Flensburg: Stromausfall wirbelt öffentliches Leben durcheinander

Eine Stadt im Dunkeln

Auf den Straßen Flensburgs kam es wegen ausgefallener Ampeln durch des Stromausfalls zu langen Staus. Foto: DPA

Flensburg – Ampeln funktionieren nicht, die Straßenbeleuchtung ist trotz Dunkelheit aus. Auch in Wohnungen und Geschäftshäusern brennt kein Licht. Große Teile Flensburgs und umliegender Gemeinden haben am Mittwochmorgen stundenlang im Dunkeln gelegen. Nach Angaben der Stadtwerke waren rund 62 000 Haushalte vor allem im Flensburger Stadtgebiet, Glücksburg und Harrislee zeitweise von einem Stromausfall betroffen.

Der Grund: Gegen 6.22 Uhr fiel eine Höchstspannungsleitung in Dänemark aus, teilte der Energieversorger weiter mit. „Da die Stadtwerke Flensburg technisch mit dem dänischen Stromnetz verbunden sind, haben Probleme dort auch Auswirkungen auf die Flensburger Versorgung.“ Um 8.55 Uhr wurde damit begonnen, das Flensburger Netz sukzessive wieder hochzufahren. Seit 9.15 Uhr ist ein Großteil Flensburgs wieder mit Strom versorgt. Warum die 150kV-Verbindungsleitung zwischen Flensburg und Dänemark ausgefallen ist, war den Angaben zufolge zunächst noch unklar.

Klar ist aber, dass der Stromausfall in Schleswig-Holsteins drittgrößter Stadt das Leben stundenlang ganz schön durcheinander gewirbelt hat – und das nicht nur, weil der morgendliche Kaffee fehlte, monierten viele Betroffene in sozialen Medien eher augenzwinkernd. Auf den Straßen kam es wegen ausgefallener Ampeln im morgendlichen Berufsverkehr teilweise zu langen Staus. Schulen, öffentliche Gebäude wie das Landgericht, Supermärkte, Wohnhäuser und Arztpraxen blieben dunkel. Auch Telefon- und Mobilfunknetz funktionierte teilweise nicht. Die Hochschule Flensburg schrieb auf ihrer Facebook-Seite, dass Lehrveranstaltungen und Prüfungen wegen des Stromausfalls abgesagt wurden. Bibliothek und Cafeteria seien zwar geöffnet. Aber: „Warmes Essen an der Essensausgabe kann es heute leider nicht geben.“

Die Betreuung in den städtischen Kitas war gesichert, teilte die Stadt mit. Auch die Grundschulen wiesen kein Kind ab, das sich im Dunkel auf den Weg gemacht hatte. Die erste Schulstunde verbrachten die anwesenden Kinder mehr oder weniger im Dunkeln, bevor es gegen neun Uhr heller wurde und auch die Stromversorgung in einigen Stadtteilen bereits wiederhergestellt war.

Aus Sicht der Polizei hat der Stromausfall zu keinen nennenswerten Einsatzen geführt. Zwar wurden zahlreiche Einbruchmeldeanlagen ausgelöst – allerdings nicht weil Diebe die Gunst der Stunde nutzen wollten: Es habe sich insgesamt um Fehlalarme gehandelt.

Das größte Krankenhaus in der Region, die Diako, war in der Dunkelheit am frühen Morgen einer der wenigen hellen Punkte in der Stadt. „Das Notstromaggregat läuft“, sagte Vorstand Pastor Wolfgang Boten. „Die medizinische Versorgung ist gesichert, der Hubschrauber kann landen.“ Auch Licht gebe es überall. Theoretisch könne das Notstromaggregat tagelang laufen. Auch am Malteser-Krankenhaus St. Franziskus lief das Notstromaggregat sofort an. Große Stromverbraucher wie die Linearbeschleuniger und das CT waren während des Stromausfalls aber nicht in Betrieb.

Am späten Vormittag war in der Innenstadt vom Stromausfall kaum noch etwas zu merken. Die Geschäfte hatten geöffnet, die Wochenmarktstände waren gut besucht. Am frühen Morgen hat es aber noch anders ausgesehen: „Es waren weniger Kunden hier“, sagte Heike Scheinert, Verkäuferin an einem Blumenstand. Die Betreiberin eines Kartoffelstandes berichtet ebenfalls von zunächst ausbleibenden Kunden – und von langen Schlangen vor den Eingangstüren der umliegenden Arztpraxen. „Wir konnten gar nichts machen“, sagte auch eine Mitarbeiterin einer Augenarztpraxis in einem anderen Teil der Stadt. Viele Termine seien verschoben worden.

Oberbürgermeisterin Simone Lange sagte, „der Vorfall vom heutigen Morgen zeigt, wie empfindlich unsere moderne Gesellschaft ist.“ Sie sei sehr froh über die Professionalität, mit der dem Problem begegnet worden sei.  dpa

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