2017 sollen in der Ostsee kaum noch Dorsche gefangen werden / Ein ganzer Nachwuchsjahrgang ist ausgefallen

Fischer wegen Fangquote in Existenznot

Der Deutsche Fischerei-Verband setzt auf politische Hilfe für die bedrohten Dorschfischer an der Ostsee. - Foto: dpa

KIel/Schwerin - Der Deutsche Fischerei-Verband (DFV) setzt auf politische Hilfe für die von einer drastischen Kürzung der Fangmenge bedrohten Dorschfischer in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Die Fangquote in der westlichen Ostsee soll im kommenden Jahr für die Erwerbsfischerei auf Empfehlung des Internationalen Rats für Meeresforschung um 87,5 Prozent sinken. Dies komme einem Fangstopp gleich, sagte Claus Ubl vom Fischerei-Verband im Blick auf den gestern in Potsdam begonnenen Deutschen Fischereitag. Dort werde ein Runder Tisch mit den Ministerien aus Kiel und Schwerin Wege aus der Krise suchen.

Der Verband hat mit der Politik Gespräche über mögliche Finanzhilfen aufgenommen. „Man muss sich irgendwie überlegen, wie man die Betriebe durch das nächste Jahr bringt, und da ist eine finanzielle Unterstützung eine mögliche Maßnahme“, sagte Ubl. Der Dorsch sei die Haupteinnahmequelle der Ostseefischer.

Fischereiminister Robert Habeck (Grüne) hat beim Bund Hilfe eingefordert. Als Möglichkeiten sieht er Stilllegungsprämien und Umstellungshilfen zugunsten jener Fischer, die vom Dorsch auf andere Fischarten wechseln wollen. Dafür müsste die EU die verwaltungstechnischen Voraussetzungen schaffen. Das Geld käme vom Bund und aus einem EU-Topf. Einige Millionen Euro würden Schätzungen zufolge für die betroffenen deutschen Fischer benötigt.

Hintergrund der angekündigten drastischen Quotenreduzierung ist der rätselhafte Ausfall eines ganzen Dorsch-Jahrgangs. Aus Sicht Ubls wird es keine gezielte Dorschfischerei mehr geben, wenn die Fangmenge wie angekündigt verringert wird. Die wenigen verbleibenden Prozente seien nur noch als Beifangquote zu nutzen. „Und da das der Brot-Fisch für viele Fischer an der Ostseeküste ist, gibt es da natürlich große Existenzängste.“

Der Naturschutzverband WWF forderte, die wissenschaftlich empfohlenen Quotenkürzungen umzusetzen, aber Überbrückungsmöglichkeiten für Fischer zu schaffen. Als Notfallmaßnahme sollten Abwrackprämien und sozialverträgliche Stilllegungen von Kuttern umgesetzt werden.

„Die Dorschkrise ist hausgemacht“, sagte WWF-Fischereiexpertin Stella Nemecky. Der Dorsch sei in der westlichen Ostsee jahrzehntelang überfischt worden. „Es kommt in der Natur vor, dass Nachwuchsjahrgänge quasi komplett wegbrechen, sagte Nemecky.“ Bei überfischten Beständen seien die Folgen gravierend.

„Wir wollen uns nicht den Ast absägen, auf dem wir sitzen“, sagte für den Fischerei-Verband Pressesprecher Ubl. Die Dorschquote sei in den vergangenen Jahren immer wieder gesenkt worden.

„Im letzten Jahr hat die Wissenschaft vorausgesagt: Wenn wir diese Fangquote einhalten, dann wird der Bestand wieder wachsen. Nun ist ein kompletter Jahrgang ausgefallen – und kein Mensch weiß, warum.“ Der Deutsche Fischerei-Verband vereinigt rund 600 000 Mitglieder aus allen Sparten der deutschen Fischerei unter einem Dach.J dpa

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