SPD wirft Regierung Abkehr von Inklusion an Schulen vor

Es fehlen Lehrer und etwa 1 500 Sonderpädagogen

Für eine umfassende Inklusion fehlen den Schulen im Land die Fachkräfte. Foto: dpa

Kiel – Die SPD hat der Regierung zu wenig Einsatz für den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern vorgeworfen. „Die Landesregierung hat sich vom Leitbild der inklusiven Schule verabschiedet“, sagte der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat gestern in Kiel. Angesichts der Sondervermögen des Landes in Milliardenhöhe sei es möglich, die notwendige räumliche und sachliche Ausstattung der Schulen zu finanzieren. Erstmals seit Jahren sei die Zahl der Schüler an Förderzentren im Schuljahr 2018/19 gestiegen.

Alle Schulen müssten inklusive Bildungseinrichtungen sein, sagte der SPD-Schulpolitiker Kai Vogel. Gemeinschaftsschulen müssten besonders unterstützt werden, weil sie 95 Prozent der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf aufnehmen. Notwendig ist nach Ansicht der SPD auch ein Bekenntnis der Regierung zur Schulassistenz. Ein Gutachten fehle weiter, sagte Habersaat. Aktuell arbeiteten die Schulassistenten mit befristeten Verträgen.

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hatte angekündigt, bei der Inklusion stärker die Qualität in den Vordergrund zu rücken. „Wir wollen die Inklusion nicht zurückdrehen“, sagte sie Mitte Januar. Es gehe aber nicht darum, die Inklusionsquote von rund 70 Prozent um jeden Preis weiter zu steigern. Schleswig-Holstein habe die höchste Inklusionsquote aller Flächenländer in Deutschland.

Seit einigen Jahren lernen im Norden rund zwei Drittel aller Kinder mit „sonderpädagogischem Förderbedarf“ an Regelschulen. Die Qualität konnte aus Sicht von Kritikern mit der schnellen Umsetzung nicht Schritt halten, besonders wegen Personalmangels. Der Landesrechnungshof sprach in einem Bericht vor gut zwei Jahren von gravierenden Mängeln. Allein bei den Grundschulen fehlten viele Lehrer und etwa 1 500 Sonderpädagogen.  dpa

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