Archäologen sind bei den Ausgrabungen auf Überreste der Kieler Altstadt gestoßen. Dabei fanden sie unter der Leitung von Marc Kühlborn (Bild) auch rund 100 Jahre alte Bierflaschen. - Foto: dpa

Archäologen auf den Spuren der Gründungszeit Kiels

Erlebbare Stadtgeschichte

Kiel - Überreste der historischen Kieler Altstadt legen Archäologen derzeit frei. Sie hoffen an einer der Keimzellen der Stadt auf neue Erkenntnisse zur Geschichte Kiels. Was finden sie noch unter einem bereits freigelegten Keller?

Archäologen haben bei Ausgrabungen Überreste der Kieler Altstadt freigelegt. „Wir hoffen auf Funde aus der Gründungszeit der Stadt Kiel kurz nach 1200“, sagte Grabungsleiter Marc Kühlborn. Möglich gemacht hat die Grabungen der geplante Bau des Wohnkomplexes Schlossquartier. Derzeit laufen dort Vorbereitungen für den Tiefbau. Seit Mitte März buddeln deshalb auch die Experten des Landesamtes für Archäologie. Ihre Grabungsstätte liegt in der Nähe des Kieler Schlosses und des Stadtklosters. „Hier ist eine der Keimzellen der Stadt“, sagte Kühlborn. „Das ist hier eine ganz besondere Stelle.“ Die Forscher rechnen mit neuen Erkenntnissen über die Geschichte der Kieler Altstadt.

Für Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) ist es spannend zu verfolgen, welche Fundstücke die Archäologen im Schlossquartier finden. „Stück für Stück kommen Fragmente des alten Kiels zu Tage, die Kieler Stadtgeschichte erlebbar werden lassen.“

Grabungsleiter Kühlborn und seine drei Kollegen haben mit ihren Schaufeln, Kellen und Pinseln bereits einen Keller freigelegt, den der Experte auf den Zeitraum 16., 17. oder 18. Jahrhundert schätzt. „Spannend ist für mich aber die Frage, was sich unter diesem Keller befindet“, sagte der 48-Jährige. Was die Experten schon zu wissen glauben: Wir gehen davon aus, dass der Keller bereits vor der weitgehenden Zerstörung der Kieler Altstadt 1943/44 aufgegeben worden ist.“ Der Backstein-Fußboden sinke an einer Stelle ab. Das sei ein Indiz dafür, dass sich darunter etwas befinde, möglicherweise ein Brunnen oder eine Kloake.

Außerdem legten die Archäologen Mauerreste von Häusern an der früheren Fischerstraße frei. Sie führte vom Schloss, wo einst der einzige Landzugang der Altstadt war, in die Stadt. Deutlich sichtbar auf dem Gelände ist ein Ring aus roten Backsteinen. „Das könnte einmal ein Brunnen oder aber auch eine Kloake gewesen sein“, sagte Kühlborn. Außerdem machten die Wissenschaftler Keramikfunde, beispielsweise sogenannte Malhorn-Ware. Kühlborn schätzt den Topf auf das 18. Jahrhundert.

Etwas jünger sind Bierflaschen beispielsweise von der Brauerei „Dornbräu Kiel-Hassee“ oder der „Kieler Actien-Brauerei“. Eine Flasche ohne Namen der Brauerei ist nach Kühlborns Schätzung mindestens 120 Jahre alt.

Alle Funde werden von den Archäologen vermessen und dokumentiert. Einige Funde sichern die Experten auch langfristig. Alles, was sie in den kommenden Wochen nicht sichern, ist auf alle Zeiten verloren. „Eine Ausgrabung ist wie die Betrachtung eines Buches, von dem es nur eine Ausgabe gibt.“ Und von diesem Buch fehlten auch noch die Hälfte der Seiten, sagte Kühlborn. Der Grabungsleiter rechnet damit, dass die Arbeiten drei bis vier Monate dauern werden. - dpa

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