Heide Simonis (l., SPD) erhält am 22. Mai 1996 kurz nach ihrer Wiederwahl zur Ministerpräsidentin von der Fraktionschefin der Grünen, Irene Fröhlich, einen Blumenstrauß. Die Grünen waren damals zur Landtagswahl erstmals in das Landesparlament eingezogen.
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Heide Simonis (l., SPD) erhält am 22. Mai 1996 kurz nach ihrer Wiederwahl zur Ministerpräsidentin von der Fraktionschefin der Grünen, Irene Fröhlich, einen Blumenstrauß. Die Grünen waren damals zur Landtagswahl erstmals in das Landesparlament eingezogen.

Grüne feiern unter Corona-Bedingungen – digital

Ein Vierteljahrhundert im Landtag

Seit 25 Jahren sind die Grünen im Landtag von Schleswig-Holstein vertreten. In dieser Zeit konnten sie auch immer wieder Regierungsverantwortung übernehmen.

Vier Jahre später schafften die Grünen mit 8,1 Prozent ihre Landtagspremiere. Den 25. Jahrestag dieses Erfolgs begehen sie an diesem Donnerstag – knapp ein Jahr vor der mit großer Zuversicht angepeilten Landtagswahl – mit einem Klimakongress und einer pandemiebedingt digitalen „Sofa-Runde“ mit Ex-Fraktionschefs, darunter der heutige Bundesvorsitzende Robert Habeck.

Die erfolgreiche Landtagswahl 1996 mündete für die Grünen vor 25 Jahren gleich in eine Regierungskoalition mit der SPD. In der Partei gab es damals noch eine starke koalitionsskeptische Strömung und auch die damalige sozialdemokratische Ministerpräsidentin Heide Simonis wollte nur ungern die von ihr so titulierte „Grüne Kröte“ schlucken. Irene Fröhlich wurde die erste Fraktionschefin der Grünen im Landtag, Rainder Steenblock (Umwelt) und Angelika Birk (Frauen, Jugend, Wohnungs- und Städtebau) die ersten Ressortchefs. Birks Haus wurde ob seines Zusammenschnitts gern als „Nestbauministerium“ tituliert.

Bis 2005 regierten die Grünen als Juniorpartner der SPD. Nach dem spektakulären Scheitern des Wiederwahl-Versuchs von Simonis mussten sie bis 2012 auf die harten Oppositionsbänke. Danach regierten sie wieder mit, zunächst bis 2017 mit SPD und SSW und seitdem mit CDU und FDP.

Fraktionschefin ist seit 2012 Eka von Kalben (56). „Aus der Opposition wieder in die Regierung zu treten, war am Anfang für mich als Parlamentsneuling nicht so einfach“, sagt sie im Rückblick. „Aber da es die zweite Regierungserfahrung seit Bestehen der Fraktion war, gab es genügend Erfahrungswissen auch bei Mitarbeiter, die ich nutzen konnte.“ Für die allererste Fraktion sei dies mit dem Schritt aus der außerparlamentarischen Arbeit direkt in die Landesregierung wesentlich schwieriger gewesen.

Derzeit stellen die Grünen nach 12,9 Prozent bei der vergangenen Wahl zehn der 73  Landtagsabgeordneten. Nach der Wahl in knapp einem Jahr sollen es deutlich mehr werden. Die jüngsten Umfragen sehen die Grünen auf Augenhöhe mit der CDU, verbunden mit der Chance, 26 Jahre nach dem erstmaligen Einzug in den Landtag den Regierungschef-Posten zu erobern. Doch bis dahin fließt noch viel Wasser in die Kieler Förde.

„Die Herausforderungen in der Küstenkoalition mit SPD und SSW und auch in Jamaika mit CDU und FDP haben uns wachsen lassen und das Land grüner gemacht“, sagt Fraktionschefin von Kalben. „Unsere Ausgangslage für die nächste Landtagswahl ist zurzeit sehr erfreulich.“ Ziel sei es, mit noch mehr Abgeordneten eine starke Fraktion bilden zu können. Die Grünen wollten das Land mit ihrer Politik zukunftsfest machen.

Zur offiziellen 25-Jahre-Feier der Landtagsfraktion wird von Kalben am Donnerstagabend drei Vorgänger zur „Sofa-Runde“ bitten: Karl-Martin Hentschel (2000 bis 2005; 2006 bis 2009) Annemarie Lütkes (2005 bis 2006) und Robert Habeck (2009 bis 2012). Habeck hatte 2017 gemeinsam mit Finanzministerin Monika Heinold die Weichen für einen schnellen Wechsel vom Regierungsbündnis mit SPD und SSW hin zur Koalition mit CDU und FDP gestellt.

„Wir hätten unser Fest gerne mit einer Grünen Party gefeiert, die in den letzten 25   Jahren auch legendär waren“, sagt Fraktionschefin von Kalben zum Fraktionsjubiläum. „Nun haben wir uns wegen Corona für ein digitales Format entschieden und freuen uns auf einen spannenden Rückblick in die vergangenen 25 Jahre.“

Die Grünen wollten aber auch den Blick nach vorne richten. „Wir nutzen unser Jubiläum für einen Klimakongress, auf dem wir die Herausforderungen des Klimawandels unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten und deutlich machen, dass dieses Thema für uns ein Thema der gesamten Fraktion war und ist.“ Dazu erwarten die Grünen am Donnerstag Expertenvorträge und Diskussionen zu diversen Klima-Themen.  dpa

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