Hungrige Wölfe sind Probleme für Schafhalter / Risse häufen sich

Emotionen kochen hoch

Bereits 48 Wolfsrisse sind in Schleswig-Holstein nachgewiesen. In ´diesem Jahr häufen sich die Fälle. - Foto: dpa

Flintbek - Nach vielen Wolfrissen in Schleswig-Holstein kochen die Emotionen bei Landwirten und Schafzüchtern hoch. Es gebe schon 48 nachgewiesene Fälle in diesem Jahr, sagte am Montag Martin Schmidt vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Es gebe immer eine genetische Untersuchung der Spuren, und die dauere ungefähr drei Wochen. Dann erst wisse man genau, ob der „Täter“ ein hungriger Wolf oder ein wildernder Hund war.

Nach Angaben des LLUR gab es im Land 119 Wolfsnachweise seit 2007. Davon waren 71 in diesem Jahr. Oft tappten die Wölfe in eine Fotofalle oder hinterließen andere, harmlose Spuren. Doch in 74 Fällen drangen hungrige Wölfe in Schafkoppeln ein, um ihren Hunger zu stillen. Allein 48 Mal in diesem Jahr, sagte Schmidt. Und konkretisierte: „Das ist die Zahl der Ereignisse, nicht die Zahl der toten Tiere.“.

Deren Zahl könne man nur schätzen. „Denn auch Tiere, die eingeschläfert werden müssen, zählen dazu.“ Insgesamt gehen seit 2007 auf das Konto von Wölfen zwischen ein- und zweihundert tote Schafe, vermutete Schmidt. Denn meist tötet der Wolf nur ein Schaf, manchmal auch zwei. „Nur in ganz seltenen Fällen sind es Dutzende.“ So zum Beispiel Anfang 2015 in der Herde eines Schäfers aus Blumenthal im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Dort wurden etliche Schafe gerissen oder so schwer verletzt, dass sie getötet werden mussten. Bei anderen Mutterschafen führte der Stress zu Fehlgeburten.

Der Schutz der Weidetiere geschieht vornehmlich mit Hilfe von Zäunen, erklärte der Sprecher. Kurzfristig könne man einen Wolf auch mit einem Blinklicht vergrämen. Doch „Isegrimm“ ist nicht blöd. „Letztlich hilft nur der Zaun, der ordnungsgemäß gesetzt sein muss.“

Das ist entweder ein 105 Zentimeter hoher Zaun aus Strom führendem Maschengeflecht, der an der Unterseite im Boden vergraben sein muss. Oder vier Strom führende Litzen – die niedrigste maximal 25 Zentimeter über dem Boden. „Weil ein Wolf in der Regel unter einem Zaun hindurch kriecht. Er springt nicht drüber, obwohl er das wohl könnte“, sagte Schmidt. „Bisher haben wir in Schleswig-Holstein keinen Fall, dass eine wolfssichere Umzäunung von einem Wolf überwunden wurde.“

Trotzdem schlagen die Emotionen hoch im Land. Der CDU-Agrarpolitiker Heiner Rickers postete auf Facebook ein Bild von sich neben einem toten Schaf auf dem Gelände einer Schäferfamilie und schrieb: „Trotz fachmännisch montierter Blinklichter, die den Wolf nachts abhalten sollen, kam es erneut zu Rissen. Der Wolfsabwehrzaun, der bereits beim ersten Riss vor über einer Woche angefordert wurde, ist immer noch nicht da. Die Familie fühlt sich allein gelassen mit dem Problem Wolf. Dieses Tier muss entnommen werden!“. - dpa

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