Ehemann bestreitet Tat

Prozess um den Mord in Schackendorf gestartet

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Der Ehemann der ermordeten 34 Jahre alten Frau muss sich im achttägigen Prozess vor dem Kieler Landgericht behaupten. Er bestreitet die Tat.

Kiel - Der 48-Jährige sitzt minutenlang allein auf der Anklagebank, kreidebleich und mit gesenktem Kopf – im Blickfeld zahlreicher Fotografen und Fernsehteams. Dann setzt sich sein Verteidiger zu dem wegen des brutalen Mordes an seiner Frau angeklagten Mann. Beide sprechen leise miteinander.

Der Auftakt des Indizienprozesses um den grausamen Tod der 34 Jahre alten Frau des Angeklagten sollte womöglich gleich zu Beginn die Absicht der Verteidigung versinnbildlichen: Hier sitzt ein nachweislich schwer kranker Ehemann, der schon rein körperlich den Mord nicht begangen haben könne und unschuldig sei.

Das legt jedenfalls Strafverteidiger Jonas Hennig am Freitag unmittelbar nach Verlesung der Anklageschrift vor dem Kieler Landgericht nahe: „Ich bin unschuldig. Ich habe meine Frau nicht umgebracht“, erklärt er für seinen Mandanten. Den Ermittlungsbehörden und der Staatsanwaltschaft wirft er Einseitigkeit zu Ungunsten des Angeklagten, Schlampigkeit sowie „verbotene und prozesswidrige Methoden“ vor: So gebe es nach Aktenlage mindestens einen anderen Tatverdächtigen, sagt Hennig.

An einem Teil des Pfahls, mit der der Frau der Schädel zertrümmert worden sei, fände sich dessen genetischer Fingerabdruck. Es handle sich laut Akten um einen Mann, der bereits wegen Gewaltdelikten auffällig geworden sei und nach dem gefahndet werde.

Staatsanwaltschaft von Schuld überzeugt

Ganz anders sieht es die Staatsanwaltschaft, die sich nach fast einjährigen Ermittlungen überzeugt zeigt, dass der Angeklagte seine Frau Anfang November vor einem Jahr während eines Abendspaziergangs mit Kind und Hund im Streit und in einem Wutanfall brutal tötete. Dabei habe er ihr mit einem Pfahl das Gesicht und den Schädel zertrümmert sowie einen Halsschnitt versetzt, schilderte es Anklägerin Hanna Schmücker-Borgwardt.

Anschließend versuchte der Mann demnach, ein Sexualdelikt vorzutäuschen, indem er den Unterkörper seiner Frau entkleidete, bevor er mit dem Sohn nach Hause ging. Das Kind lebt inzwischen in einer Pflegefamilie. Mitten in der Nacht meldete er nach Aktenlage die 34-Jährige bei der Polizei als vermisst – und fand sie dann am nächsten Morgen selbst, als er gemeinsam mit einem Bekannten suchte.

Zum Hintergrund der Tat nennt die Staatsanwältin auch Streitigkeiten zwischen den Eheleuten, die seit längerem bestünden. Er sei wegen ihres Sports sauer gewesen und habe sie verdächtigt, mit dem Trainer ein Verhältnis zu haben. Sie habe sich trennen, er das nicht akzeptieren wollen und sich seit geraumer Zeit mit Tötungsabsichten getragen, sagt Schmücker-Borgwardt. Auch der unmittelbar vor der Tat vorzeitig abgebrochene Harz-Urlaub habe keine Versöhnung gebracht.

Anklage stütze sich nur auf Vermutungen

Hennig macht dagegen Zweifel an der Anklage geltend, die sich aus seiner Sicht nur auf Vermutungen stützt und der eindeutige Beweise fehlten. Die Staatsanwaltschaft habe als angeblich objektive Behörde versagt und „eine entfesselte Polizei ermitteln lassen“. Es seien etliche „Schandtaten der Polizei protokolliert“. Sie habe seinen Mandanten auch noch vernommen, nachdem der 24 Stunden nicht geschlafen und längst nach einem Anwalt gefragt habe.

Sein Mandant, so der Verteidiger, habe sich von Anfang an kooperativ verhalten und dabei immer wieder seine Unschuld beteuert. „Seine Aussage ist glaubhaft, widerspruchsfrei und detailreich“, betont er. Demnach gibt es „kein Beweismittel, das seine Aussagen widerlegt“. So fehle auch eine zweite angenommene Tatwaffe, mit der der Halschnitt ausgeführt worden sein soll. Im übrigen sei sein schwerkranker Mandant schon rein körperlich nicht in der Lage gewesen, seine Frau zu töten, die sportlich topfit und als Krankenschwester in der Psychiatrie Selbstverteidigungstrainings absolviert habe.

Für den Indizienprozess hat die 8. Große Strafkammer zunächst acht Verhandlungstage anberaumt. 37 Zeugen und zwei Sachverständige sind geladen. Die Mutter des Opfers ist Nebenklägerin. Bleibt es bei dem Terminplan, könnte das Urteil Mitte Dezember fallen. Der Verteidiger deutete bereits an, dass sein Mandant aufgrund seiner Krankheit nur halbe Tage verhandlungsfähig sei.

dpa

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