Angreifer aus Lübecker Linienbus steht vor Gericht

Eine Tat „im Wahn“

Lübeck – Knapp sechs Monate nach einer Messerattacke in einem Lübecker Linienbus beginnt am Mittwoch der Prozess gegen den mutmaßlichen Angreifer. Dem 34 Jahre alten Mann wird unter anderem versuchter Mord in 48 Fällen vorgeworfen. Der mutmaßliche Täter soll am 20. Juli 2018 in einem Linienbus Feuer gelegt und mit einem Messer wahllos auf Fahrgäste eingestochen haben. Dabei wurden zwölf Menschen verletzt, für eines der Opfer bestand zeitweise Lebensgefahr.

Am frühen Nachmittag des 20. Juli zündete der 34-Jährige nach Angaben der Staatsanwaltschaft in einem Bus der Linie 30 in seinem Rucksack mehrere Spiritusflaschen an. Dann stach er mit einem Küchenmesser auf Umstehende ein. Er wurde schließlich vom Busfahrer und mehreren Fahrgästen überwältigt und der Polizei übergeben.

Zuvor hatte der 34-Jährige den Angaben zufolge den Busfahrer angegriffen, als der versuchte, das Feuer zu löschen. Der Fahrer hatte im Rückspiegel den Qualm bemerkt, das Fahrzeug gestoppt und die Türen geöffnet, um die Fahrgäste aussteigen zu lassen. Sein umsichtiges Handeln habe möglicherweise Schlimmeres verhindert, sagte Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) nach der Tat. Der mit 48 Personen besetzte Bus war auf dem Weg von Lübeck nach Travemünde, wo am Abend die Travemünder Woche eröffnet werden sollte. Wirre Äußerungen des Beschuldigten nach seiner Festnahme und Ermittlungen in seinem Umfeld führten bald zu dem Verdacht, dass der 34-Jährige psychisch krank sein könnte. Das wurde durch das vorläufige Gutachten einer Sachverständigen bestätigt, die von einer paranoiden Schizophrenie und einer dadurch bedingten Schuldunfähigkeit ausging.

„Nach diesen Erkenntnissen gehen wir davon aus, dass sich der Beschuldigte in seinem Wahn einer Verschwörung ausgesetzt sah. Die wollte er beenden, indem er einen Bus in Brand setzt und alle Insassen des Busses tötet“, sagte die Lübecker Oberstaatsanwältin Ulla Hingst. „Da der Beschuldigte nach Einschätzung der Sachverständigen krankheitsbedingt gefährlich für die Allgemeinheit ist, muss nun ein Gericht in einer Hauptverhandlung über seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus entscheiden.“  dpa

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