Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer

Drehscheibe des Vogelzuges

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Weißwangengänse (Branta leucopsis) fliegen über dem Deichvorland in Nordfriesland. Das Wattenmeer ist Drehscheibe des internationalen Vogelzuges auf dem Weg in die Brutgebiete.

Husum - Von Wolfgang Runge. Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer: Die Heimat von geschätzt 10.000 verschiedenen Tier- und Pflanzen-Arten. Am 1. Oktober 1985 wurde Deutschlands größter Nationalpark per Gesetz Realität.

Eben noch erstreckt sich das Wattenmeer als graugrüne Wasserfläche bis zum Horizont. Jetzt strömen die Fluten durch Rinnen und Priele schäumend hinaus ins offene Meer: Ebbe und Flut bestimmen das Leben im Watt. Der Tidenhub – das ist der Höhenunterschied zwischen Hochwasser und Niedrigwasser – beträgt an Schleswig-Holsteins Westküste rund zwei bis dreieinhalb Meter. Wenn der Meeresboden zwischen Sylt und der Elbmündung zweimal am Tag trocken liegt, ist es Zeit für das „große Fressen“ der Vögel.

Der Wattboden steckt voller Leben. Unter der grauen Oberfläche kriecht und krabbelt es millionenfach. Würmer, Schnecken und Muscheln leben dort in unvorstellbarer Dichte. Bis 60 000   Wattschnecken gibt es dort pro Quadratmeter. „Sie sterben meist nicht friedlich an Altersschwäche, sondern werden gefressen“, sagt Christof Goetze von der Schutzstation Wattenmeer. Die drei bis sechs Millimeter große Schneckenart steht unter anderem auf dem Speiseplan von Brandgans und Alpenstrandläufer.

Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist der größte Nationalpark zwischen dem Nordkap und Sizilien. Die „Küsten-Wildnis“ zwischen der dänischen Grenze und der Elbmündung ist fast doppelt so groß wie das Saarland.

Die 441 000 Hektar große Fläche vor den Deichen und Stränden der Westküste Schleswig-Holsteins ist das vogelreichste Gebiet Mitteleuropas. Als Drehscheibe des Vogelzugs hat es eine existenzielle Bedeutung für die Zugvögel. Auch für die Nonnengänse, die sich hinter den Deichen auf den Salzwiesenvorländern und in den Naturschutzkögen sammeln, weiß der Biologe Klaus Günther.

Mehr als zwei Millionen Vögel legen dort auf ihrem Zug zwischen Brut- und Wintergebiet regelmäßig einen längeren Zwischenstopp ein. Zurzeit fressen sich in „Deutschlands letzter Wildnis“ Zehntausende Vögel ein Fettpolster an für ihren Weiterflug in die sibirischen Brutgebiete. Sie müssen in kürzester Zeit möglichst viel an Gewicht zulegen, um die 1 000 und mehr Kilometer bis zu ihrem Ziel unbeschadet überstehen zu können.

Nirgendwo anders auf den Zugstrecken gibt es ein Gebiet mit vergleichbarem Nahrungsreichtum. „Bei der Ankunft im Brutgebiet müssen die Vögel auch noch fit genug sein, einen Brutplatz zu suchen und zu verteidigen, sich zu paaren, Eier zu legen und schließlich erfolgreich den Nachwuchs groß zu ziehen.“  - dpa

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