Sonntagsöffnung nur verhalten genutzt

Entzerrung: Plan ging nicht auf

Verkaufsoffener Sonntag: Die Resonanz hielt sich in Grenzen Foto: dpda

Kiel – Die Ausnahmegenehmigung zur Sonntagsöffnung in Schleswig-Holstein ist von Einzelhändlern und Kunden vergleichsweise wenig genutzt worden. „Die Resonanz war doch überschaubar“, konstatierte Mareike Petersen vom Handelsverband Nord. Als möglichen Grund nannte sie die sehr kurzfristige Ankündigung, die vielen Händlern die Vorbereitung erschwert habe. Für Kunden sei es damit auch schwierig gewesen einzuschätzen, welche Länden geöffnet haben. „Wenn man damit rechnen muss, dass nur 30 Prozent offen sind, ist es wenig attraktiv, in die Stadt zu gehen“, sagte Petersen unter Hinweis auf den üblicherweise großen Andrang an verkaufsoffenen Sonntagen sonst, wenn zudem auch Touristen die Städte bevölkerten.

Volle Innenstädte waren ohnehin nicht die Intention der Landesregierung in Kiel. Sie hatte die Ausnahmegenehmigungen für diesen und den kommenden Sonntag erteilt, um – wie es hieß – die Kundenströme zu entzerren und den sonst für Einkäufe genutzten Samstag zu entlasten. Die Regelung solle kein Aufruf zum Shopping sein, sagte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP). Er appellierte an den Handel, auch mit flexibleren Öffnungszeiten mit dafür zu sorgen, „dass sich die Menschen nicht zu bestimmten Zeiten auf den Füßen stehen müssen“. Anders als Schleswig-Holstein hatte das Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern entschieden, dem Einzelhandel in der Corona-Krise keine zusätzlichen verkaufsoffenen Sonntage zu gewähren.

Nach Einschätzung Petersens kommt der Handel im Norden nach wochenlanger Zwangsschließung der Geschäfte nur schleppend wieder in Gang. Die Mehrzahl der Händler habe in der ersten Woche nach Wiederöffnung im Schnitt nur halb so hohe Tagesumsätze erzielt wie im Vorjahr, sagte die Verbandsgeschäftsführerin. Besser seien die Geschäfte im Bereich Garten und Freizeit gelaufen. „Alles, was irgendwie mit Outdoor zu tun hat, verzeichnete regen Zulauf“, stellte Petersen fest.

Wegen der Corona-Pandemie waren Mitte März mit Ausnahme der Lebensmittelgeschäfte, Drogerien und Apotheken alle Verkaufseinrichtungen geschlossen worden. Seit einer Woche dürfen sie wieder öffnen. Es gelten allerdings strenge Hygienevorschriften und Zugangsbeschränkungen. Zudem darf die genutzte Verkaufsfläche in der Regel 800 Quadratmeter nicht überschreiten. Diese Beschränkung wird vielfach kritisch gesehen

Kritik an der zusätzlichen Sonntagsöffnung der Geschäfte war von der Opposition und den Gewerkschaften gekommen. „Mit der Ladenöffnung an zwei Sonntagen bestraft der Wirtschaftsminister gerade die Menschen, die zuletzt für die Versorgung der Bürger da waren, mit weiteren Arbeitszeiten“, sagte Uwe Polkaehn, Vorsitzender DGB Nord. Die Ausweitung der Einkaufszeiten sei auf dem Weg in die Normalität wenig hilfreich.  dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.