Bildungsministerin ändert Pläne / Corona hat Land weiter im Griff

Nun doch Abiturprüfungen

Ein Arzt führt bei einer Autofahrerin einen Covid-19-Test durch. Diese Corona-Virus-Testung wird im Forschungszentrum Borstel ausschließlich für Patienten mit Überweisung und Termin durchgeführt. Foto: dpa

Kiel – Schleswig-Holstein wird nun doch nicht wegen der Corona-Pandemie auf die Abiturprüfungen in diesem Schuljahr verzichten. Die Prüfungen würden wie geplant ab dem 21. April stattfinden, teilte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) gestern in Kiel nach Konferenzen der Kultusministerkonferenz und der Landesregierung mit. „Wir haben beschlossen, das Abitur regulär stattfinden zu lassen.“

Prien verwies auf die Ergebnisse der Kultusministerkonferenz und betonte: „Für die Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein und in ganz Deutschland konnten wir durch diesen Beschluss der KMK heute endlich die Klarheit schaffen, die sie brauchen, um sich gut auf ihre Prüfungen vorzubereiten.“

Noch am Vortag hatte Prien angekündigt, Schleswig-Holstein würde als erstes Bundesland wegen der Krise in diesem Schuljahr auf die Abiturprüfungen und auch alle anderen Schulabschlussprüfungen verzichten. Die Schüler hätten Abschlusszeugnisse auf Basis ihrer bisherigen Noten erhalten sollen. Die Kultusminister der Länder einigten sich gestern jedoch, die Abschlussprüfungen nach jetzigem Stand stattfinden zu lassen.

Die SPD-Landesvorsitzende und stellvertretende Parteivorsitzende Serpil Midyatli kritisierte, Prien habe mit ihrem unabgestimmten Vorstoß für unnötige Unruhe gesorgt. „Als SPD haben wir immer klar gesagt, es darf kein Durcheinander in Deutschland entstehen.“ Die Prüfungen müssten gleichwertig abgelegt werden.

Auch ansonsten sind das Coronavirus und seine Auswirkungen weiter die großen Themen im Land:

Kliniken rüsten sich für Anstieg der Fälle

Die Krankenhäuser in Schleswig-Holstein bereiten sich mit verschiedenen Maßnahmen auf einen Anstieg der Fälle vor. So haben sie wie das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (Standorte in Kiel und Lübeck) bereits freiwillige Helfer angeworben oder dies in den kommenden Tagen vor, ergab eine Abfrage bei einigen großen Krankenhäusern im Land. Zudem gibt es Umorganisationen in einigen Häusern wie dem Westküstenklinikum in Heide, die personelle Kapazitäten freisetzen. Generell sehen sich die Häuser gut aufgestellt.

„Hoffnungsläuten“ der Kirchen

Die rund 1 000 evangelischen Gemeinden zwischen Sylt und Usedom sollen von morgen an jeden Mittag die Glocken läuten. Dazu haben die Bischöfe der Nordkirche gestern aufgerufen. Der Schleswiger Bischof Gothart Magaard sagte, das tägliche „Hoffnungsläuten“ solle dazu einladen, mitten am Tag um Trost und Kraft für uns und andere zu bitten.

Durchfahren für Test im Verdachtsfall

An der Medizinischen Klinik am Forschungszentrum Borstel wurde ein „Drive thru“ („Durchfahr“) eingerichtet. Dort können sich Risikopersonen auf Corona testen lassen. Sie müssen sich zuvor über die Behördennummer 116 117 gemeldet und einen Termin erhalten haben. Das Forschungszentrum testet eigenen Angaben zufolge ambulant auf das Sars-Cov-2-Virus in Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH). So sollen die Hausärzte der Region entlastet werden. Auf Eigeninitiative ohne Termin vorbei zukommen, ist in Borstel (Kreis Segeberg) indes ebenso zwecklos wie an den anderen Diagnosezentren, die die KVSH an mehreren Orten im Land aufgebaut hat, betonen die Verantwortlichen. Aktuell gibt es nach Angaben des Medizinischen Direktors des Forschungszentrums 40 Testungen am Tag.

Quarantäne im Seniorenheim

In einem Altenheim in Wentorf (Kreis Herzogtum Lauenburg) ist es am Dienstag zu einem Einsatz der Feuerwehr gekommen, nachdem ein Bewohner positiv auf Corona getestet wurde. Wie ein Feuerwehrsprecher gestern Morgen sagte, war am Nachmittag zunächst eine Evakuierung des Heims erwogen worden, da der Infizierte Kontakt mit den anderen Bewohnern hatte. Feuerwehr und Rettungsdienst rückten an und untersuchten die Menschen. Da keiner von ihnen Symptome aufwies, verblieben alle 21 Bewohner im Heim und wurden unter Quarantäne gestellt.

Soforthilfe kommt langsam in Gang

Die von der Landesregierung angekündigte Soforthilfe wegen der Corona-Auswirkungen auf die Wirtschaft kommt nach Ansicht der SPD zu langsam in Gang. „Von der Investitionsbank des Landes Schleswig-Holsteins erwarten wir, dass Anträge für das Soforthilfeprogramm und den Mittelstandssicherungsfonds noch in dieser Woche ermöglicht werden“, sagte SPD-Landtagsfraktionschef Ralf Stegner. Gestern Morgen sei auf der Webseite nur die Bitte um wenige Tage Geduld zu finden gewesen. Seit dem einstimmigen Landtagsbeschluss für ein Nothilfeprogramm in Höhe von 500 Millionen Euro sei eine Woche vergangen, betonte Stegner.  dpa

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