Kieler Maskenbildner verhilft Rollenspielern zum Zweitgesicht

Einmal so schaurig-schön aussehen wie ein Ork, bitte

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Wer eine Maske von Julien Padubrins haben möchte, muss zwei Monate Wartezeit in Kauf nehmen. So beliebt sind seine Werke.

Kiel - Von André Klohn. Aus den Boxen in seinem Rücken verströmt fröhlicher Reggae Urlaubsgefühle. Unter seinen Händen entfaltet sich dagegen das dunkle Grauen. Täuschend echt wirkt der Kopf eines Moria-Orks aus dem Herr-der-Ringe-Universum auf seiner Werkbank. Das Gesicht samt tiefer Falten ist kunstvoll bemalt, das schwarze Haar zum Zopf gebunden. Der Kieler Julien Padubrins stellt maßgeschneiderte Latex-Masken her. Seine Kunden kommen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus den USA und Kanada. Es sind Live-Rollenspieler, die in ihrer Freizeit als Fantasywesen für das Gute oder dagegen kämpfen.

Padubrins fertigt Dämonen, Trolle, Elfen und natürlich immer wieder Orks. „Sie sind mein tägliches Brot“, sagt der 36-Jährige. Mehrere Dutzend Arbeitsstunden stecken in einer Maske. Rund 250 Masken, so schätzt er, hat er mittlerweile gefertigt – Unikate auf Basis des Gipsabdrucks ihres Trägers. Kosten: Ab 600 Euro aufwärts. „Aktuell beträgt die Wartezeit zwei Monate.“

Modelliert hat Padubrins bereits als kleiner Junge. „Als Vierjähriger habe ich Totenköpfe gemacht, die standen vor Kurzem noch im Garten meiner Mutter.“ Als Maskenbildner arbeitet der gelernte Tierpfleger aber erst seit rund zehn Jahren, zunächst nur für Freunde. Doch schnell sprach sich seine Arbeit in der Szene rum, reichten Rollenspieler seine E-Mail-Adresse weiter. Dabei hatte er selbst mit Rollenspielen nicht viel am Hut. „Ich bin nicht so der Nerd. Das hat bei mir nie so eingeschlagen.“

„Ich hatte keine Ahnung von Live-Rollenspielen“

Anfangs musste er sich deshalb erst erkundigen, was Kunden genau von ihm wollten. Auch wusste er nicht so recht, welche Preise er verlangen konnte. „Ich hatte keine Ahnung von Live-Rollenspielen“, gibt Padubrins zu.

Beim „Live Action Role Playing“ (Larp) handelt es sich um Improvisationstheater, das allerdings ohne Zuschauer stattfindet. Larp-Fans treffen sich oftmals in authentischen Umgebungen wie alten Burgen und tauchen dabei in eine Welt von Magiern, Rittern, Orks und anderen Fabelwesen ab. Das Spiel selbst dauert teils mehrere Tage und läuft nach bestimmten Regeln ab.

Gelegentlich nimmt der Maskenbilder auch selbst an solchen Treffen teil. Sein eigenes Ork-Kostüm steht im Arbeitsraum. Beim ersten Tragen habe er einen Hitzeschock bekommen. „Das ist schon ordentlich warm unter der Maske“, sagt Padubrins. Zumal die Treffen meist in der warmen Jahreszeit stattfinden. „Aber ab einem gewissen Punkt ist das egal.“

Feine Falten wie im Film: Dämonen, Trolle oder dieser Moria-Ork aus dem Herr-der-Ringe-Universum bekommen von Julien Padubrins ein detailgetreues Aussehen verpasst. Die Masken des Kielers sind gefragt in der Rollenspiel-Szene.

Im Regal neben seiner Werkbank liegen auch andere seltsame Wesen, die an Figuren aus dem Star-Trek-Universum erinnern. Zu Padubrins ungewöhnlichsten Aufträgen zählte eine Maske des jungen Helmut Schmidt. Das Gesicht des Ex-Bundeskanzlers modellierte er für eine Ausstellung. Fetisch-Anfragen lehnt er ab. „Da habe ich die Grenze gezogen“, unterstreicht der Kieler.

Früher lebte der Norddeutsche von staatlicher Unterstützung. Mittlerweile finanzieren die Fantasy-Wesen seinen Lebensunterhalt. „Ich habe mir das alles selbst beigebracht“, sagt der Padubrins. Teilweise mehrere Wochen ist er mit einer Maske beschäftigt, allein an seiner Werkbank. Auf Dauer möchte der Künstler Teil eines Teams sein. „Mein Traum ist es, irgendwann für Theater oder Film zu arbeiten.“ - dpa

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