Aufgeflogen: Der Angeklagte verbirgt vor Gericht ein Handtattoo unter einem weißen Plastikhandschuh.
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Aufgeflogen: Der Angeklagte verbirgt vor Gericht ein Handtattoo unter einem weißen Plastikhandschuh.

Bande leitet erbeutetes Geld und Gold in die Türkei

Falscher Polizist vor Gericht

Kiel – Meist waren die Beute 20 000 bis 25 000 Euro Bargeld, abgelegt in einem Stofftuch in einer Mülltonne oder auf dem Reifen eines Wohnmobils. In einem Fall brachten falsche Polizisten ihre Opfer gar um 4,5 Kilogramm Gold – mehr als 200 000 Euro wert. Wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs falscher Polizisten muss sich ein 28-Jähriger seit Mittwoch vor dem Kieler Landgericht verantworten.

Dem Angeklagten werden 14 vollendete und ein versuchter Betrug vorgeworfen, sagte Staatsanwalt Benedikt Bernzen zu Prozessbeginn.

Nach Verlesung der Anklageschrift wurde der Prozess unterbrochen. In einem Verständigungsgespräch mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung hat die Kammer für den Fall eines „werthaltigen Geständnisses“ die Einhaltung eines Strafrahmens zwischen vier Jahren und sechs Monaten und fünf Jahren und drei Monaten zugesagt, sagte eine Gerichtssprecherin. Vier der angeklagten Fälle sollen demnach vorläufig eingestellt werden.

Der Angeklagte soll sich mit weiteren, gesondert verfolgten Tätern im Januar 2019 zu einer Bande zusammengeschlossen haben und von Bremen aus als Koordinator fungiert haben. Im Juni 2019 setzte er sich in die Türkei ab und stieg dort zum Mitbetreiber eines Callcenters auf, das hinter den Betrügereien stand. Bei einem der Fälle in Kiel gelang es Polizisten jedoch bereits im März 2019, einen der sogenannten Abholer festzunehmen. Die mitangeklagten Fälle spielten sich in der Folgezeit ab.

Die Betrügerbande habe wiederholt und systematisch vornehmlich ältere Menschen ins Visier genommen, „um diese um ihr Erspartes zu bringen“, sagte der Staatsanwalt. Das Muster war dabei immer ähnlich: Sogenannte Keiler riefen die späteren Opfer an, teils über Stunden. Am Telefon gaben sie sich als Polizisten mit dem Namen Wagner oder Borowski aus. Sie warnten die teils weit über 80 Jahre alten Angerufenen davor, Opfer eines Verbrechens zu werden. Beispielsweise sei deren Anschrift bei einem festgenommen Verbrecher aufgefunden worden und diese seien ebenfalls ins Visier geraten. Ihre Opfer saßen in Kiel, Lübeck und andernorts.

Die Opfer glaubten, ihr Vermögen in Sicherheit zu bringen, und übergaben das Geld dafür entweder direkt den Abholern oder deponierten es an verabredeten Punkten – beispielsweise im Stofftuch in einer Papiertonne oder auf dem Rad eines bestimmten Wohnmobils. Es ging um fünfstellige Geld-Beträge. Getäuscht hätten die Opfer die Vermögenswerte ausgehändigt, sagte der Staatsanwalt. „Die Gesamtsumme beläuft sich auf mehrere Hunderttausend Euro.“

Der nun in Kiel vor Gericht stehende Mann wohnt in Bremen. Von dort aus soll er zunächst „als sogenannter Inlandslogistiker“ die Abholer angeworben und entlohnt sowie die Beute entgegengenommen und in die Türkei weitergeleitet haben, sagte Bernzen. Dessen Frau habe als Kurier gewirkt, eine Cousine Flüge gebucht und Beute entgegengenommen. dpa

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