Große Katastrophenübung soll EU-Länder besser auf Notfälle vorbereiten

Erdbeben im Land X

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Zum Glück ist es diesmal nur eine inszenierte Katastrophe: Helfer einer finnischen Bergungstruppe stützen im dänischen Tinglev eine Frau, die – laut Drehbuch – zuvor aufgrund eines Erdbebens von Trümmern verschüttet worden ist. 

Tinglev/Kiel - Bei einer großen EU-Katastrophenschutzübung haben Hilfskräfte aus zwölf Nationen im dänischen Tinglev den Einsatz nach einem fiktiven Erdbeben „in einem Land X“ geprobt. „Mit schwerem Gerät wurden Opfer aus Trümmern möglichst schnell geborgen und medizinisch versorgt“, sagte Markus Taglieber von den Johannitern am Sonnabend in Tinglev nahe der deutschen Grenze. Dort gibt es ein Übungsgelände, fast ein kleiner Ort, mit noch intakten Gebäuden, aber auch zerstörten Häusern und Trümmern. „Es ist alles sehr realitätsnah“, sagte Taglieber.

Laut Übungsdrehbuch sollten die transportfähigen Verletzten und Unverletzten noch am Sonnabend zum Bundeswehrgelände nach Rendsburg-Hohn gebracht und Sonntag vom Luftwaffenflugplatz zurück in ihre Heimatländer ausgeflogen werden.

Das Szenario: Spürhunde suchen in Tinglev nach Opfern. Manche stecken in hohlen Betonteilen und werden freigeflext oder -gemeißelt, auch Presslufthämmer kommen zum Einsatz.

Aus Lautsprechern knattern Hubschraubermotoren, dazu kommen Bergungsgeräusche. Alles soll wirken wie bei einer echten Katastrophe. Italienische Hilfskräfte haben ein Lazarettzelt errichtet, Röntgenuntersuchungen und Notoperationen werden simuliert.

Knapp 200 Helfer und mehr als 100 Verletztendarsteller sind im Übungseinsatz – auch Trainer sowie ehrenamtliche Helfer der Johanniter aus Kiel und Hamburg sind dabei. Verschiedene Teams des EU-Katastrophenschutzes kommen aus Finnland, Rumänien, den Niederlanden, Frankreich sowie aus Polen.

Lehre ziehen aus Tsunami von 2004

Besonders auf dem Prüfstand stand eine neue Einheit im EU-Katastrophenschutzverfahren: In weltweiten Krisensituationen soll künftig „Euracare Flight & Shelter“ EU-Bürger in Sicherheit bringen. Die Einheit ist ein Gemeinschaftsprojekt der Johanniter-Unfall-Hilfe, der Flugbereitschaft der slowakischen Regierung, des slowakischen Arbeiter-Samariter-Bundes sowie der österreichischen Landesregierung der Steiermark.

Das Team ist in der Lage, mit einem slowakischen Airbus A 319 schnell in Krisenregionen zu fliegen, um EU-Bürger zurück nach Europa zu transportieren. In Rendsburg-Hohn sollte der Airbus Sonntag zu zwei sogenannten Evakuierungsflügen abheben.

Das Übungsszenario ging von einem Erdbeben in einem Land außerhalb der EU aus. Möglichst schnell wollen die europäischen Länder künftig in Notfällen ihren Bürgern am Katastrophenort mit eigenen Helfern beistehen und sie ausfliegen, erläuterte Taglieber. Dies sei auch eine Lehre aus der Tsunami-Katastrophe von 2004 in Asien. Die Abläufe müssten eingeübt werden einschließlich der Formalitäten mit dem jeweiligen Land, in das die Helfer müssen.

Bei einem Übungserfolg wird „Euracare Flight & Shelter“ als neues EU-Modul offiziell anerkannt. 

dpa

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