AUS DEM GERICHT Fall eines Waffensammlers wirft viele Fragen auf

Erinnerungswürdige Durchsuchung

Kiel – Als der Polizist im Keller der Villa an der Kieler Förde Licht anschaltet, traut er seinen Augen nicht. An der Wand hängen beleuchtete SS-Runen. In dem Keller steht ein Wehrmachtspanzer vom Typ „Panther“. In gutem Zustand. „Das war mehr als museal“, erinnert sich der 65-Jährige am Montag im Kieler Landgericht an die Durchsuchung im Mai 2015.

Der Besitzer der Villa samt Panzer muss sich wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und waffenrechtlicher Verstöße vor Gericht verantworten.

Der 84 Jahre alte Angeklagte war im Zuge von Ermittlungen um wieder aufgetauchte Nazi-Kunst ins Visier geraten. Ermittler des Landeskriminalamtes Berlin baten 2015 um Hilfe. Der Zeuge und eine Kollegin halfen am 20. Mai aus. Vor dem Einsatz hatte er bereits gerüchteweise von einem Panzer in dem Vorort Heikendorf gehört. Er wisse, dass der eine oder andere Kollege bereits in dem Keller des Anwesens gewesen sei. Es sei aber als Sammlung abgetan worden. Als Schutzmann habe er gelernt, „es gibt nichts, was es nicht gibt“.

Die Kunstdurchsuchung habe ihn dennoch erstaunt, sagt der ehemalige Polizist. Beispielsweise habe er gedacht: „Das kann doch nicht angehen. Da liegt eine auseinandergebaute V1-Rakete.“ Später habe sich herausgestellt, dass Triebwerk und Gefechtskopf fehlen. An einer Flak habe nur Luft in den Reifen gefehlt. Sonst habe sie ausgesehen, als sei sie frisch vom Band gelaufen. Auch einen Adler mit Hakenkreuz habe er gesehen, Schilder aus dem Dritten Reich.

Zu einem Teil habe ihm der Angeklagte erklärt: „Das ist ein Geschoss von der ,Bismarck‘.“ Zu einem Schellenbaum mit der Aufschrift „Graf Spee“ habe er angegeben, diesen von Bekannten aus Argentinien erhalten zu haben. „Das ist ja weltweit verknüpft das Ganze, wer wem was schenkt“, sagt der Zeuge.

Nach der Kunstdurchsuchung liest der Beamte Vorschriften des Kriegswaffenkontrollgesetzes nach, nimmt Kontakt mit dem Landeskriminalamt und der Staatsanwaltschaft auf. Für ihn steht schnell fest: „Klar darf man einen Panzer nicht haben.“ Irgendwann ist den Ermittlern klar, die Sachen müssen aus der Villa herausgeholt werden. Sie wenden sich an Pioniere der Bundeswehr aus Husum. Am 1. Juli 2015 beginnt eine zweitägige Aktion, deren Bilder um die Welt gehen.

Im Kern geht es in dem Kieler Prozess um die Frage, ob der Panzerkampfwagen unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fällt. Die Staatsanwaltschaft wertet neben dem Panzer auch die Flugabwehrkanone und andere Waffen als Kriegswaffe. Dagegen geht die 7. große Strafkammer auf Basis mehrerer Gutachten davon aus, dass es sich nur bei der Flugabwehrkanone nach wie vor um eine Kriegswaffe handeln dürfte.  dpa

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