Eine Luftpumpe für jedes Viertel

Kommunen in Schleswig-Holstein investieren in die Fahrrad-Infrastruktur

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Kein Bundesland hat so viele Radwege wie Schleswig-Holstein, meldet das Wirtschaftsministerium.

Kiel/Norderstedt - Von Birgitta von Gyldenfeldt und Almut Kipp. Fahrradfahren ist klimafreundlich und gesund. Viele Kommunen in Schleswig-Holstein investieren Geld und Ideen in die Fahrrad-Infrastruktur – damit auch Pendler aufs Rad umsteigen und Radurlauber ins Land kommen. Trotz der Bemühungen gebe es aber noch viel zu tun, meint der ADFC Schleswig-Holstein. Einige Beispiele:

Ahrensburg

In der Stadt im Kreis Stormarn wurde 2014 ein Radverkehrskonzept entwickelt – das Ziel dabei ist, den Anteil des Fahrradverkehrs am gesamten Verkehr bis 2025 auf 23 Prozent zu erhöhen (2010: 17 Prozent). Modernisierung und Ausbau von Radwegen werden sukzessive umgesetzt, für 2018 sind 1,2 Millionen Euro bewilligt. 2015 wurde zwar der Bau eines Fahrradparkhauses mit Ladestationen für E-Bikes beim Bahnhof beschlossen. Die Pläne seien aber zurückgestellt worden und sollen im Zuge der Innenstadtsanierung weiter verfolgt werden, sagte eine Sprecherin. Für das „2025“-Ziel radeln die Ahrensburger mit gutem Beispiel voran: Sie beteiligen sich laut einer Sprecherin alljährlich an der europaweiten Aktion „Stadtradeln“, bei der Kommunalpolitiker und Bürger in der Zeit vom 1. Mai bis 30. September drei Wochen am Stück Radkilometer für den Klimaschutz sowie für eine Radverkehrsförderung in ihrer Gemeinde sammeln.

Norderstedt

Die fünftgrößte Stadt des Landes hat sich nach eigenem Bekunden auf den Weg zu einer „fahrradfreundlichen Kommune“ gemacht. „Mobilität der Zukunft“ sei eine der Hauptaufgaben, teilte die Stadt mit. 2018/2019 fließen bis zu 2,1 Millionen Euro in den Radwege-Ausbau. Die Pendlerstadt verfügt am U-Bahnhof Norderstedt-Mitte über ein Fahrradparkhaus mit bis zu 450 Stellplätzen und E-Bike-Ladestationen. Für Familien gibt es in Norderstedt den „Rundweg der Spielplätze“. Und Ende 2017 wurde die erste „Fahrradstraße“ freigegeben.

Flensburg

In Flensburg spielt das Fahrrad eine zentrale Rolle in den Verkehrskonzepten, die derzeit erarbeitet werden. Das Konzept „Velorouten“ etwa weist Hauptstrecken und ein Erschließungsnetz für den Radverkehr aus, sagte ein Stadtsprecher. Im Projekt „Radeln zum Campus“ werden Routen zur Hochschule optimiert und Abstellanlagen geschaffen. Zudem wird den Angaben zufolge bei der Sanierung von Bushaltestellen immer mitgedacht, dass auch das Fahrrad abgestellt werden kann. Am Bahnhof ist der Bau eines Fahrradparkhauses geplant.

In Flensburg können Bürger künftig statt mit dem Auto mit dem Lastenrad zum Einkaufen fahren. Die Ausleihe ist gratis.

Damit mehr Menschen statt mit dem Auto mit dem Fahrrad einkaufen gehen, sollen künftig in den Stadtteilen kostenlos Lastenräder (mit Elektrounterstützung) ausgeliehen werden können. Das Angebot soll im Frühsommer starten. Den Mitarbeitern der Stadt stehen Fahrräder, Pedelecs, Lastenräder und ein Falt-rad zur Verfügung.

Kiel

Auch im Verkehrskonzept der Landeshauptstadt spielt der Radverkehr eine wichtige Rolle. Unter anderem gibt es dort ein Veloroutenkonzept, welches seit Jahren kontinuierlich ausgebaut wird. Insgesamt stehen etwa 750 Radwegweiser im Stadtgebiet. Bereits seit 1988 gibt es einen Radverkehrsbeauftragten. In den Ämtern stehen Diensträder zur Verfügung. Gäste können an der Radstation am Bahnhof ein Fahrrad leihen. Städtische Ladestationen für E-Bikes gibt es zwar nicht, aber einige private. Zudem soll jeder Stadtteil mindestens eine öffentliche Luftpumpe erhalten.

Wie viel Geld zum Ausbau der Infrastruktur zur Verfügung steht, kann nach Angaben eines Stadtsprechers von Jahr zu Jahr stark schwanken. Die Veloroute 10, die gerade gebaut wird, kostet beispielsweise etwa fünf Millionen Euro. Die Radstation am Hauptbahnhof mit 620 Plätzen hat zwei Millionen Euro gekostet. Insgesamt gibt es im erweiterten Innenstadtbereich etwa 6 000 Fahrradbügel an Straßen und Plätzen.

Lübeck

In der Hansestadt gibt es an etlichen Bahn- und Bushaltepunkten sogenannte B+R-Anlagen (Bike and Ride) mit überdachten Fahrradständen oder -garagen. Weitere sollen dieses Jahr eröffnen. Insgesamt stehen in Lübeck für den Ausbau der Radinfrastruktur jährlich rund eine Million Euro und für den Unterhalt bis zu 400 000 Euro zur Verfügung. Plötzlich endende Radwege sind in Lübeck nach Angaben der Stadt die Ausnahme. Schwierig sei eher die Qualität der Radwege sowie die große Anzahl an Zweirichtungsradwegen.

Am Hauptbahnhof können Fahrräder ausgeliehen werden; Mitarbeiter der Stadt können auf Dienstfahrräder zurückgreifen.

ADFC-Position

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums gibt es in keinem anderen Bundesland so viele Radwege entlang der Straßen wie in Schleswig-Holstein. Allerdings lasse ihre Qualität oft zu wünschen übrig, moniert ADFC-Landeschef Thomas Möller. Der Fahrradclub hat mit Blick auf die Kommunalwahl am 6. Mai 13 Kernforderungen aufgestellt, die zu einem fahrradfreundlichen Norden beitragen sollen. Dazu gehören ein Radverkehrskonzept auf Kreisebene sowie die Förderung der besseren Verknüpfung von Fahrrad und öffentlichem Verkehr. J dpa

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