch die Schulen und Kitas landesweit geschlossen. Es gibt eine Notversorgung für Ausnahmen. Schleswig-Holstein gewährt seinen Landesbeschäftigten einem Medienbericht zufolge nun Sonderurlaub. Die Regierung habe eine entsprechende Regelung für Beamte und Angestellte, die zur Betreuung ihrer Kinder zu Hause bleiben müssen, getroffen, hieß es. Der Umfang betrage bei Beamten zunächst zehn Arbeitstage pro Kind beziehungsweise 20 Arbeitstage bei Alleinerziehenden.

Bei Angestellten sieht die Regelung in solchen Fällen zunächst drei Arbeitstage vor. Sie kann jeweils um weitere drei Tage verlängert werden. „Diese Regelung ist eine Auffanglösung, wenn die Dienstleistung tatsächlich nicht möglich ist“, erklärte ein Regierungssprecher. „Die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, hat Vorrang.“

Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) spitzt sich die Lage derweil zu. Nachgewiesen wurde eine Infektion mittlerweile bei sechs Mitarbeitern des UKSH. Darunter ist eine Kinderärztin, deren Fall bereits in der vergangenen Woche bekannt geworden war, so ein UKSH-Sprecher. Alle Betroffenen seien häuslich isoliert..

Bei der Eindämmung der Pandemie spielt die Haushaltspolitik für Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) eine untergeordnete Rolle. „Die Gesundheit der Bevölkerung muss immer wichtiger sein als die schwarze Null“, sagte Heinold gestern. „In Notsituationen wie dieser kann das Land Schulden machen.“

Die Regierung vertraue zum einen darauf, dass die vom Bund beschlossenen Maßnahmen helfen, sagte Heinold. „Zum anderen werden wir als Land auf den Weg bringen, was notwendig ist.“

Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, sollen Bürger im Norden zudem nur in dringenden Fällen persönlich auf den Polizeiwachen erscheinen und stattdessen für die Erstattung von Anzeigen die Online-Wache nutzen. Wer ein Rezept für verschreibungspflichtige Medikamente braucht, soll dies telefonisch beim Arzt anfordern.

Der Zugverkehr in Schleswig-Holstein lief gestern vorerst uneingeschränkt weiter. Lediglich Schul- und Linienbusse, die vornehmlich Schüler transportieren, seien eingestellt worden, teilten Sprecher von Verkehrsbetrieben gestern mit. Der Bahnverkehr von und nach Sylt werde ebenfalls planmäßig abgewickelt. Die Züge seien gut frequentiert, weil Urlauber die Insel verlassen. Wie es in den kommenden Tagen weitergehe, wenn die Insel für Feriengäste gesperrt ist, müsse sich zeigen, sagte eine Bahn-Sprecherin.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Schleswig-Holstein erneuerte derweil seine Warnung vor einem akuten Mangel an Blutspenden. Die Bevölkerung sei dringend dazu aufgerufen, weiter zum Spenden zu gehen. „Die Versorgung mit lebensrettenden Blutpräparaten ist derzeit noch auf niedrigstem Niveau gesichert“, hieß es vom DRK-Blutspendedienst.  dpa

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