Umweltminister Jan Philipp Albrecht beim Besuch im Kernkraftwerk Brunsbüttel: Dort lagern hoch radioaktive Abfälle zwischen, bis ein geeignetes Endlager gefunden ist.
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Umweltminister Jan Philipp Albrecht beim Besuch im Kernkraftwerk Brunsbüttel: Dort lagern hoch radioaktive Abfälle zwischen, bis ein geeignetes Endlager gefunden ist.

BGE listet auch Regionen des Landes als Endlagerstandort auf

Eine „gemeinsame Aufgabe“

Kiel/Berlin – Bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager in Deutschland schließt eine erste Auswahl auch viele Regionen in Schleswig-Holstein als Standort nicht grundsätzlich aus. 15 Teilgebiete, die sich über mehrere Bundesländer erstrecken, liegen auch auf schleswig-holsteinischen Gebiet, geht aus dem gestern veröffentlichten Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hervor. In 15 Kreisen und kreisfreien Städten im Land wurden die sogenannten Wirtsgesteinsvorkommen, Salzgestein und Tongestein identifiziert.

Schleswig-Holsteinische Landespolitiker betonten auch mit Blick auf die Kritik an dem Bericht vor allem aus Bayern, dass bei der Endlagersuche politische Gründe keine Rolle spielen dürften. Wichtig sei ein offenes, transparentes Verfahren, um einen geeigneten und akzeptierten Standort zu finden.

„Dass diese Regionen zunächst als Potenzialflächen aufgeführt werden, liegt auf der Hand, sagt aber noch nichts über ihre tatsächliche Eignung aus“, sagte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) mit Blick auf die Teilgebiete in Schleswig-Holstein. Entscheidend sei, dass die Bestimmung der Flächen aufgrund wissenschaftlicher Verfahren erfolgte, nicht politisch. „Entsprechend muss das Verfahren jetzt auch wissenschaftlich weitergeführt werden.“

Bundesweit haben 90 Gebiete nach BGE-Erkenntnissen günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager. Berücksichtigt man die Überlagerung einiger Gebiete, ist laut Bericht in Deutschland ein Anteil von 54 Prozent der Landesfläche als Teilgebiet ausgewiesen. Eine Vorfestlegung auf einen Standort sei damit aber noch längst nicht verbunden. „Die jetzt vorgelegte Karte ist eine wichtige erste Etappe auf dem langen Weg zur Endlagerung hoch radioaktiver Stoffe“, meinte Albrecht.

Die Suche fängt nun erst richtig an. In den kommenden Monaten und Jahren werden die möglichen Standorte nach und nach weiter eingegrenzt, indem weitere Kriterien – etwa die Bevölkerungsdichte – berücksichtigt werden. Gesucht wird der beste Ort, um hoch radioaktiven Atommüll eine Million Jahre lang möglichst sicher zu lagern. Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. 2031 soll der Standort gefunden sein, ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden. Nach Ansicht der BGE erlaubt die Geologie in Deutschland in jedem Fall den Bau eines Endlagers.

Albrecht sieht die Suche nach einem Endlagerstandort als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, vor der sich niemand drücken kann. „Die Landesregierung will den Atomausstieg vollenden und dazu gehört, ein Endlager für die hoch radioaktiven Abfälle zu finden, die bis heute in den schleswig-holsteinischen Zwischenlagern in Brunsbüttel, Brokdorf und Krümmel stehen“, erklärte er. Mit Blick seinen bayerischen Kollegen Thorsten Glauber (Freie Wähler), der einen Standort im Freistaat skeptisch sieht, sagte Albrecht: „Wir alle haben den Strom aus Atomkraftwerken verbraucht, das gilt besonders für Bayern. Nun gilt es, einen geeigneten Standort für den Abfall dieser Energieerzeugung zu finden, und wir haben uns gesetzlich mit allen Ländern auf ein Verfahren geeinigt.“  dpa

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