PORTRÄT Siegfried Assmann wird am 1. Februar 95 Jahre alt

Fensterkunst mit Farben

Künstler Siegfried Assmann mit seine Tochter Stefanie Assmann-Och in seinem Atelier in Großhansdorf. Foto: epd

Großhansdorf - Von Julia Fischer . Glasscherben, Fensterscheiben und Mosaiksteine sind das Arbeitsmaterial von Siegfried Assmann. Aber eigentlich ist der Hamburger Künstler Experte für das Licht und seine Farben. Seit Anfang der 1950er-Jahre hat er mehr als 100 Kirchenfenster und ganze Innenräume von Kirchen in Schleswig-Holstein und Hamburg gestaltet. Von einzelnen Fenster-Elementen bis zu meterhohen Bleiverglasungen – Assmann hat die Kirchenlandschaft im Norden geprägt. Am 1. Februar wird er 95 Jahre alt.

Assmann arbeitet mit Antikglas und Bleifassung. Häufig verwendet er auch dicke farbige Glasplatten, sogenanntes Dallglas, in große Stücke gebrochen und in Betonstruktur eingefasst. In Hamburg-Blankenese gestaltete er auf drei hohen Buntglasfenstern im Altarraum Bildgeschichten von der Kreuzigung bis zur Ausgießung des Heiligen Geistes. Das Altarfenster des Meldorfer Doms zeigt stilisiert die zwölf Jünger. In einer Kirche in Molfsee bei Kiel stellte er die sieben Schöpfungstage in Rundfenstern dar.

Geboren wurde Assmann 1925 in Posen (heute Polen). Nach der Schule wollte er Musiker werden, doch dann begann der Zweite Weltkrieg, und Assmann wurde Soldat. 1947 schrieb er sich an der Landeskunstschule für die Fächer Grafik, Malerei, Wandgestaltung und Glasfenstermalerei in Hamburg ein und wurde Meisterschüler bei Theo Ortner. Später kam die Bildhauerei dazu.

„Ich bin sehr glücklich darüber, was aus mir geworden ist“, sagte Assmann. Musik ist noch immer Teil seines Lebens: Assmann spielt bis heute die Erste Geige im Sinfonieorchester Bad Bramstedt. Sein Leben lang habe er nur das getan, was ihm Spaß machte. Die Kunst sei keine Arbeit, ohne sie gehe es nicht. Im Garten und an der Eingangstür stehen seine Werke. Skulpturen und Bronzen hinterm Haus, Reliefs an der Hauswand, und sogar der Türgriff ist vom ihm gestaltet. Auf dem Tisch im Atelier liegt seine Geige neben einem Skizzenblock und Bleistiften. Die Kirchenfenster haben sich „ein bisschen so ergeben“, sagt Assmann. Viele im Krieg zerstörte Kirchen wurden in den 1950er-Jahren wieder aufgebaut. Seine ersten Aufträge hatte er in Hamburger Kirchen. Von dem Lohn baute sich Assmann sein Haus mit Atelier und Werkstatt in Großhansdorf, dort lebt er noch heute. „Die Atmosphäre einer schönen Kirche hat mich schon immer fasziniert“, sagt Assmann. Er wurde religiös erzogen, sein Vater war Religionslehrer. Dem Sohn fiel es leicht, biblische Themen umzusetzen. „Das Schöne an Kirchenfenstern ist, dass sie so viele Menschen wahrnehmen. Das ist wie eine ständige Ausstellung.“ Er versuche immer, das Thema der Fenster dem Gebäude und der Umgebung anzupassen. 1974 gestaltete Assmann den Innenraum der Kapelle im Kloster Nütschau (bei Bad Oldesloe). Drei der vier Wände bestehen aus Bleiverglasung in leuchtenden Farben, die wie eine Welle von außen auf den Altar zulaufen. Die Farben greifen die Umgebung auf: das Blau von Trave und Himmel, die Brauntöne von Sand, Moorerde und Feldsteinen.

Ab den 60er-Jahren machte sich Assmann auch als Bildhauer einen Namen im Norden. In Gudendorf (Kreis Dithmarschen) schuf Assmann eine Gedenkstätte für die sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter. In Heide findet man seine Skulpturen gleich mehrfach. So „sitzt“ etwa in der Straße Schumacherort ein bronzener Schusterjunge, und an der Süderstraße steht der „Hahnbeermann“. Sein neuestes Werk ist der „Jung mit’n Tüdelband“ (2019) am Hamburger Wohnhaus des Musikers Ludwig Wolf (1867 bis 1955), dem Komponisten des gleichnamigen Gassenhauers. Der Künstler lebt noch selbstständig in seinem Haus. Tochter Stefanie hilft ihm im Alltag.  epd

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