Täter muss wegen versuchten heimtückischen Mordes, gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung zehneinhalb Jahre in Haft.
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Täter muss wegen versuchten heimtückischen Mordes, gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung zehneinhalb Jahre in Haft.

43-Jähriger sticht auf Ex-Freundin ein

„Er war entschlossen, sie zu töten“

Kiel - Er stach auf den Kopf, den Hals und den Körper seiner Ex-Freundin ein: Nun muss der 43 Jahre alte Täter wegen versuchten heimtückischen Mordes, gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung zehneinhalb Jahre in Haft.

Zugleich ordnete das Kieler Landgericht die Unterbringung des Mannes in der Psychiatrie an. Er leide an einer Persönlichkeitsstörung und sei für seine Ex-Partnerin und deren Umfeld weiterhin gefährlich, sagte der Vorsitzende Richter.

Das Opfer nahm das Urteil wie befreit auf. Während der rund zweieinhalb Stunden dauernden Urteilsbegründung trocknete sich die Frau immer wieder die Tränen. Im Gerichtsflur fiel sie erleichtert Freundinnen in die Arme.

Bei der lebensbedrohlichen Messerattacke hatte ihr der Angeklagte am 18. Juni 2015 spätabends vor ihrer Wohnung in Neumünster aufgelauert. Als sie einparkte, riss er die Wagentür auf und stach sofort auf die arg- und wehrlose Frau ein. „Er war entschlossen, sie zu töten“, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann.

Die Freundin, die im eigenen Wagen als Begleitschutz folgte, sah den Angeklagten plötzlich heraneilen, doch ihre Warnrufe erreichten die Frau nicht mehr. Die 37-Jährige wurde nach Feststellungen des Gerichts völlig überrascht, als die Messerstiche Kopf, Hals und Körper trafen – sie verlor schließlich das Bewusstsein. Mehrere Anwohner versuchten vergebens, den Mann von dem Opfer wegzuzerren. Erst ein Polizist konnte ihn überwältigen.

Die damalige Altenpflegerin war bereits vor dem Mordversuch einer Serie gewalttätiger Übergriffe, Beleidigungen und Beschimpfungen des Angeklagten ausgesetzt. Sie hatte ein Kontaktverbot erwirkt, gegen das er aber immer wieder verstieß. 1996 hatte sie den Mann kennengelernt. Kurz darauf begann eine verhängnisvolle Beziehung. Er war türkischer Abstammung und nach zwei abgelehnten Asylgesuchen in Deutschland nur geduldet. Sie war kurdischer Abstimmung, ihre Familie stemmte sich gegen die Beziehung.

Opfer wird geschlagen und beschimpft

Ihrer Familie folgend heiratete sie in der Türkei einen Cousin, bekam zwei Kinder. Doch ihre Ehe ging ebenso schief wie die Ehe, die der Angeklagte inzwischen schloss. 2011 kamen sich dann beide wieder näher, 2012 wurde sie von ihm schwanger.

In der Folgezeit schlug und beschimpfte er sie, zwang sie, seine Füße zu küssen, wie der Vorsitzende Richter schilderte. Der Richter führte eine Vielzahl von gewalttätigen Erniedrigungen auf. Dass sie sich trennt, das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn hat und ein Kontaktverbot erwirkt, wollte der Angeklagte nicht akzeptieren. Er wurde immer wieder gewalttätig, auch gegen die Freundin der Frau. „Sie lebte in ständiger Angst vor ihm, war mit Reizgasspray unterwegs“, sagte der Richter. Nach einem Gutachten ist der Mann wegen einer Borderline-Erkrankung vermindert schuldfähig. Seine Steuerungsfähigkeit sei dadurch erheblich eingeschränkt. Der Staatsanwalt hatte neun Jahre Haft und die Unterbringung in der Psychiatrie verlangt, die Nebenklage sogar lebenslang gefordert. Die Verteidiger hielten dagegen sechs Jahre Haft für angemessen.

Das Opfer ist noch heute von den Stich- und Schnittwunden gezeichnet, muss sich noch immer Operationen unterziehen, wie der Vorsitzende Richter erklärte. Ihren Beruf kann die Frau nicht mehr ausüben, wartet für sich und die Kinder auf eine Therapie. - dpa

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