Bald soll in Neumünster medizinisches Cannabis wachsen. Han Duijndam leitet die Pflanzenaufzucht.
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Bald soll in Neumünster medizinisches Cannabis wachsen. Han Duijndam leitet die Pflanzenaufzucht.

Medizinische Droge: Chefanbauer will Teil des Geschäfts aus Untergrund holen

Der Herr des Cannabis

Neumünster – Selbst probiert hat Han Duijndam Cannabis nie. „Ich muss keine Tomaten mögen, um die besten Tomaten der Welt anzubauen“, sagt der Niederländer. Mit Cannabis zu tun hat er täglich. Duijndam leitet die Pflanzenaufzucht in Deutschlands erster legaler Cannabis-Produktionsanlage in Neumünster. Dort soll medizinisches Cannabis geerntet werden – etwa für den Einsatz in der Schmerztherapie.

Die Anlage der Firma Aphria RX hat 1 600 Quadratmeter Anbaufläche. „Hier ist immer Sommer“, sagt Duijndam. Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm. Jeder, der mit den Pflanzen Kontakt hat, arbeitet in Schutzkleidung und muss durch Schleusen. Um mögliche Infektionen nicht von einer der acht, je 165 Quadratmeter großen Kammern in die nächste zu tragen, wechselt der Chefanbauer 16-mal am Tag die Kleidung.

Hinter dicken Stahlbeton-Wänden absolvieren die Pflanzen einen Schnelldurchlauf. Natürliches Licht sehen sie nie, LED-Lampen simulieren Sonnenauf- und -Untergänge. Die künstliche Sonne scheint bis zu 18 Stunden am Tag, die Temperatur beträgt gut 27/28 Grad.

Aphria-Geschäftsführer Hendrik Knopp spricht von der modernsten und sichersten Indoorplantage der Welt. Das Investitionsvolumen liege im zweistelligen Millionenbereich. Jährlich gut eine Tonne Cannabis will das Unternehmen anbauen.

Die Sicherheitsanforderungen sind immens. Die Außenwände sind 24 Zentimeter dick. Detektoren und Sensoren registrieren, wenn sich jemand nähert. Drinnen gilt das Vier-Augen-Prinzip. Sogar die Exkremente der Mitarbeiter werden geschreddert.

Passende Rahmenbedingungen für rasches Wachstum der Pflanzen sind laut Duijndam nicht so schwer wie deren richtige Ernährung. Neben ihm kennen nur zwei weitere Mitarbeiter die Rezepte für die Nährlösungen. „Jede Wachstumsphase hat ihren speziellen Wachstumsbedarf“, sagt der 61-Jährige.

1984 startete Duijndam mit seiner Frau in den Niederlanden sein eigenes Gewächshaus, baute Blumen und andere Pflanzen an. „2010 haben wir das Geschäft verkauft.“ Danach arbeitete er im Iran, in Georgien, Kasachstan und Russland, um dort Pflanzenaufzucht zu lehren. Schließlich suchte er einen Job näher an der Heimat und landete im Norden. „Im ersten Moment dachte ich: Ups! Cannabis. Wirklich?“

Seine Frau sei mit dem Job zunächst nicht glücklich gewesen. „Ihre Augen wurden groß.“ Sie habe dies zunächst mit dem Untergrund verbunden. Als sie erfuhr, dass es sich um medizinisches Cannabis handelt, sei sie jedoch erleichtert gewesen. „Meine Tochter arbeitet in der Palliativpflege. Sie ist wirklich neugierig und möchte sich die Fabrik ansehen, wenn die Produktion läuft.“

Bis dahin werden noch ein paar Wochen vergehen. Voraussichtlich im Herbst sollen die ersten Setzlinge gepflanzt werden. Sie werden importiert von der kanadischen Mutterfirma.

„Es ist der interessanteste Job, den ich je hatte“, sagt Duijndam. Ziel sei auch, zumindest einen Teil des Geschäfts aus dem Untergrund zu holen. Die Wirkstoffe CBD und Tetrahydrocannabinol (THC) sollen bei der Ware aus dem Norden möglichst konstant sein.

In der Apotheke kostet das Gramm Cannabis derzeit mehr als 20 Euro. Nach Angaben der Apothekerkammer erhalten es allein in Schleswig-Holstein knapp 700 Patienten regelmäßig. dpa

Von André Klohn

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