Modernisierung mit Hürden

Nord-Ostsee-Kanal: Ausbau zieht sich bis in die 30er-Jahre

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Der Nord-Ostsee-Kanal erspart Schiffen durchschnittlich rund 450 Kilometer Weg und gilt als die am meisten befahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Welt. Das Bild zeigt die Levensauer Hochbrücke, die auch von der langen Modernisierung betroffen ist.

Kiel - 2014 sollte der Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals westlich von Kiel fertig sein. Vor 2030 wird das aber nichts. „2014 war ein Wunschtermin aus dem politischen Raum“, sagt Projektleiter Jörg Brockmann. Seit Planungsbeginn 2006 hatten die ehemaligen Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), Peter Ramsauer und Alexander Dobrindt (CSU) Zusagen gemacht. Passiert ist nichts.

Der 1895 eröffnete, 98,7 Kilometer lange Kanal zwischen Kiel und Brunsbüttel wurde mit seinen über 100 Jahre alten, reparaturanfälligen Schleusen ein Symbol für die Vernachlässigung von Infrastruktur durch den Bund. Mittlerweile läuft ein komplexes Modernisierungsprojekt mit einem Volumen von 1,8 Milliarden Euro. Eine Bestandsaufnahme:

  • Ost-Strecke: Auf einer 18-Kilometer-Strecke westlich Kiels wird auf elf Kilometern der Kanal verbreitert und Kurven werden entschärft. Das soll zehn Jahre dauern und 280 Millionen Euro kosten. Mitte 2019 geht es im Vier-Kilometer-Abschnitt zwischen Großkönigsförde und Groß Nordsee los.
  • Kreuzottern: Die gefährdeten Reptilien sonnen sich gern am Nordufer auf den schwarzen Steinen. Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) ließ für sie auf einem halben Hektar ummauerte Terrarien bauen. „Die Schlangen kommen nicht raus, aber die Mäuse kommen rein“, sagt Projektleiter Brockmann.
  • Baggergut: 8,5 Millionen Kubikmeter Erde sind am Kanal zu bewegen – 400.000 Lkw-Ladungen. Aber die Horrorvision von Laster-Schlangen durch Dörfer und Städte ist vom Tisch. 2,8 Millionen Kubikmeter fallen im ersten Abschnitt an. Das trockene Material kommt in Kanalnähe auf die Felder von zwei Bauern, die dafür entschädigt werden. Das nasse Baggergut soll östlich von Damp in die Ostsee verklappt werden. Was in Brunsbüttel beim Schleusenneubau ausgebaggert wird, bringen Schuten in ein Bodenlager am Kanal. Auch ein Teil dieses nassen Baggerguts kann zum Deichbau verwendet werden.
  • Fünfte Schleuse Brunsbüttel: Der Neubau läuft seit 2015. Die für das zweite Halbjahr 2020 vorgesehene Verkehrsfreigabe verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Bei den Arbeiten ergaben sich Hunderte Munitionsverdacht-Fälle. Zudem mussten aufgrund komplizierter Baugrundverhältnisse die Verankerungen von Kammersohle und -wänden neu geplant werden. Die Kosten für die fünfte Kammer inklusive drei neuer Schleusentore gibt die WSV mit 485 Millionen Euro an. Ein neuer Fertigstellungstermin wird nicht vor Jahresende verkündet.
  • Schleusen Kiel-Holtenau: Eine Sanierung der kleinen Kammern ist vom Tisch, von Mitte 2021 an sollen neue gebaut werden, fünf Jahre lang. Kosten: 240 bis 285 Millionen Euro. Danach sind die beiden großen Kammern dran.
  • Levensauer Hochbrücke: Das mehr als 100 Jahre alte Bauwerk bei Kiel wird ersetzt. „Gefühlter Baubeginn“ ist 2020, sagt Sönke Meesenburg, der bei der WSV den Bereich Investitionen leitet. Angepeilt war 2018. Geschätzte Kosten: 50 Millionen Euro.
  • Fledermäuse: Die unter Schutz stehenden Flugsäuger überwintern unter der alten Levensauer Brücke. Der Plan ist, am Südufer des Kanals das Widerlager der alten Brücke stehen zu lassen, damit die Tiere da bleiben können.
  • Sicherheit: Der Austausch der Dalben in den Ausweichstellen ist abgeschlossen. Der Bund investierte 50 Millionen Euro in sichere Schiffsbegegnungen. Rund 220 Holzdalbenbündel wurden gegen 176 aus Stahl getauscht. Dort legen wartende Schiffe an.
  • Kanalvertiefung: Ziel ist eine Vertiefung um einen Meter, um Schiffen mit mehr Tiefgang die Durchfahrt zu ermöglichen. Dieses Vorhaben wird frühestens starten, wenn der Ausbau der Ost-Strecke weitgehend abgeschlossen ist. 
  • dpa

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