Liegestütze fürs Land

Daniel Günther wirbt in China für den deutschen Norden

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Daniel Günther (CDU) bemalt beim traditionellen Drachen- und Löwentanz anlässlich einer Graduiertenfeier des Deutsch-Chinesischen Instituts für Angewandte Ingenieurwissenschaften eine Figur. Der Ministerpräsident ist noch bis morgen im Reich der Mitte.

Hangzhou/Chengdu - Von André Klohn. Selbst hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit in China schrecken ihn nicht. In Anzug und Krawatte nimmt Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) nach einem Gang im Freien bei mehr als 30 Grad die Herausforderung eines kleinen Roboters an, legt sich in einer Halle vor ihm auf den Boden und macht Liegestütze. Eine Anstrengung sieht man ihm ebenso wenig wie dem Roboter an.

Günther (CDU) wirbt bei seinem Besuch in der chinesischen Partnerprovinz mit vollem Einsatz für sein Bundesland. Bei einer Graduiertenfeier für den ersten Absolventen-Jahrgang des Chinesisch-Deutschen Instituts für Angewandte Ingenieurwissenschaften in Anji lädt der Regierungschef die Studenten in den Norden ein. „Selbstverständlich gilt deren Abschluss auch in Schleswig-Holstein, und wir suchen Ingenieure“, sagt Günther.

Seit 2014 bilden die Universität von Zhejiang sowie die technische Hochschule Lübeck und die Fachhochschule Westküste im Reich der Mitte gemeinsam Studenten aus. „Deutsche Ingenieurskunst genießt hohes Vertrauen in China“, sagt der deutsche Professor Joachim Litz. Im Rahmen des Programms gehen deutsche Studenten auch für Auslandssemester nach China.

Im Bereich Ingenieurwesen, Elektrotechnik sowie Automatisierungstechnik gebe es in Schleswig-Holstein „echt einen richtigen Bedarf“, sagt Günther. Zwar bauten die Hochschulen im Norden ihre Kapazitäten aus. „Aber ich mache da keinen Hehl draus: Wir brauchen auch Fachkräfte aus dem Ausland.“ Die Kooperation mit der chinesischen Hochschule biete eine Chance. Deshalb gehe es auch darum, außerhalb des Bundeslandes Werbung zu machen. „Natürlich ist das ein Akt, Entfernungen spielen ja auch eine Rolle, aber wir haben ein schönes Land und saubere Luft“, sagte Günther.

Der 45-Jährige nutzt seinen Besuch der Hochschule auch für ein Gespräch mit deutschen Studenten. In einer Mensa hat er sie nach deren Erfahrungen und möglichen Problemen befragt. „Da ging es rein um praktische Fragen“, sagt Günther. „Ansonsten waren alle voll des Lobes.“ Aber dauerhaftes Leben hätten sich seine Gesprächspartner in Fernost nicht vorstellen können.

Zu ihnen gehört auch Dennis Todt aus Husum, der in Lübeck Bauingenieurwesen studiert und derzeit ein Auslandssemester in Hangzhou absolviert. „Es sind gigantische Städte, es ist kein Vergleich zu Europa“, sagt der 27-Jährige. Er wolle in China sehen, „wie diese Kultur tickt“. Sein Unterricht ist auf Deutsch, er belegt aber Chinesisch-Kurse. Das Kurioseste an seinem Aufenthalt sei ein Hot-Pot-Essen gewesen, bei dem die Studenten Schweinehirn verzehrten. Vom Geschmack gehe es zwar – Todt sagt: „es schmeckt tatsächlich wie Rührei“ –, aber „der Kopf sagt: Nee, das würde ich nicht mehr machen.“

Luft nach oben ist in Schleswig-Holstein aber nicht nur bei angehenden Ingenieuren. Bei einem Tourismusgipfel in Hangzhou werben Günther, Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) und Tourismuschefin Bettina Bunge am Nachmittag für das Bundes- als Urlaubsland. Dort buchten Gäste 2017 zwar knapp 30 Millionen Übernachtungen, davon 6,7 Prozent aus dem Ausland. Darunter waren aber nur 16 285 Übernachtungen aus China. Auch dabei erzielen die Norddeutschen einen kleinen Erfolg. Die Chinesen kündigen bei dem Treffen an, alle 3 000 Reiseagenturen der Provinz künftig mit Infos über das deutsche Bundesland zu versorgen. 

dpa

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