Deutsch-dänische Geschichte

Danewerk: Erdhaufen ist Welterbe

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Grüne Erdhügel prägen den archäologischen Park bei Schleswig. Vermutlich wurde das Danewerk im 5. und 6. Jahrhundert von den Dänen gebaut, um die Südgrenze ihres Territoriums zu markieren.

Mehr als 1 000 Jahre deutsch-dänische Geschichte stecken im Danewerk bei Schleswig. Der einstige Grenzwall ist ein Nationalsymbol der Dänen und wurde 2018 mit der Wikingersiedlung Haithabu Unesco-Welterbe. Was noch fehlt, ist die moderne Vermarktung.

VON NADINE HEGGEN

Schleswig – Große Bäume, romantische Koppeln und grüne Hügel: Der archäologische Park des Danewerk nahe Schleswig strahlt Ruhe und Beschaulichkeit aus. Lediglich auf kleinen Tafeln am Wegesrand ist von den Kriegen zu lesen, die dort hier über die Jahrhunderte immer wieder abgespielt haben. „Heute ist das Danewerk wie eine alte Narbe, über die nun Gras gewachsen ist“, sagt Nis Hardt, der das kleine „Danevirke Museum“ direkt neben dem Hauptwall im Park leitet.

20 000 Besucher kommen pro Jahr an diesen historischen Ort. Das Danewerk ist eine Befestigungsanlage, eine Kombination aus Erdwällen, Wehrgräben, einer Ziegelsteinmauer, zwei mittelalterlichen Wallburgen sowie einem Seesperrwerk. Es ist ein wichtiges Nationaldenkmal der Dänen. Das spiegelt sich auch in der Statistik des Museums wider: 70 Prozent der Besucher kommen aus dem Nachbarland.

Vermutlich wurde das Danewerk im 5. und 6. Jahrhundert von den Dänen gebaut, um die Südgrenze ihres Territoriums zu markieren. Es erstreckt sich über 30 Kilometer zwischen der Schlei im Osten und der Treene im Westen. Seitdem wurde die Anlage in Kriegszeiten immer wieder aktiviert, ausgebaut und verändert. In Friedenszeiten lag das Danewerk meistens brach. Den Wikingern dienten die Wallanlagen zum Schutz der Handelswege zur wichtigen Metropole Haithabu.

Bei deutsch-dänischen Auseinandersetzungen wurde es im 19. Jahrhundert erneut als Verteidigungswall ausgebaut. Insgesamt erstreckt sich die Bauzeit der Wallanlagen über 500 Jahre, von der Frühgeschichte über die Wikingerzeit bis ins Mittelalter. Letztlich war das Danewerk die Voraussetzung dafür, dass sich nördlich der Wallanlagen das Königreich Dänemark gründen konnte. Es wird deshalb auch als die Geburtsurkunde Dänemarks bezeichnet.

Direkt zu Beginn des Rundwegs sind Reste der Waldemarsmauer zu sehen, die König Waldemar der Große 1170 errichten ließ. Der rund 3,5 Kilometer lange und bis zu sieben Meter hohe Erdwall mit vorgesetzter Ziegelsteinmauer galt einst als größtes Bauwerk Nordeuropas. Ein weiß-rotes Absperrband warnt Besucher heute allerdings davor, ihr zu nahe zu kommen. Die Mauer bröckelt, immer wieder fallen lose Steine herunter. Auch die Ausstellungsvitrinen im Museum sind in die Jahre gekommen. Die Wissensvermittlung ist teilweise auch schwierig, Ausgrabungsstücke gibt es kaum. „Und die Wallanlagen können wir ja schlecht ins Museum tragen“, sagt Hardt, der das Museum seit 20 Jahren leitet.

Ihm liegt das Danewerk nicht nur beruflich, sondern auch privat am Herzen. Seine Identität, sagt er, sei eng mit dem Danewerk verknüpft. Sein Zuhause ist kaum 500 Meter vom Museum entfernt, er ist Sohn einer Dänin und eines Deutschen. Bei Schleswig wuchs er auf, hat aber einen dänischen Pass.

Für ihn ist das Danewerk Sinnbild dafür, wie Deutsche und Dänen es nach vielen Kriegen geschafft haben, friedlich miteinander zu leben. 50 000 Dänen wohnen im Landesteil Schleswig, 17 000 Deutsche leben auf dänischer Seite. Vor seiner Pensionierung im nächsten Jahr will Hardt die Wissensvermittlung gern auf moderne Füße stellen. In dem Unesco-Welterbe-Titel, den das Danewerk gemeinsam mit der benachbarten Wikingersiedlung Haithabu im Juni 2018 bekommen hat, liegt eine große Chance. Das Dreieck Danewerk, Haithabu und Schloss Gottorf ließe sich als Touristenmagnet wunderbar vermarkten.

Ein erster Schritt ist nun gemacht: Im Erdgeschoss des Museums wurde eine neue Ausstellung zum Danewerk eröffnet. Außerdem arbeitet das Archäologische Landesamt an neuen Schautafeln für den archäologischen Park. 500 000 Euro hat die Landesregierung zugesagt, um die Waldemarsmauer konservieren zu lassen. Weitere 400 000 Euro sollen in die Vermarktung des Welterbes fließen. Langfristig, und das ist der große Traum von Nis Hardt, ist ein Neubau des Museums angedacht.  epd

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