Ausstellung präsentiert die Entwicklung der schleswig-holsteinischen Identität

Von Dänemark nach Preußen

Kuratorin Julia Liedtke steht vor Plakaten aus der Zeit um 1867. Die Ausstellung „Schleswig-Holstein sind fortan Preußen“ im Landesarchiv erinnert an die Einverleibung der Herzogtümer Schleswig und Holstein in den preußischen Staat. - Foto: dpa

Schleswig - Von Brigitta von Gyldenfeldt. „Die Schleswig-Holsteiner sind fortan Preußen.“ Mit diesen Worten verkündete Oberpräsident Carl von Scheel-Plessen vor 150 Jahren, am 24. Januar 1867, im Kieler Schloss die Einverleibung der Herzogtümer Schleswig und Holstein in den preußischen Staat. Doch mit der Realität hatte der Ausspruch zunächst wenig gemein, wie eine Ausstellung im Landesarchiv in Schleswig zeigen soll, die heute eröffnet wird.

Der preußischen Regierung standen die Schleswig-Holsteiner zunächst reserviert gegenüber, wie Stimmungsbilder und Wahlergebnisse der ersten Jahre zeigen. Erst nach und nach wandelte sich das Verhältnis der neuen Provinzbevölkerung zu den neuen Machthabern.

Die Mehrheit der Menschen in Schleswig und Holstein hätte 1866, nach dem Krieg zwischen Österreich und Preußen, einen eigenen Staat unter Führung des augustenburgischen Herzogs Friedrich vorgezogen, erklärte die Ausstellungskuratorin, Julia Liedtke. Zuvor waren die Herzogtümer lange dänisch. 1863 starb aber der dänische König, und sein Nachfolger fand in Holstein keine Anerkennung mehr. Hier kommt der augustenburgische Erbprinz Friedrich ins Spiel, der sich im selben Jahr zum Herzog proklamierte und sich für die Loslösung von Dänemark und das nationale Selbstbestimmungsrecht einsetzte.

1864 kam es dann zum deutsch-dänischen Krieg. Schleswig wurde von Preußen besetzt, Holstein von Österreich. Der Streit um die Verwaltung der Herzogtümer bildete den Vorwand für den Deutschen Krieg 1866. Die Folge: Österreich zog sich aus Holstein zurück, und Preußen annektierte Schleswig und Holstein.

Neue Steuern, neue Strukturen – das Leben ändert sich 1866

Für die Bevölkerung war dies mit zum Teil großen Veränderungen verbunden, sagte der leitende Archivdirektor Professor Rainer Hering. Neue Steuern wurden erhoben, alte Strukturen abgeschafft, die Wehrpflicht für alle jungen Männer eingeführt. Auch die Zivilehe und die Standesämter in Schleswig-Holstein sind Errungenschaften aus dieser Zeit.

Der preußische König Wilhelm I. besuchte erstmals im September 1868 seine neue Provinz. Die im Vorfeld befürchtete Missbilligung blieb aber aus. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und der Neustrukturierung der Verwaltung wandelte sich die Stimmung in der Provinz. Und auch die Vermählung Wilhelm II. mit Herzog Friedrichs Tochter Auguste Viktoria dürfte sich positiv auf die Gemüter ausgewirkt haben. Die Hochzeitsurkunde ist eines der vielen historischen Dokumente, die in der Schau bis zum 28. Februar 2018 gezeigt werden.

Ausstellung läuft ab sofort bis Februar 2018

Insgesamt wird in drei Räumen des Landesarchivs die Entwicklung Schleswig-Holsteins von der Annexion 1867 bis zur Nordschleswig-Abstimmung 1920 gezeigt, in dessen Folge die deutsch-dänische Grenze neu festgelegt wurde. Der Ausbau der Infrastruktur mit Bau des Nord-Ostsee-Kanals und der Rendsburger Eisenbahnhochbrücke werden ebenso thematisiert wie der veränderte Bildungsanspruch. Den Schlussstrich der Ausstellung bilden die Festlegung der neuen deutsch-dänischen Grenze und das Ende der Monarchie nach Ende des Ersten Weltkriegs. Vervollständigt wird die Ausstellung durch Vorträge, die im Laufe des Jahres gehalten werden. Sie sollen später auch in Buchform veröffentlicht werden.   

dpa

Die Ausstellung ist bis zum 23. Februar 2018 in den Räumen des Landesarchivs im Schleswiger Prinzenpalais montags bis freitags von 8.30 bis 17.00 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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